Amaryllis: Blütenwunder aus der Zwiebel

Amaryllis, auch Rittersterne genannt, schöpfen ihre Kraft aus dicken Knollen. Damit sie jedes Jahr erneut blühen, brauchen die Pflanzen vor allem nach der Blüte eine besondere Pflege.
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Amaryllis: Die rotweiß gestreiften Wildarten des Rittersterns nutzen Züchter für die Entwicklung neuer Sorten.

Ganz ohne Zweifel kann man Amaryllis eine Diva nennen, denn stolz tragen Amaryllis im Winter riesige Blüten­trichter auf kräftigen Blütenschäften, die sich aus faustgroßen Zwiebeln hoch hinausschieben. Meist leuchtet die anspruchs­volle Amaryllis in Rot und duldet bestenfalls ihresgleichen neben sich. Die pflegeleichten Pflanzen werden bei uns als Zimmerpflanzen gehalten. Amaryllis können im Haus überwintern und blühen mit der richtigen Pflegeanleitung auch im nächsten Jahr wieder üppig.

Amaryllis machen nicht nur auf der Fensterbank, sondern auch in Blumensträußen eine tolle Figur.

Amaryllis: Pflegeanleitung für das ganze Jahr

  • Dezember und Januar: hell bei 16 – 20°C, keine direkte Sonne. In den Untersetzer gießen, die Zwiebel bleibt trocken.
  • Februar bis April: Welke Blüten abschneiden, Blätter stehen lassen. Ab März wärmer stellen.
  • Mai bis Juli: Topf halbschattig ins Freie stellen. Wöchentlich schwach mit Dünger, am besten Flüssigdünger, düngen.
  • August: Nicht mehr gießen, das Laub verwelkt und die Ruhephase beginnt.
  • September bis Oktober: Altes Laub abschneiden, Topf bei 15 °C in den Keller stellen. Nicht gießen.
  • November bis Dezember: Zwiebel bis zur Hälfte in neue Erde topfen. Ende November leicht gießen, Topf hell und warm stellen. Ist der Austrieb 10 cm lang, wöchentlich schwach gießen.

Karriere unter falschem Namen

Die im Winter angebotenen Amaryllis dürften streng genommen überhaupt nicht Amaryllis heißen. Der eingedeutschte Name “Amaryllis” ist zwar gängig, gemeint sind aber Pflanzen der botanischen Gattung Hippeastrum, auf deutsch Ritterstern.

Die echte Amaryllis (Amaryllis bella-donna) heißt Belladonnalilie und öffnet bereits im Spätsommer rosa­farbene, duftige Blüten. Das Namenswirrwarr um die Amaryllis entstand vor etwa 200 Jahren, als europäische Pflanzenjäger Kopf und Kragen riskierten, um exotische Blumen aus Afrika, Südamerika und Asien in die Heimat zu bringen. Darunter auch die Belladonnalilie. Durch die Fülle der Neuankömmlinge blickten dann selbst Botaniker nicht mehr durch.

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Amaryllis: gelbe Rittersterne sind eine Besonderheit, etwa die beiden Sorten 'Germa' und 'Yellow Pioneer'.

Amaryllis und Rittersterne

Zwar wurde die Klassifizierung korrigiert, jedoch hält sich der Name Amaryllis bis heute hartnäckig für den Ritterstern, sodass der Name Amaryllis heute meist mit Ritterstern gleichgesetzt wird. Im Folgenden meinen wir mit “Amaryllis” ebenfalls den Ritterstern. Wurden im 16. und 17. Jahrhundert überwiegend Nutzpflanzen wie Kakao, Kartoffeln oder Bananen eingeführt, wollte im 18. und 19. Jahrhundert auch der ästhetische Hunger der höheren Stände gestillt werden. Die prächtigen Amaryllis aus den peruanischen Anden, Brasilien oder Bolivien eroberten die Herzen Europas im Sturm. Die Belladonnalilie entdeckten Forscher dagegen in Südafrika.

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Die meisten Amaryllis blühen in temperamentvollem Rot.

Die Belladonnalilie kommt aus Südafrika

In Südafrika nutzten Einheimische die tödlichen Pflanzensäfte der Wüs­tenschönheit allerdings ganz pragmatisch als Pfeilgift. Auch unsere im Winter als Zimmerpflanzen beliebten Amaryllis sind leicht giftig, wie bei der südafrikanischen Belladonnalile steckt das Toxin aber vorwiegend in der Knolle. Durch Kreuzung der Wildarten und selek­tierende Züchtung entstanden bald Hunderte von Hippeastrum-Hybriden. Die roten, rosa­farbenen, weißen oder gestreiften Blütensterne der Amaryllis, die bis zu zwölf Zentimeter groß werden können, thronen auf bis zu 60 Zentimeter hohen Stängeln. Ungewöhnlich und noch recht selten sind gelbe oder gefüllte Amaryllis.

Amaryllis pflegen

Um selbst zu erleben, wie sich aus der XXL-Zwiebel eine Amaryllis entwickelt, ist nur ein Tontopf nötig sowie gute Erde. Die Zwiebel der Amaryllis wird so tief in die Erde gesetzt, dass noch ein Drittel heraus ragt. Ein daumenbreiter Abstand zwischen den Zwiebeln und dem Topfrand genügt. Die Wurzeln dürfen nicht knicken. Nach dem Angießen schiebt die Amaryllis auf der warmen, hellen Fens­terbank bald den ersten Blütenschaft empor.

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Amaryllis sind ideale Vasenblumen. Hier blühen gefüllte Amaryllis mit Ranunkeln und Gerbera um die Wette.

Amaryllis nach der Blüte

Ist der Austrieb etwa eine Handbreit hoch, wird die Amaryllis regelmäßig gegossen. Bekommt die Zwiebel zu früh zu viel Wasser, treibt sie nur Blätter statt Blüten. In der Ruhephase nach dem Winter schneidet man den Blütenschaft ab, damit sich die Amaryllis nicht bei der Samen­bildung auspowert. In der Wachstumsphase von Frühjahr bis Sommer sollten die schmalen Blätter ausreichend Wasser und Dünger bekommen, denn die Kraft der Blätter lagern Amaryllis im Herbst in die Zwiebel ein. Ab August wird die Futterration redu­ziert, ab September ganz ausgesetzt. Jetzt schneidet man auch ein­getrock­nete Blätter der Amaryllis ab. Danach schlummert die Zwiebel etwa zwei Monate im Dunkeln in der Trockenruhe, bevor sie im Winter neue Blüten treibt.

Amaryllis in der Vase

Amaryllis-Stängel sind ideal für hohe, durchsichtige Glasvasen. Damit die Blüten lange halten, schneiden Sie die Stängel erst mit einem scharfen Messer an und umwickeln sie anschließend am unteren Ende fest mit Tesafilm. So reißen die Stängel nicht ein und rollen sich später in der Vase nicht auf - das Tesafilm wirkt wie eine Klammer.

Blumensträuße mit Amaryllis