Living at Home – Redaktionsblog

Bless bless

Die Ereignisse haben sich seit meinem letzten Eintrag überschlagen. Jajaja, ich weiß, der 26. November ist zwei Monate her. Meinetwegen soll zur Strafe heißes Geysir-Wasser auf mein Haupt regnen, es wird mein Vogelnest da oben nicht weiter durcheinander bringen.  

Mit verspätetem Pflichbewusstsein setzte ich dort an, wo ich aufhörte: Bei der wichtigen, beruflichen Entscheidung, vor der ich im November stand. Jessas, ich hab in den letzten sieben Wochen mehr Entscheidungen gefällt, als eine Casting-Show Jury in fünf Staffeln.  

Da ich mich einer ausführlichen Darstellung der Situation nicht gewachsen fühle, fasse ich die Geschehnisse zusammen, so gut ich kann. Und werde mich ab einem gewissen Punkt mit Stichworten ausdrücken. Sonst brechen Traumata erneut auf.

Am Freitag den 27. November habe ich meinem Ex-Chef, der mir meine alte Stelle wieder angeboten hatte, abgesagt. Ich bin einfach kein Schreibtischtyp. Wenn ich ehrlich bin, kam meine Entlassung im vorigen Frühjahr mir nicht ganz ungelegen. Zwar fehlte uns während meiner Arbeitslosigkeit Geld in der Haushaltskasse, aber was ist schon ein finanzielles Loch gegen die Möglichkeit, sich am hellen Tag in der Badewanne zu suhl neu gewonnene Lebensqualität?

Mit dieser Absage ging das Vorhaben einher, die Haushaltskasse zu sanieren UND dabei die gewonnene Lebensqualität zu bewahren. Meine Geschäftsidee, zur Erinnerung: Ein Kinder-Notfall-Service. Ich wollte anderen Eltern anbieten, jederzeit einzuspringen, wenn ein Betreuungs-Engpass besteht. Stunden- oder Tageweise. Eine kleine Umfrage in unserem und in den angrenzenden Stadtteilen hat ergeben, dass Bedarf besteht.

Mit dieser Geschäftsidee wollte ich zu Jahresbeginn starten. Die letzten Wochen des Jahres sollten genutzt werden, um unser vernachlässigtes Extrazimmer in einen Raum zu verwandeln, der so ansprechend ist, dass kleine Gäste jeden Alters sich darin wohl fühlen würden. Ab hier möchte ich die angekündigten Stichworte sprechen lassen

-       Waschmaschine, Wasserschaden, Wohnung unbewohnbar

-       Umzug nach nebenan, zu Schwager und Schwägerin  

-       Schwägerin = Mutter Beimer, Gwyneth Paltrow und Cruella de Ville in einer Person (erwähnte ich schon, dass sie von einem kalifornischen Webshop regelmäßig geblümte Putzlappen aus zertifizierter Biobaumwolle bezieht, die nach dem Gebrauch gewaschen und gebügelt werden? Normalerweise duftet ihr Bügelwasser nach Flieder oder Maiglöckchen, im Advent wird auf eine dezente Zimtnote gesetzt. Zimsterne sind hingegen Tabu).

-       22.12. Entscheidung gefällt, zu Weihnachten den dort üblichen, Metabolic Balance-Speiseplan zu ignorieren und für Heiligabend eine Gans mit Klößen vorbereitet

-       Statt „Weihnachten in Bullerbü“ gabs „Weihnachten in Waterloo“

-       25.12., spontane Entscheidung, durch die Ausübung von Wintersport der räumlichen und geistigen Enge zu entkommen. Flucht in die Berge, freies Pensionszimmer gefunden. Welch ein Glück!

-       29.12., Einlieferung in ein Kärntner Krankenhaus. Bänderriss, Schulter ausgekugelt, Gehirnerschütterung. Man soll mit dem Glück eben nicht drängelig sein, vor allen nicht auf Buckelpisten.

-       Jahreswechsel im Fünfbettzimmer, Graubrothäppchen mit Cervelat, süßer Sekt, ORF-Silvestergala mit Dagmar Koller und DJ Bobo

-       3.1., mein Mann darf mich abholen, Heimfahrt unter mittleren Schmerzen. Rückkehr in eigene Wohnung, die nur noch ein gaaaanz klein wenig feucht müffelt

-       4.1., erster Arbeitstag meines Mannes, mit einem überraschenden Angebot: Er soll in Reykjavik eine leitende Position übernehmen, Einjahresvertrag. Beginn: März. Seitdem stündlich neue Pro-Kontra-Listen erstellt

-       15.-17.1.: Langes Test-Wochenende in Island verbracht.

-       19.1. Entscheidung gefällt. Islandaufenthalt zugesagt.

Wir ziehen also mit Ablauf des Schulhalbjahres um. Die Kinder sind aus dem Häuschen. Kein Wunder, mein Mann hat versprochen, dass sie dort ein Pony kriegen. Ich freue mich auch. Fremde Kinder hüten, das kann ich noch 2011. Jetzt wird isländisch gelernt. 

Meine Freundin, die mich letzten Sommer überredete, an dieser Stelle aus meinem Hausfrauendasein zu berichten, ist begeistert. Sie findet, ein Island-Tagebuch wäre eine famose Sache. Ich habe dies kurz in Erwägung gezogen. Und mir ein isländisches Pseudonym überlegt. Klingt „Mýsla Brynjarsdóttir“ nicht wunderbar nach einer isländischen Mizzi Brandhuber? Aber um ehrlich zu sein: Ich will mein Leben nicht öffentlich machen. Das Island-Jahr gehört meiner Familie und mir, das wird nicht geteilt. 

Wenn ihr an der Blauen Lagune vorbei kommt, und einen roten Schopf im Dampf leuchten seht. Das bin ich! Ich plane, mich sooft es geht im warmen Geysir-Wasser zu tummeln. Und die Seele baumeln zu lassen. Wer weiß, vielleicht werde ich zur „Miss Müßiggang 2010“ gewählt. Ich würde den Titel mit Stolz tragen.

Ich sage: Bless bless! Das heißt: Auf Wiedersehen!

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