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Digitalkameras: Praktische Fototipps

Hier mal eine Einstellung der Kamera ändern, da mal aus einer anderen Perspektive fotografieren: Oft sind es Kleinigkeiten, mit denen dann richtig gute Bilder gelingen. Außerdem unentbehrlich: das passende Zubehör.

Bildaufteilung und Perspektive

Für Alltagssituationen liefert die Kamera-Automatik gute Bilder, Sie brauchen sich weder um Blenden und Belichtungszeiten zu kümmern. Worauf Sie aber immer achten sollten, sind die Bildaufteilung und  Perspektive, denn diese machen Bilder oftmals gleich doppelt interessant.

Bei einer ungünstigen Bildaufteilung sind die Beine abgeschnitten, während über dem Kopf des Fotografierten viel Himmel bleibt (links). Bei der rechten Aufnahme wurde alles richtig gemacht.

Viele Aufnahmen von Freunden und Familie sehen so aus: Die Füße sind abgeschnitten, und über den Köpfen der Fotografierten ist jede Menge Himmel. Achten Sie also beim Blick durch den Sucher oder aufs Display darauf, dass Füße und Kopf ganz drauf sind. Gehen Sie notfalls etwas in die Hocke. Das Ergebnis sind viel professionellere Bilder!

Kinder und Tiere sollten Sie übrigens immer aus Augenhöhe fotografieren. Für Portraits sollten Sie immer leicht zoomen und mit 55mm Brennweite fotografieren.

Fotografieren Sie Tiere möglichst aus Augenhöhe. Foto: Thomas Heß

Ein Bild vermittelt z.B. Tiefe, wenn Diagonalen in die Szene hineinführen. Dies kann ein Weg sein, der den Blick nach hinten leitet. Fotografieren Sie geometrische Objekte wie Straßen, Hecken oder Gebäude am besten aus einem seitlichen Blickwinkel, sodass sie zum Bildhintergrund hin kleiner erscheinen.

Die ISO-Einstellungen

Die ISO-Zahl kennzeichnet die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors, wobei die ISO-Einstellungen natürlich nicht den Sensor selbst beeinflussen, sondern die nachträgliche interne Verarbeitung der Bild-Daten mit der Kamerasoftware. Höhere ISO-Zahlen ermöglichen kürzere Belichtungszeiten und damit scharfe Bilder auch bei wenig Licht, erhöhen aber gleichzeitig auch das Bildrauschen.  Stellen Sie möglichst eine niedrige Zahl (ISO 100 oder 200) ein und erhöhen diese nur, wenn die Bilder aufgrund schlechter Lichtverhältnisse verwackeln.

Praktisch: wenn die ISO-Einstellung nicht nur über das Menü funktioniert, sondern auch über einen extra Knopf am Gehäuse (hier bei der Leica V-Lux 2).

Fester Stand

Besonders bei schlechten Lichtverhältnissen oder der Verwendung eines Teleobjektivs sind die Bilder schnell verwackelt. Abhilfe schafft ein Stativ. Ein Bildstabilisator bringt bei Bildern aus freier Hand sehr viel. So unlogisch es auch klingt, bei Verwendung eines Stativs sollte man den Bildstabilisator ausschalten – oder die Hand beim Auslösen auf die Kamera legen. Denn der Stabilisator reagiert auf das leichte, immer vorhandene Zittern der Hand. Fehlt dieses, werden die Bilder schlechter.

Freihandbilder mit Bridgekameras können bei voll ausgefahrenem Zoom auch trotz des Bildstabilisators verwackeln. Denn die Kameras sind so leicht, dass ihnen die nötige Trägheit fehlt. Beschwert man die Kamera z.B. mit einem ins Stativgewinde geschraubtem Kugelkopf, werden die Bilder schärfer.

Scharfe und rauschfreie Bilder bei wenig Licht gelingen nur mit einem Stativ. Foto: Thomas Heß

Für Nachtaufnahmen mit längerer Belichtungszeit muss die Kamera unbedingt fixiert sein. Ein Stativ ist Pflicht. Wer keins mitschleppen will, kann notfalls auch eine Jacke oder Tasche unter die Kamera legen. Fotogafieren Sie bei Langzeitbelichtungen mit dem Selbstauslöser, damit das Bild durch das manuelle Drücken des Auslösers nicht verwackelt.

Belichtungszeiten

Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange der Sensor belichtet wird. Um sich schnell bewegende Motive zu fotografieren, wählen Sie eine kurze Belichtungszeit (1/500s), damit das Objekt scharf ist und die Bewegung wie eingefroren wirkt. Der Sensor hat dann sozusagen keine Zeit, um eine Bewegung zu registrieren. Das Sportprogramm einer Kamera macht nichts anderes.

Eine kurze Belichtungszeit lässt Bewegungen einfrieren. Foto: Thomas Heß

Eine lange Belichtungszeit von weniger als 1/30 Sekunde lässt Bewegung dagegen verschwimmen bzw. fließen, die Autolichter beispielsweise formen bei Belichtungszeiten von mehr als 10 Sekunden sehr schöne Lichtspuren.

Eine lange Belichtungszeit, hier gut 20 Sekunden, lässt Autos auf der Autobahn Lichtlinien zeichnen. Foto: Thomas Heß

Die Blende

Die Blende regelt, wieviel Licht durch das Objektiv auf den Sensor fällt. Mit der Bezeichnung ist es immer gegenteilig: eine große (offene) Blende hat eine kleine Zahl, z.B. Blende f/2,8, und lässt viel Licht durch. Eine kleine (geschlossene) Blende hat eine große Zahl, z.B. Blende f/16, und lässt nur wenig Licht durch.

Eine kleine Blende (hier f/22, links) erzeugt große Schärfentiefe, die Gläser sind bis hinten gut zu erkennen. Eine große Blende (hier f/5,6) betont dagegen eine einzige Bildebene. Foto: Thomas Heß

Die Blende legt fest, welche Bildbereiche scharf werden sollen. Bei einer großen Blende ist z.B. der Vordergrund scharf, während der Hintergrund verschwommen ist. Auf diese Einstellung greift z.B. der Portrait-Modus einer Digitalkamera zurück. Bei einer kleinen Blende sind Vorder- und Hintergrund (so weit möglich) scharf. Da die Kamera bei einer kleinen Blende länger belichten muss, ist ein Stativ sinnvoll. Ideal für Landschaftsaufnahmen.

Text: Thomas Heß