veilchenblau
20.05.2011, 16:23
Gärtnern...
Meine Liebe zum Gärtnern war keine Liebe auf den ersten Blick. Sie ist langsam über Jahre gewachsen. Vielleicht hat es mit ein paar Rückschlägen zu tun, die ich ganz am Anfang meiner Gartenbeziehung erlitten habe.
Da war der kleine Reihenhausgarten meines Elternhauses, den meine Schwestern und ich hauptsächlich für drei Dinge brauchten: Spielen, spielen und spielen. Wir galoppierten auf imaginären Pferden so lange im Kreis, bis ein brauner Trampelpfad unseren Weg nachzeichnete. Wir schaukelten und sprangen im hohen Bogen ab, bis die Hosen und Knie Tarnfarbe hatten und unter der Schaukel nur noch Muttererde war. Wir ließen diverse Meerschweinchen und Kaninchen den Rasen bis zur Grasnarbe abnagen und zerwühlen, dafür aber „düngen“ mit kleinen grünbraunen Köteln, die uns nur störten, wenn wir im Sommer barfuß durch das Gras hüpften...
Meine Eltern aber waren alles andere als begeistert von einer derartigen (Ab)nutzung. Mein Vater war, wie fast alle Männer, der Rasenmäher der Familie. Er mähte, früher mechanisch, begleitet von dem typischen sonoren Schnurren der Spindel und dem herrlichen Duft frisch geschnittenen Grases, später sogar elektrisch (gelegentlich auch durchs Kabel...). Er schnitt die Kanten mit einer großen Schere, die mir als kleines Mädchen unendlich gefährlich erschien, er lief mit einer großen roten Harke in gleichmäßigen Bahnen hin und her und häufte den Rasenschnitt auf, um ihn in Müllsäcken zu entsorgen. Später erfreute er sich nach getaner Arbeit hochzufrieden mit einem Feierabendbier an seiner wunderschönen Grünfläche. Wenn da nicht diese Löcher und Furchen gewesen wären...
Wir Mädchen versuchten immer krampfhaft unsere Spuren zu beseitigen, bevor unser Vater von der Arbeit nach Hause kam. Die Furchen unserer „Reitstunden“ und die Gruben unter der Schaukel waren kaum zu vertuschen, aber wenigstens die Grablöcher der Kaninchen verdeckten wir schnell mit gerupftem Gras, nicht ahnend, dass uns spätestens nach einem Tag seltsame kleine, welke Heuhäufchen verrieten...
Meine Mutter hingegen störte sich eher an den Spuren, die die Verdauung unserer kleinen Nager im Gras hinterließ und zwang uns, die Kötelchen regelmäßig und natürlich unter großem Protest unsererseits aufzusammeln. Aber da keine von uns Mädchen auf die süßen Tierchen verzichten wollte, mussten wir diese widerliche Arbeit wohl oder übel auf uns nehmen. Es gab zwar regelmäßig Streit darüber, wer dran war, aber noch Jahre nach dem Auszug der letzten Tochter hatte meine Mutter noch Meerschweinchen. Also scheinen wir die Arbeit doch zufriedenstellend erledigt und den Schweinchen damit ein Bleiberecht erkämpft zu haben.
Eine schwere Bewährungsprobe für meine Gartenbeziehung war die Gartenarbeit an sich. Im Nachhinein gesehen in dem kleinen Gärtchen meiner Eltern mit den schmalen Staudenbeeten gar kein so großer Aufwand. ABER, ich musste helfen - jäten, gießen, Laub rechen, Tüten aufhalten und und und. Ich musste mir meine armen Hände schmutzig machen, die Fingernägel ruinieren und die Knie aufschubbern. Ich war mitten in der Pubertät und für so etwas nicht zu gewinnen! Meine Mutter jedoch liebte ihr „Grünzeug“ und hegte und pflegte mit Hingabe ohne Rücksicht auf Rückenleiden oder kalte Füße. Wenn wir Mädchen den Nachmittagstee vorbereitet hatten, geschah es nicht selten, dass meine Mutter sagte: „ Ich komme gleich, ich muss nur noch mal schnell in den Garten gucken.“ Das war der Supergau, denn wir wussten, es würde keine zwei Minuten dauern, dann ist sie auf den Knien und nach einer halben oder ganzen Stunde und unzähligen „Ich komme ja gleich...“ würden wir einknicken und hinausgehen und ihr helfen. Schade um den Tee...
Mein schlimmstes Erlebnis aber hatte ich schon im zarten Alter von drei Jahren, als mein erster freiwilliger gärtnerischer Versuch von meiner Mutter jäh und gnadenlos im Keim erstickt wurde: Ich wollte helfen, ich wollte jäten. Und ich jätete alles, was nach Grashälmchen aussah. Leider hatte meine Mutter gerade Grasnelken gepflanzt... Kein Wunder, dass mich dieses Trauma bis weit über die Pubertät hinaus prägte!
(Auch nicht schön war es, als mein Vater auf meine Frage, warum er ein rechteckiges Loch aushob und es mit Wasser füllte, grinsend antwortete: „ Ich baue einen Barbie-Swimmingpool!“ Mein überschwänglicher Freudenausbruch wurde jäh unterbrochen, als ich einen kleinen aber kräftigen Kirschbaum in „meinem“ neuen Pool fand...)
Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Ich habe mich von einer 60 Quadratmeter großen Betonterrasse über 400 auf 800 Quadratmeter Grundstück „hochgearbeitet“ Ich grabe, pflanze, jäte, gieße, ich gestalte Kübel, schneide Bäume und Büsche in Form, ziehe Gemüse. Ich knie in Beeten, wühle mit Genuss mit bloßen Händen in der Erde und begrüße Freude strahlend jedes Pflänzchen, dass sich nach dem Winter wieder ans Licht traut. Von den Gärtnereien im Umkreis bekomme ich bald die goldene Kundenkarte. Sogar Rasen mähe ich, falls es mein Mann mal nicht schafft. Und nun muss meine Familie mit dem Tee auf mich warten. Und nun sollen meine Kinder mir helfen.
Nur einige Kleinigkeiten haben sich unwesentlich verändert: Ich habe zwei Jungs, die spielen nicht „Pferd“. Den Trampelpfad im Garten zieht daher unser Hund beim Jagen des Postautos an der Hecke entlang. Und die Kötel der unvermeidlichen Meerschweinchen? Um die „kümmert“ sich (leider) auch der Hund...
Meine Liebe zum Gärtnern war keine Liebe auf den ersten Blick. Sie ist langsam über Jahre gewachsen. Vielleicht hat es mit ein paar Rückschlägen zu tun, die ich ganz am Anfang meiner Gartenbeziehung erlitten habe.
Da war der kleine Reihenhausgarten meines Elternhauses, den meine Schwestern und ich hauptsächlich für drei Dinge brauchten: Spielen, spielen und spielen. Wir galoppierten auf imaginären Pferden so lange im Kreis, bis ein brauner Trampelpfad unseren Weg nachzeichnete. Wir schaukelten und sprangen im hohen Bogen ab, bis die Hosen und Knie Tarnfarbe hatten und unter der Schaukel nur noch Muttererde war. Wir ließen diverse Meerschweinchen und Kaninchen den Rasen bis zur Grasnarbe abnagen und zerwühlen, dafür aber „düngen“ mit kleinen grünbraunen Köteln, die uns nur störten, wenn wir im Sommer barfuß durch das Gras hüpften...
Meine Eltern aber waren alles andere als begeistert von einer derartigen (Ab)nutzung. Mein Vater war, wie fast alle Männer, der Rasenmäher der Familie. Er mähte, früher mechanisch, begleitet von dem typischen sonoren Schnurren der Spindel und dem herrlichen Duft frisch geschnittenen Grases, später sogar elektrisch (gelegentlich auch durchs Kabel...). Er schnitt die Kanten mit einer großen Schere, die mir als kleines Mädchen unendlich gefährlich erschien, er lief mit einer großen roten Harke in gleichmäßigen Bahnen hin und her und häufte den Rasenschnitt auf, um ihn in Müllsäcken zu entsorgen. Später erfreute er sich nach getaner Arbeit hochzufrieden mit einem Feierabendbier an seiner wunderschönen Grünfläche. Wenn da nicht diese Löcher und Furchen gewesen wären...
Wir Mädchen versuchten immer krampfhaft unsere Spuren zu beseitigen, bevor unser Vater von der Arbeit nach Hause kam. Die Furchen unserer „Reitstunden“ und die Gruben unter der Schaukel waren kaum zu vertuschen, aber wenigstens die Grablöcher der Kaninchen verdeckten wir schnell mit gerupftem Gras, nicht ahnend, dass uns spätestens nach einem Tag seltsame kleine, welke Heuhäufchen verrieten...
Meine Mutter hingegen störte sich eher an den Spuren, die die Verdauung unserer kleinen Nager im Gras hinterließ und zwang uns, die Kötelchen regelmäßig und natürlich unter großem Protest unsererseits aufzusammeln. Aber da keine von uns Mädchen auf die süßen Tierchen verzichten wollte, mussten wir diese widerliche Arbeit wohl oder übel auf uns nehmen. Es gab zwar regelmäßig Streit darüber, wer dran war, aber noch Jahre nach dem Auszug der letzten Tochter hatte meine Mutter noch Meerschweinchen. Also scheinen wir die Arbeit doch zufriedenstellend erledigt und den Schweinchen damit ein Bleiberecht erkämpft zu haben.
Eine schwere Bewährungsprobe für meine Gartenbeziehung war die Gartenarbeit an sich. Im Nachhinein gesehen in dem kleinen Gärtchen meiner Eltern mit den schmalen Staudenbeeten gar kein so großer Aufwand. ABER, ich musste helfen - jäten, gießen, Laub rechen, Tüten aufhalten und und und. Ich musste mir meine armen Hände schmutzig machen, die Fingernägel ruinieren und die Knie aufschubbern. Ich war mitten in der Pubertät und für so etwas nicht zu gewinnen! Meine Mutter jedoch liebte ihr „Grünzeug“ und hegte und pflegte mit Hingabe ohne Rücksicht auf Rückenleiden oder kalte Füße. Wenn wir Mädchen den Nachmittagstee vorbereitet hatten, geschah es nicht selten, dass meine Mutter sagte: „ Ich komme gleich, ich muss nur noch mal schnell in den Garten gucken.“ Das war der Supergau, denn wir wussten, es würde keine zwei Minuten dauern, dann ist sie auf den Knien und nach einer halben oder ganzen Stunde und unzähligen „Ich komme ja gleich...“ würden wir einknicken und hinausgehen und ihr helfen. Schade um den Tee...
Mein schlimmstes Erlebnis aber hatte ich schon im zarten Alter von drei Jahren, als mein erster freiwilliger gärtnerischer Versuch von meiner Mutter jäh und gnadenlos im Keim erstickt wurde: Ich wollte helfen, ich wollte jäten. Und ich jätete alles, was nach Grashälmchen aussah. Leider hatte meine Mutter gerade Grasnelken gepflanzt... Kein Wunder, dass mich dieses Trauma bis weit über die Pubertät hinaus prägte!
(Auch nicht schön war es, als mein Vater auf meine Frage, warum er ein rechteckiges Loch aushob und es mit Wasser füllte, grinsend antwortete: „ Ich baue einen Barbie-Swimmingpool!“ Mein überschwänglicher Freudenausbruch wurde jäh unterbrochen, als ich einen kleinen aber kräftigen Kirschbaum in „meinem“ neuen Pool fand...)
Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Ich habe mich von einer 60 Quadratmeter großen Betonterrasse über 400 auf 800 Quadratmeter Grundstück „hochgearbeitet“ Ich grabe, pflanze, jäte, gieße, ich gestalte Kübel, schneide Bäume und Büsche in Form, ziehe Gemüse. Ich knie in Beeten, wühle mit Genuss mit bloßen Händen in der Erde und begrüße Freude strahlend jedes Pflänzchen, dass sich nach dem Winter wieder ans Licht traut. Von den Gärtnereien im Umkreis bekomme ich bald die goldene Kundenkarte. Sogar Rasen mähe ich, falls es mein Mann mal nicht schafft. Und nun muss meine Familie mit dem Tee auf mich warten. Und nun sollen meine Kinder mir helfen.
Nur einige Kleinigkeiten haben sich unwesentlich verändert: Ich habe zwei Jungs, die spielen nicht „Pferd“. Den Trampelpfad im Garten zieht daher unser Hund beim Jagen des Postautos an der Hecke entlang. Und die Kötel der unvermeidlichen Meerschweinchen? Um die „kümmert“ sich (leider) auch der Hund...