Im Winter starten Rittersterne, die bei uns auch Amaryllis genannt werden, richtig durch. Kraft für das Blühspektakel im Dezember und Januar schöpfen Amaryllis aus einer dicken Knolle.

Amaryllis: Die rotweiß gestreiften Wildarten des Rittersterns nutzen Züchter für die Entwicklung neuer Sorten.
Ganz ohne zweifel kann man Amaryllis eine Diva nennen, denn stolz tragen Amaryllis im Winter riesige Blütentrichter auf kräftigen Stielen, die sich aus faustgroßen Zwiebeln hoch hinaus schieben. Meist brilliert die anspruchsvolle Amaryllis in Rot und duldet bestenfalls ihresgleichen neben sich.
Amaryllis ist nicht gleich Amaryllis
Zweifelhaft ist allerdings, die im Winter in Blumenläden angebotene Amaryllis überhaupt Amaryllis zu nennen. Der eingedeutschte Name “Amaryllis” ist gängig, gemeint ist aber die botanische Gattung Hippeastrum, auf deutsch Ritterstern. Die echte Amaryllis (Amaryllis bella-donna) heißt Belladonnenlilie und öffnet bereits im Spätsommer rosafarbene, duftige Blüten. Das Namenswirrwarr um die Amaryllis entstand vor etwa 200 Jahren, als europäische Pflanzenjäger ihren Kopf riskierten, um exotische Blumen aus Afrika, Südamerika und Asien in die Heimat zu bringen. Darunter auch die Amaryllis. Durch die Fülle der Neuankömmlinge blickten selbst Botaniker nicht mehr durch.

Amaryllis: gelbe Rittersterne sind eine Besonderheit, etwa die beiden Sorten 'Germa' und 'Yellow Pioneer'.
Zwar wurde die Klassifizierung korrigiert, jedoch hält sich der Name Amaryllis bis heute hartnäckig, so dass Amaryllis heute meist mit Ritterstern gleichgesetzt wird. Wurden im 16. und 17. Jahrhundert überwiegend Nutzpflanzen wie Kakao, Kartoffeln oder Bananen eingeführt, wollte im 18. und 19. Jahrhundert auch der ästhetische Hunger der höheren Stände gestillt werden. Die prächtigen Rittersterne aus den peruanischen Anden, Brasilien oder Bolivien eroberten die Herzen Europas im Sturm. Die echte Amaryllis, die Belladonnenlilie, entdeckten Forscher dagegen in Südafrika.

Die meisten Amaryllis blühen in temperamentvollem Rot.
Dort nutzten Einheimische die tödlichen Pflanzensäfte der Wüstenschönheit allerdings ganz pragmatisch als Pfeilgift. Auch Rittersterne sind leicht giftig, wie bei der echten Amaryllis steckt das Toxin aber vorwiegend in der Knolle. Durch Kreuzung der Wildarten und selektierende Züchtung entstanden bald hunderte von Hippeastrum-Hybriden. Im folgenden meinen wir mit “Amaryllis” den Ritterstern. Die roten, rosafarbenen, weißen oder gestreiften Blütensterne der Amaryllis, die bis zu zwölf Zentimeter groß werden können, thronen auf bis zu 60 Zentimeter hohen Stängeln. Ungewöhnlich und noch recht selten sind gelbe oder gefüllte Amaryllis.
Amaryllis: praktische Tipps
Um selbst zu erleben, wie sich aus der XXL-Zwiebel eine Amaryllis entwickelt, ist nur ein Tontopf nötig und gute Erde. Die Zwiebel der Amaryllis wird so tief eingesetzt, dass etwa ein Drittel aus der Erde ragt. Ein daumenbreiter Abstand zwischen Knolle und Topfrand genügt. Die Wurzeln dürfen nicht knicken. Nach dem Angießen schiebt die Amaryllis auf der warmen, hellen Fensterbank bald den ersten Blütenschaft empor.

Amaryllis sind ideale Vasenblumen. Hier blühen gefüllte Amaryllis mit Ranunkeln und Gerbera um die Wette.
Amaryllis zum Blühen bringen
Ist der Austrieb etwa eine Hand breit hoch, wird die Amaryllis regelmäßig gegossen. Bekommt die Zwiebel zu früh zu viel Wasser, treibt sie Blätter statt Blüten. Nach der winterlichen Blühphase schneidet man den Blütenstand ab, damit sich die Amaryllis nicht bei der Samenbildung auspowert. In der Wachstumsphase von Frühjahr bis Sommer sollten die schmalen Blätter ausreichend Wasser und Dünger bekommen, denn die Kraft der Blätter lagern Amaryllis im Herbst in die Zwiebel ein. Ab August wird die Futterration reduziert, ab September ganz ausgesetzt. Jetzt schneidet man auch eingetrocknete Blätter der Amaryllis ab. Danach schlummert die Zwiebel etwa zwei Monate im Dunkeln in der Trockenruhe, bevor sie im Winter neue Blüten treibt.
Fotos: Julia Hoersch, Shutterstock





























