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Kaktus: piekfeiner Westernheld

Gut, beim Kuscheln sticht ein Kaktus schon mal zu. Ansonsten ist ein Kaktus total unkompliziert und lässt sich im Team zu blühenden Wüstenlandschaften arrangieren.

Kaktus mit Strähnchen: Typisch für Fasskakteen (Ferocactus) sind schön ausgefärbte Dornen.

Glühend heisse Sonne am Südfenster lässt einen Kaktus kalt, und urlaubsbedingte Dürrezeiten übersteht er, ohne sich gleich beleidigt hängen zu lassen. Ziemlich lässig eigentlich, so ein kleiner, grüner Kaktus: der perfekte Mitbewohner für viel beschäftigte Singles oder nur sporadisch enthusiastische Zimmergärtner.

Kaktus: Weltmeister der Wasserwirtschaft
Den souveränen Umgang mit klimatischen Extrembedingungen lernte der Kaktus in nur wenigen Millionen Jahren – geologisch gesehen eine recht kurze Zeitspanne. In öden Sandwüsten, auf staubtrockenem Grasland oder unwirtlichen Geröllhalden Mexikos und Südamerikas igelt sich der Kaktus ein oder steht einfach nur, zur Salzsäule erstarrt, herum. Erst wenn der erlösende Regen fällt, erwacht der Kaktus zu neuem Leben und zeigt, was so alles in ihm steckt: Er öffnet seine Blüten in strahlendem Gelb, Weiß oder Rot. Seine Existenz sichert sich der Kaktus, indem er Wasser in seinem saftigen Körpern sammelt.

Kaktus in Blüte: Strahlend gelb öffnen sich die Trichterblüten des Zwergkaktus (Rebutia minuscula), wenn die Sonne kräftig scheint.

Kaktus: nützliche Stacheln
Solche Wasser speichernden Pflanzen heißen Sukkulenten (vom lateinischen Wort “succus”, Saft), zu denen etwa auch Agaven oder Aloen gehören. Um das kostbare Nass nicht unnötig zu verdunsten, verzichtet der Kaktus auf Blätter und zeigt stattdessen Dornen in bizarren Formen: borstig, spitz, gebogen oder hakenförmig. Die schützen vor hungrigen Wüstentieren und sind perfekt konstruierte Tauwasserfänger. Wuschelige Haarkleider mancher Kaktusarten helfen, Kälte- und Hitzeperioden zu überstehen, und eine dicke Wachsschicht verhindert das Austrocknen.

Kaktus: praktische Tipps
Wer in der Wüste überleben kann, ist auch in der Wohnung total genügsam. Höchstens Nordfenster, feuchte Badezimmer oder Staunässe machen dem Survivalprofi Kaktus zu schaffen. Die meisten Kakteen- und auch Sukkulentenarten sind licht- und wärmehungrig und haben es oft nicht eilig mit dem Großwerden. Südexponierte Fensterbänke sind ideal, um in kleinen Töpfen und Schalen eine Miniwüste zu arrangieren.

Kaktus im Minitopf: Solange der pummelige Warzenkaktus (Mammillaria) und der säulenförmige Myrtillocactus (rechts) noch klein sind, passen sie bequem in Minitöpfe.

Für einen Kaktus braucht der Gefäßdurchmesser nur knapp 2cm größer als der Wurzelballen zu sein. Handschuhe, Styroporstücke oder eine kleine Zange helfen beim Topfen. Das Substrat muss absolut wasserdurchlässig sein (Fachhandel). Gelegentliche Regenfälle simulieren Kaktuseltern von März bis Oktober mit kräftigen Wassergaben, wenn die Erde völlig trocken ist; dann freut sich der Kaktus auch über stickstoffarme Düngergaben. Im Winter wenig bis gar nicht gießen, um die Blütenbildung anzu­regen. In der Zeit will ein Kaktus kühl stehen; ideal sind etwa 10°C.