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Kamelien: Applaus für blühende Wunderwerke

Zart und ebenmäßig ist ihr Teint, fast wie aus Porzellan. Mit viel Noblesse begeistern Kamelien zwischen November und April mit einem stillen Farbenrausch.

Kamelien verwandeln ihren edlen Blütenstoff in kunstvolle Blütenschalen, die aussehen, als seien sie aus Seidenpapier gefertigt.

Auf euphorische Liebe folgt oft der Absturz. Gestern noch begehrt, heute schon kaltgestellt: So erging es auch dem Schriftsteller Alexandre Dumas, der im Roman “Die Kameliendame” seine stürmischen Gefühle für die Ex, die Kurtisane Marie Duplessis, literarisch verarbeitete.

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Ganz nebenbei beflügelte der 1848 erschienene Bestseller dann auch die Karriere der Blütenschönheit Kamelie (Camellia japonica): Sie avancierte, modisch betrachtet, zum It-Girl der feinen Gesellschaft. Mit sanfter Eleganz eroberte die Kamelie Glashäuser und Ballsäle. Und nicht selten schickten Gärtner die porzellanartigen Kostbarkeiten, in Watte gepackt, mit der Eisenbahn quer durch ganz Europa. Keine Festtafel, kein Handbouquet, keine kunstvoll gedrehte Locke wollte in jenen Jahren des Booms ohne die Blüten der Kamelie auskommen.

Kamelie: vergessene Schönheit
Doch so, wie sich glühende Affären eines Tages oft von selbst erledigen, verschwand nach 1900 auch die Kamelie aus dem Blickfeld des öffentlichen Interesses. Bedrängt von Nelken und Rosen fristete die Kamelie fortan ein Mauerblümchendasein. Nur in den Gewächshäusern, da tüftelten Gärtner weiterhin an neuen Sorten des immergrünen Strauches, die nicht nur in Kübeln, sondern auch im Beet gedeihen – mit Erfolg: Das Sortiment der Kamelie bietet heute viele frostverträgliche Sorten, die den Winter draußen schadlos überstehen und ihre Blüten in allen Schattierungen von Weiß, Rot und sogar Gelb öffnen.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Kamelie die Modeblume schlechthin. Ihre Blüten wurden gern – wie hier – in flachen Schalen mit Standfuß arrangiert. Foto: Anke Schütz

Kamelie: praktische Tipps
Unentbehrlich ist dabei für die Kamelie ein vor kaltem Ostwind und winterlicher Morgensonne geschützter Platz. Auch sollten die Wurzeln in der Erde unter einer dicken Mulchschicht warm verpackt sein. Fallen die Temperaturen unter minus 12 Grad, verhindern zusätzlich Tannenzweige oder Reetmatten Frostschäden an Blättern und Zweigen der Kamelie.