Björn Moschinski ist sympathisch, straight und vegan. Sein erstes Kochbuch “Vegan kochen für alle” ist vor Kurzem erschienen. Uns erzählt er im Interview von seinem Buch und dem Leben als Veganer.
Seit seinem fünfzehnten Lebensjahr ist Björn Moschinski Veganer – und das nicht nur in der Küche, sondern konsequent in allen Bereichen seines Lebens. Der gelernte Koch – mittlerweile einer der bekanntesten veganen Köche Deutschlands – führt sein eigenes Restaurant „Bar & Restaurant Kopps“ in Berlin und bietet vegane Schulungen für Catering-Unternehmen, Betriebskantinen und Mensen in ganz Deutschland an.
livingathome.de:
Sie sind schon mit 15 Jahren Veganer geworden. Warum?
Björn Moschinski:
Ganz einfach gesagt: durch die Bravo. Die Bravo hatte damals Berichte über die Massentierhaltung und die Auswirkungen von Tiertransporten gebracht. Deswegen wurde ich zunächst Vegetarier. Aber auch dann konsumiert man ungewollt tierische Produkte. Als Vegetarier macht man sich oft keine Gedanken, dass zum Beispiel in Mousse au Chocolat Gelatine steckt, im Käse Lab sein kann oder auch Leder von Tieren kommt. Das sind Gründe, weshalb ich ein Jahr später zum Veganismus umgestiegen bin. Das war die Konsequenz. Weil ich keine Tiere töten möchte, will ich auch nichts von Tieren konsumieren.
livingathome.de:
Leben Sie in allen Bereichen strikt vegan?
Björn Moschinski:
Was anderes gibt es nicht für mich. Entweder man ist Veganer und betreibt eine vegane Lebensweise oder nicht. Es gibt auch Menschen, die sich als Veganer bezeichnen, aber nichts mit einem Veganer zu tun haben. In Ihrem Speiseplan verzichten sie zwar auf tierische Bestandteile, aber im restlichen Leben verwenden sie tierische Produkte.
Die Grundlage für Veganismus ist ethisch und moralisch begründet. Und das bedeutet eben, dass man in allen Lebenslagen – was Kleidung, Stoffe oder Schuhe angeht – rein vegan lebt.
Es gibt auch Vegetarier, die zum Beispiel Hähnchen oder Fisch essen. Das ist für mich eine Verwässerung von Begriffen, weil jeder gern zu diesem Trend dazu gehören möchte. Veganismus kann aber kein Trend sein, weil ein Trend nie ideologisch oder ethisch aufgebaut sein kann.
livingathome.de:
Kommen Nicht-Veganer in Ihr Restaurant “Kopps” in Berlin?
Björn Moschinski:
Ja, zur Zeit kommen zu 70 % Nicht-Veganer in unser Restaurant, der kleinste Teil sind Veganer. Die Leute denken langsam um und zeigen Interesse. Und wenn das Interesse geweckt ist, merken sie einfach, wie gut es ist.
Wir haben bei unserem Restaurantkonzept darauf geachtet, dass das alte Öko-Image der Veganer komplett ausgeblendet ist. Wir haben einen professionellen Service, eine wunderschöne Weinkarte, wir bieten Cocktails, und die Einrichtung ist vom Architekten entworfen worden.
Wenn die Leute das erste Mal in unser Restaurant kommen, sagen sie selbst, dass sie das alles nicht erwartet hätten. Wenn die Vorurteile ausgeblendet werden und die Leute offen sind, kriegen sie wirklich ganz schnell mit, dass es nicht so ist, wie sie immer dachten. Wir bekommen hervorragendes Feedback, und das Restaurant läuft besser, als wir es selbst erwartet haben.
livingathome.de:
Für viele bedeutet Veganismus Verzicht. Ist da was dran?
Björn Moschinski:
Das ist immer die große Problematik: Die meisten sagen, dass Veganismus Verzicht bedeutet, haben sich aber mit der Thematik nie auseinandergesetzt. Wenn man sich mal informiert, welche veganen Produkte, Lebensmittel und Rezepte es gibt, entdeckt man eine enorme Vielfalt. In meinem Restaurant und im Buch zeige ich, dass Vegetarismus und Veganismus keinen Verzicht bedeuten. Wir haben auch Gerichte wie Cordon bleu oder Roulade.
Ich empfinde die vegane Ernährung eher als einen Zugewinn. Man denkt bewusst über Produkte nach, die man früher einfach so konsumiert hat. Diese Erkenntnisse, die ich daraus ziehe, sind ein Zugewinn für mich.

Björn Moschinski kocht ohne tierische Produkte. Fotografen: Florian Bolk/André Wagenzik (Le Schicken)
livingathome.de:
Was bietet Ihr Kochbuch “Vegan kochen für alle”, und an wen richtet es sich?
Björn Moschinski:
“Vegan kochen für alle” ist ein Kochbuch für Einsteiger, die sich mit dem Thema Veganismus noch gar nicht richtig auseinandergesetzt haben. Das bedeutet, wir haben von allem was drin: einfache Rezepte mit Gemüse, Rezepte mit Fleischalternativen, Desserts und Kuchen. Am Ende erfährt man in einer kompakten Übersicht Wissenswertes über die vegane Küche. Der Leser kriegt mit dem Buch einen kleinen Überblick über die komplette Welt der veganen Küche.
Das Buch richtet sich an jeden, aber in erster Linie geht es mir immer um die Fleischesser und die Vegetarier. Da müssen wir ansetzen, denn die Veganer sind ja schon vegan. Aber es gibt natürlich auch unter den Veganern viele, die sich in der veganen Küche nicht gut auskennen und nicht wissen, was es für einfache vegane Gerichte gibt. Und für sie ist das Kochbuch natürlich auch geeignet, damit sie tolle Rezeptideen für sich finden.
livingathome.de:
Haben Sie Tipps für Einsteiger? Und: Welche Zutat darf in der veganen Küche nicht fehlen?
Björn Moschinski:
Ich habe immer vegane Butter und vegane Sahne da. Außerdem findet man bei mir frisches Gemüse und Salat im Kühlschrank. Im Trockenlager habe ich texturiertes Soja auf Lager. Damit kann man viel machen, gerade im Bereich der Gerichte mit Fleischalternativen – als Fleischersatz eignet es sich sehr gut und es ist gut verträglich.

Das bewusste Konsumieren sei der erste Schritt, sagt Björn Moschinski. Foto: Sandra Gärtner, www.foodfotografin.de
livingathome.de:
Sind Bioprodukte, zum Beispiel auch beim Fleisch, für Sie ein Schritt in die richtige Richtung?
Björn Moschinski:
Ein Schritt in die richtige Richtung ist es schon, aber es sollte nicht der letzte Schritt sein. Natürlich würde ich am liebsten wollen, dass die Leute von heute auf morgen vegan leben, aber ich bin auch so reflektiert, dass ich das nicht erwarten kann. Es wäre utopisch zu glauben, dass die Menschen spontan vegan werden. Und von daher ist das Umdenken – das bewusste Konsumieren – der erste Schritt.
livingathome.de:
Vielen Dank für das Interview!
“Vegan kochen für alle”
von Björn Moschinski
Das Buch bietet vegane herzhafte und süße Rezepte sowie Hintergrundinfos zu Zutaten und Veganismus.
“Vegan kochen für alle” ist im Südwest Verlag (Randomhouse) erschienen und kostet 17,99 Euro: www.randomhouse.de
Extra-Tipp: Björn Moschinski stellt sein Buch im Video auf youtube vor.
Bilder:© “Vegan kochen für alle” (2011) von Björn Moschinski, Südwest Verlag (Randomhouse), ISBN 978-3-517-08777-1, www.randomhouse.de, Fotos: © Florian Bolk/André Wagenzik (Le Schicken)




















