Oft als der vegane “Jamie Oliver” bezeichnet, schwimmt Koch und Buchautor Attila Hildmann auf einer Erfolgswelle: Sein viertes Kochbuch ist erschienen, er gibt vegane Kochkurse und produziert Kochshows. Im Interview erzählt er über vegane Ernährung und unterschiedliche Lebenseinstellungen.
Zuerst traf Attila Hildmann die Entscheidung, sich vegan zu ernähren, dann brachte er sich das Kochen komplett autodidaktisch bei und ist mittlerweile ein gefragter Gast in Talkshows. Sein viertes Kochbuch “Vegan for fun” verkauft sich gut, und neben seiner Tätigkeit als Autor bietet er Kochkurse an und produziert weiterhin eigene Kochshows auf Youtube, durch die Hildmann bekannt wurde.
livingathome.de:
Was war Ihr Lieblingsessen als Kind?
Attila Hildmann:
Mein Lieblingsessen als Kind war Milchreis. Auch Käsefondue habe ich gerne gegessen. Dafür gibt es für mich heute natürlich keinen Ersatz. Ich habe das eine Zeit lang vermisst, aber heute ist es wirklich so, dass ich dem gar nicht mehr nachtrauere, weil ich auf der nun mindestens genauso leckere Speisen esse, die auch wirklich gesund sind.
livingathome.de:
Wie sind Sie zum Veganismus gekommen?
Attila Hildmann:
Es gab mehrere Gründe, die zu meiner Umstellung auf eine vegane Ernährungsweise führten. Ich war übergewichtig und an der Grenze zu Diabetes. Als mein Vater dann sehr früh starb, machte ich mir Gedanken, wie es um meine eigene Gesundheit in der Zukunft bestellt sein würde. So bin ich dann von heute auf morgen zunächst zum Vegetarier und aufgrund meines gleichbleibend hohen Cholesterinspiegels zum Veganer geworden.
Seit 10 Jahren stehe ich nun morgens auf und frage mich, ob ich heute ein Steak esse oder was Veganes. Bis jetzt habe ich mich jeden Tag für das vegane Gericht entschieden, weil man sich damit einfach extrem wohl fühlt und voller Energie ist. Man leistet einen positiven Beitrag zur Gesundheit und zum ganzen Körpergefühl.
livingathome.de:
Leben Sie komplett und strikt vegan?
Attila Hildmann:
Ich beschränke mich auf die Ernährung. Für mich bedeutet der Veganismus eine gesunde Ernährungsweise. In anderen Bereichen versuche ich darauf zu achten, kaufe aber doch auch mal Sneakers mit Lederanteilen. Für mich ist es wichtig, auf den Körper zu hören und andere Menschen zu animieren, einen Anfang zu wagen. Das versuche ich auch in meinem Buch zu vermitteln. Wenn sich jeder nur einen Tag in der Woche vegan ernähren würde, wäre damit schon viel erreicht.

Attila Hildmann kocht ohne tierische Produkte. Fotograf: Simon Vollmeyer
livingathome.de:
Wie schwierig oder einfach ist es, sich vegan zu ernähren?
Attila Hildmann:
Die vegane Küche ist heute sehr vielfältig. Zum Beispiel koche ich Spinatrisotto mit gerösteten Mandeln oder Paprika mit Kürbis-Feigen-Füllung auf Cashew-Safran-Schaum. Dazu wäre ich vor ein paar Jahren gar nicht in der Lage gewesen! Es ist natürlich am Anfang schwierig, weil man nicht weiß, wie und was man vegan kochen kann.
In meinem Buch möchte ich Ideen und Inspirationen weitergeben und zeigen, dass man als Veganer auf nichts verzichten muss. Man lernt mit jedem Tag dazu: Ich habe zum Beispiel lange gebraucht, eine leckere Bolognese-Sauce zu kreieren. Irgendwann ist es mir gelungen, und dieses Wissen teile ich nun.
livingathome.de:
Was macht Ihr Buch „Vegan for fun“ aus, und an wen richtet es sich?
Attila Hildmann:
Darin finden sich die besten Rezepte aus meiner zehnjährigen veganen Koch-Erfahrung. Dazu gibt es grandiose Fotos der Gerichte, eine sehr persönliche und undogmatische Herangehensweise an dieses doch oft sehr verbissen wahrgenommene Thema. Es heißt ja nicht umsonst “Vegan for fun”!
Das Buch richtet sich an jeden, aber primär an Fleischesser. Eine vegane Ernährung schützt vor Zivilisationskrankheiten. Mein Buch spricht Leute an, die sich undogmatisch mit dem Thema Veganismus beschäftigen wollen sowie gesundheitsbewusste Menschen, die leckere Rezeptideen für ihre vegane Küche suchen.

Vegane Ernährung ist einfach gesund, sagt Attila Hildmann. Fotograf: Simon Vollmeyer
livingathome.de:
Woher kommen die Ideen für Ihre Gerichte?
Attila Hildmann:
Als ich angefangen habe, vegan zu kochen, ging es für mich eher darum, eine gute Big-Mac-Sauce in der veganen Version zu machen. Es stand mehr im Mittelpunkt, wie man bestimmte Sachen vegan nachkochen kann. Heute ist es ganz anders: Durch das tägliche Beschäftigen mit den Lebensmitteln schaue ich im Bioladen, was saisonal und regional ist. Dann mache ich mir Gedanken, was ich damit machen kann. Was würde geschmacklich dazu passen? So fange ich dann an, mir kreative neue Sachen auszudenken. Ich versuche, eine vegane Küche zu etablieren, die fernab von Sojaschnitzel und Pommes liegt, weil das nicht ausgewogen ist.
livingathome.de:
Welche Zutat darf in der veganen Küche nicht fehlen?
Attila Hildmann:
Ich benutze momentan immer weißes Mandelmus. Das sind geschälte und gemahlene Mandeln. Dieses Produkt ist unglaublich vielfältig. Du kannst daraus Eiscreme, eine sehr gut schmeckende Sahneeis-Alternative machen oder es zur Carbonara-Sauce geben. Das Mus ist unglaublich cremig, leicht süßlich und gesund durch den hohen Kalziumgehalt.
livingathome.de:
Ist die vegane Ernährung teuer?
Attila Hildmann:
Nicht unbedingt. Das ist das, was meine Küche ausmacht: kurze Zutatenlisten und Sachen, die du überall bekommst. Man muss nicht unbedingt Zutaten im Onlineshop bestellen oder ständig Ersatzprodukte kaufen. Es liegt ein bisschen daran, wie man vegan kocht. Wenn du Rezepte machst, die überwiegend aus Obst, Gemüse, Nussmus und Hülsenfrüchten bestehen, dann wird es recht günstig.
Vergleicht man das mit der deutschen Durchschnittsernährung, die oft auf Fleisch aus Massentierhaltung basiert, kann man sagen: Natürlich ist so ein Schweineschnitzel momentan extrem günstig, aber da ist die Frage, wer die Folgekosten bezahlt. Tiergerechte Haltung ist nicht möglich, ganz abgesehen von den teuren Schäden für die Gesundheit und die Umwelt.
livingathome.de:
Vielen Dank für das Interview.
“Vegan for fun”
von Attila Hildmann
Das Buch bietet über 100 Rezepte für Einsteiger und Fortgeschrittene. Die Rezepte sind stark cholesterinreduziert, sollen beim Abnehmen helfen und langfristig gesund machen.
“Vegan for fun” ist im Becker Joest Volk Verlag erschienen und kostet 24,95 Euro: www.bjvv.de
Bilder: © “Vegan for fun” (2011) von Attila Hildmann, Becker Joest Volk Verlag, ISBN 978-3-938100-71-4,www.bjvv.de, Fotos: © Simon Vollmeyer
























