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Fertighäuser

Alles ist möglich


Stilistische Vielfalt außen wie innen und in der Technik das Neuste - auch wer klassisch bauen möchte, findet in den Katalogen, Firmenausstellungen und Musterdörfern der Fertighausbranche reiche Anregungen fürs persönliche Traumhaus.


Wie viel Haus wollen Sie?

Waren die ersten Fertighäuser noch klein, billig und schlicht, so entwickelte sich das Angebot in den 1980er Jahren zunehmend in Richtung Fertigvilla. Die meisten Innovationen zielen heute wieder eher in Richtung Kompakt- und Einfachheit. Viele "Starter"-Häuser oder Sondermodelle peilen vor allem die neue magische Preisgrenze von 100.000 Euro an, nicht alle davon bieten dabei eine spätere Erweiterungsmöglichkeit. Die traditionelle Fertighaus-Wachstumsoption heißt "Ausbauhaus". Dabei wird erst die komplette Hülle inklusive Dach eines größeren Hauses gebaut, aber am Anfang nur ein Teil, meist das Erdgeschoss, innen vollständig bewohnbar hergerichtet. Ein raumrelevanter Vorteil von Fertighäusern: Wintergartenelemente sind oft billiger als in klassischer Weise errichtet. Die Frage Keller ja oder nein wird bei den steigenden Grundstückpreisen meist wieder mit ja beantwortet. Der neueste Luxus bei Fertighäusern heißt Raumhöhe, z. B. mit Galerien und Lufträumen.


Holz, Stein, Stahl oder Glas?

Fast alle Fertighäuser sind Holzhäuser - auch die, die nicht so aussehen, weil sie eine Putz- oder Steinfassade haben, sie stehen aber innen auf einer Holzkonstruktion. Die Prinzipien sind uralt: Blockhäuser aus Bohlen in besonders holzreichen Gegenden und Fachwerkhäuser, wo man mit Holz sparsamer umgehen musste und die Fächer zwischen der Balkenkonstruktion mit anderen Materialien wie Lehm oder Ziegel füllte. Das hölzerne Skelett beim klassischen Fachwerkhaus war selbsttragend, heute wird die Steifigkeit meist durch den kompletten Holzrahmen inklusive der Wandplatte garantiert. Es ist vor allem diese Tafelbauweise, bei der Wände großflächig vormontiert werden, die das Fertighaus so rationell macht. Zunehmend entstehen auch neue Mischformen, etwa Häuser mit fast wandgroßen Bausteinen aus z. B. Blähton oder aus fertigen oder vor Ort zwischen Holzschalungen gegossenen Betonscheiben.


Wie viel "Öko" darfs denn sein?

Im doppelten Sinne ist das Fertighaus prädestiniert für ökologische Ideen: Holz bringt schon als Material gute Klimawerte mit, und dank der zur Grundidee gehörenden Ganzheitlichkeit hat es das Fertighaus-Prinzip leichter, Dämmtechniken und energetische Prozesse für sich zu optimieren. Fertighäuser waren schon Niedrigenergiehäuser, als es den Begriff noch gar nicht gab, und sie gehören zu den Pionieren der meisten neuen Umwelttechniken. Photovoltaik, Wärmetauscher, Erdkollektoren und auch Pellet-Heizungen wurden überwiegend durch Fertighäuser marktgängig. Nach den 3-Liter-Häusern kommt kein Hersteller mehr ohne so genannte Passiv- oder "1,5-Liter"-Häuser aus, und um die letzten Liter statistischer Heizenergie tobt gerade ein Prestigerennen Richtung "Null-Liter-" und sogar "Plusenergie"-Haus, das vor allem über die Messdefinitionen ausgetragen wird.


Wie fertig ist fertig?

Überraschenderweise gibt es keine firmenübergreifende Norm, was konkret unter "fertig" zu verstehen ist. Dem Allgemeinverständnis noch am nächsten kommt die Aussage "schlüsselfertig" oder "einzugsfähig". Das heißt umgekehrt nicht, dass der Bauherr eines Fertighauses benachteiligt ist, er darf sich nur nicht von dem verlockenden Wort "fertig" allein leiten oder zu Wunschdenken verführen lassen: Maßgeblich ist wie bei allen Bauformen (also auch über Bauträger oder Architekten) die detaillierte Bau- und Leistungsbeschreibung, über sie wird der Vertrag geschlossen.

Direkt vergleichbar zwischen zwei verschiedenen Firmen ist kein Angebot; der eine Hersteller verbaut wertigere Materialien, beim anderen sind schon eine Alarmanlage und elektrische Fensterrollos dabei. Eine Angebotsanalyse durch Dritte, etwa Verbraucherverbände, kann sich lohnen. Fast jeder Hersteller bietet außerdem unterschiedliche Pakete an, sie reichen vom Set für ein Selbstbauhaus bis zum "All Inclusive" inklusive Gartengestaltung. Faustregel: Gerade im Innenausbau kann man bei handwerklicher Begabung einiges sparen.


Gibts auch Nachteile?

Die Hauptstärke des Fertighauses ist auch eine seiner Schwächen: dass man schnell alles aus einer Hand bekommt. So reizvoll es z. B. ist, in einem einzigen langen Gespräch - die meisten Firmen nennen es Bemusterung die ganze Ausstattung zu besprechen, so sind doch einige überfordert, innerhalb von Stunden hunderte Entscheidungen zu Fenster- und Türdetails, Bodenmaterialien und -farben, Schrank- und Kücheneinbauten, Elektro- und Sanitärausstattungen zu fällen, die dann harmonisch zusammenpassen und den Lebensraum für viele Jahre bestimmen sollen. Ein zweites gestalterisches Risiko liegt in der immensen Vielfalt der Architekturmöglichkeiten. Wer sich da nicht diszipliniert, bekommt am Ende, gerade weil technisch alles geht, einen Stil- und Materialmix. Gute Fertighausfirmen beraten (und bremsen) auch darin ihre Kunden was man am besten erkennt, wenn man sich viele realisierte Bauten der Wunschfirma anschaut.


Spiel Kissenschlacht
Foto: Schwörer Haus