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Besuch in Nordirland

Alexandra Gardiner ist Halbirin und regelmäßig in Nordirland unterwegs. Sie ist vertraut mit den bekannten Vorurteilen und Bedenken vieler Reisenden vor einem Besuch in Nordirland.  ln unserem Interview stellt sie ein paar Dinge klar und erklärt, was ihre Heimat so sehenswert macht.

Kann man in Nordirland bedenkenlos Urlaub machen?

Zu allererst: Nordirland ist unbedingt eine Reise wert! Wenn ich Freunden erzähle, dass ich in den Urlaub nach Nordirland fahre, reden wir erst über die grünen Hügel, die Gastfreundlichkeit, den Whiskey und die Schafe, von denen es hier mehr gibt als Einwohner.

Aber in dem Moment, in dem ich erzähle, dass ich nach Belfast fahre, höre ich schnell: Ist das nicht gefährlich? Dublin irisch, Belfast britisch, oder doch anders herum? Katholiken und Protestanten, Norden und Süden – und war da nicht noch diese Sache mit den Bombenanschlägen? Die meisten Menschen wissen doch relativ wenig über die Geschichte des Landes.

Nordirland ist ein Land, dessen Geschichte von den „Troubles“ wie die Iren den Konflikt nennen, gezeichnet und geprägt ist. Ich meine aber: Ein Besuch in Nordirland ist aber für Touristen nicht gefährlicher oder ungefährlicher als Reisen in andere Länder. Zudem haben die meisten Touristen Nordirland noch nicht für sich entdeckt. Wer einmal da war, wird bestimmt wieder kommen.

Aber Nordirland ist doch das Land des Bürgerkrieges?

Was in Deutschland kaum jemand weiß: schon im Mai 1998 stimmten die Bürger in Irland und Nordirland in getrennten Referenden mit überwältigender Mehrheit für das Karfreitagsabkommen, das Friedensabkommen. Im selben Jahr erhielten die treibende Kräfte, der Katholik John Hume und der Protestant David Trimble, sogar den Friedensnobelpreis.

Zudem hat 2005 die IRA den bewaffneten Kampf für beendet erklärt und zwei Jahre später die Waffen offiziell niedergelegt. Und im Juni 2010 hat sich Premierminister David Cameron für die tödlichen Schüsse britischer Soldaten auf Katholiken beim “Bloody Sunday” 1972 in Nordirland offiziell entschuldigt. In Deutschland hat das kaum einer parat. Das waren aber viele Schritte, die für den Friedensprozess in Nordirland enorm wichtig sind.

Wunderschönes Nordirland: Die Seil-Brücke, Carrick-a-Rede an der Küste von Antrim

Hat Belfast nicht auch eine Mauer?

Ja, Belfast besitzt sogar gleich mehrere Mauern. Während der „Troubles“ 1969 trennten britische Soldaten mit Stacheldraht die katholischen Viertel um die Falls Road von den protestantischen um die Shankill Road. An dieser Markierung entstand die erste “Peace Wall”, die „Friedensmauer”. Heute steht an dieser Stelle eine acht Meter hohe Mauer aus Beton.

Solche Mauern stehen aber nicht nur in der Shankill und Falls Road, sondern auch in anderen Stadtteilen und Straßen. Seit dem Karfreitagsabkommen von 1998 herrscht zwar offiziell Frieden, aber die Geschehnisse während des fast 40 Jahre langen Bürgerkrieges sind nicht vergessen. Das Misstrauen sitzt noch immer tief, und gerade an Feiertagen wie dem protestantischen Oraniermarsch am 12. Juli kommt es weiterhin zu Ausschreitungen. Die Mauern ermöglichen den Bewohnern der Problemgebiete ein angstfreieres Leben, auch wenn die räumliche Trennung eine Annäherung schwierig macht.

Was sollte man in Belfast nicht verpassen?

Für alle, die sich für die Geschichte des Landes interessieren, empfehle ich eine Black Taxi Tour durch Falls und Shankill Road zu unternehmen. Die Einheimischen nennen sie „doom and gloom“ („Untergang und Finsternis“). Die Tour führt vorbei an den zahlreichen, teils grotesk wirkenden politischen Wandmalereien.

Die Fahrer erzählen ihre Version des Bürgerkrieges, gehen aber auch gerne auf Fragen ein. So beklemmend der Anblick der Stacheldrahtzäume und Patrouillen auch sein mag: Belfast, wie auch der Rest Nordirlands, ist ein absolut sicheres Reiseziel, in dem Touristen sich völlig frei bewegen können, solange sie nach ihrem gesunden Menschenverstand handeln.

Links  zu den Black Taxi Tours: www.belfasttours.com oder www.harperstaxitours.co.nr

Rund um die Belfast City Hall findet man keine Spuren der "Troubles"

Wieso gibt es zwei Währungen in Irland?

Das Vereinigte Königreich ist sowohl eine konstitutionelle Monarchie als auch ein Einheitsstaat, der sich aus vier Einzelstaaten zusammensetzt: England, Nordirland, Schottland und Wales. In Nordirland kann mit dem britischen Pound Sterling bezahlt werden, aber die nordirischen Pfund werden in England und im Ausland nicht immer akzeptiert.

Die Republik Irland ist seit 1973 Mitglied der Europäischen Union. Das Euro-Bargeld wurde genau wie in Deutschland am 1. Januar 2002 dort eingeführt. In den Grenzgebieten nehmen die meisten großen Geschäfte beide Geldarten an, aber in der Regel gilt: Mit dem Euro kann in Nordirland nicht bezahlt werden, und auch das nordirische Pfund gilt in der Republik Irland nicht als Zahlungsmittel.

Was macht Nordirland zu einem sehenswerten Reiseziel?

Nordirland birgt ein paar der schönsten Naturschätze der Insel, wie etwa den Giant’s Causeway, einen Steindamm bestehend aus achteckigen Basaltsäulen, der von einem Riesen erbaut worden sein soll. Er zählt zum UNESCO Weltnaturerbe und liegt an der Küste des County Antrim.

Und dann wären da noch die Pubs, die in Belfast irischer sind als in Dublin. Ob das wirklich stimmt, sollten die Reisenden doch einfach mal selber herausfinden, ich schätze, die meisten Deutschen werden total begeistert sein von der Freundlichkeit der Menschen.