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Kleine Stoffkunde

Was sind Bouclé-Stoffe, was bedeutet Crash-Effekt, wie entsteht Seide oder woraus wird Viskose gewonnen? Diese kleine Stoffkunde gibt die Antworten. Und für alle, die mehr Fragen zum Thema Stoffe haben, denen sei das unten genannte Büchlein über Stoffe und Stile wärmstens empfohlen.

Acetat
Acetat ist eine Kunstfaser. Es ist sehr pflegeleicht, läuft beim Waschen nur gering ein und trocknet schnell. Es ist leicht wie Seide, elastisch und unempfindlich gegen Knittern.

Baumwolle
Die Inder waren wohl die ersten, die auf die Idee kamen, Baumwolle zu verspinnen und zu verweben. Mit der Erfindung des Spinnrads im 18. Jahrhundert wurde Baumwolle zu der meistverarbeiteten Faser. Denn Baumwolle lässt sich besonders gut spinnen, färben, ist reißfest, widerstandsfähig gegen Hitze und lädt sich nicht elektrostatisch auf.

Bouclé
Bouclé heißt im Französischen so viel wie "in Locken gelegt". Bouclé-Stoffe besitzen eine stark strukturierte Oberfläche aus vielen kleinen Schlingen. Sie können nur aus den speziellen Bouclé-Garnen hergestellt werden. Bei dem Zwirnverfahren werden Fasern immer wieder übereinander geschoben und erhalten so das "gelockte Aussehen". Der Bouclé wird häufig aus Wolle gewebt und als Bezugsstoff verwendet.

Chenille
Chenille heißt im Französischen sowohl "Raupe" als auch "Seidenbordüre". Der Chenille ist strapaziertfähig, wärmend, meist blickdicht und kann sowohl als Dekostoff wie auch als Bezugsstoff genutzt werden.

Crash-Effekt
Mit Crash bezeichnet man eine zerknittert wirkende Stoffstruktur, wie sie z.B. dem Panné-Samt oft verliehen wird. Mit "Crinkle" meint man dasselbe, nur dass die Fälterung etwas feiner ist.

Damast
Der Damast wurde, wie so viele Gewebe, vor langer Zeit in China erfunden. Im Laufe der Jahrhunderte gelang der Stoff und das Fabrikationsverfahren nach Europa. Der Luxusstoff, aus dem rankende Muster geradezu plastisch hervorzutreten scheinen, erfreute sich großer Beliebtheit besonders in der Renaissance in Italien. Man importierte ihn via Damaskus - daher sein Name.
Echten Damast kann man an den regelmäßigen, feinstufigen Konturen der Motive erkennen. Ebenso an seiner reliefartigen Oberfläche, die sich erst beim Spannen, z.B. beim Polstern, glätten lässt.

Jute
Jute ist die Stängelfaser zweier ostindischer Lindengewächse. Das Wort Jute entstand aus einem Mix des Englischen mit indischen Dialekten und bedeutet "Haarstrang".
Jute ist gut und leuchtintensiv zu färben, verträgt aber Nässe und Wärme schlecht. Durch Waschen kann man ihr jedoch eine Optik verleihen, die an eine Mischung aus Wolle und Leinen erinnert.

Leinen
Das Leinen ist die Stängelfaser einer Pflanze, die eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt ist. Für die alten Ägypter war weißes Leinen ein Symbol der Reinheit.
Leinen ist sehr gut verspinnbar, ein hervorragender Wärmeleiter, kühlend bei Hitze, sehr reißfest, kaum elektrostatisch, schmutzabweisend und bakterienhemmend, sehr saugfähig und von Natur aus seidig glänzend. Einziger Nachteil: Leinen knittert - doch es "knittert edel", meinen die Leinen-Fans.

Polyester
Bei der Herstellung von Polyester ensteht zunächst ein glasklares Kunstharz, das bei hoher Hitze geschmolzen und im Schmelzspinnverfahren zu Fasern ausgesponnen wird. Ähnlich wie bei Polyamid, kann Polyster zu verschiedensten Faservarianten mit unterschiedlichen Eigenschaften verarbeitet werden. Polyesterfasern sind besonders licht- und wetterbeständig, elastisch und sehr gut plissierbar. Sie werden u.a. für Gardinenstoffe und Seidenimitat verwendet.

Raffia
Raffia ist eine gängige Bezeichnung für den von der Raphia-Palme stammenden Naturbast.

Samt
Der Samt war und ist ein "Königsstoff", weil er mit seinem Flor das erste Gewebe mit einer dritten Dimension ist, weil bis heute nur Könner unter den Webern seine aufwändige Herstellung meistern.
Sein Ursprung wird im Orient vermutet, von wo ihn die Venezianer importierten. Bald beherrschten sie die Herstellungstechnik und gründeten 1247 die erste Samtweberzunft. Ein regelrechter "Samtboom" beherrschte vom 15. bis ins 17.Jahrhundert die gesamte Stoffszene. Man entwickelte gemusterte, bedruckte Samte oder Samte mit verschiedenen Florhöhen. Die kostbarsten sind die Seidensamte und der Samtbrokat. Heute produziert man den Samt noch genau wie damals, nur maschinell.

Seide
Die Seidenfabrikation beginnt mit einem Schmetterling. Unfähig Nahrung aufzunehmen, lebt er nur drei Tage, um ca. 500 Eier zu legen. Daraus schlüpfen kleine, gefräßige Raupen. Nach 35 Tagen sind sie neun Zentimenter lang und spinnen sich in einen Kokon ein. Den Faden dafür drücken sie aus zwei Drüsen unter dem Maul. Bevor sie jedoch den Kokon zerstören, um als Schmetterling davon zu fliegen, werden sie durch Hitze abgetötet. Der Kokon wird in warmen Wasser gebürstet, bis der Anfang des Doppelfadens gefunden ist. Der ca. 1000 Meter lange Mittelteil ist das wertvolleste Stück. Diese Rohseide ist beigefarben, noch glanzlos und hart. Erst durch eine Seifenlauge wird sie geschmeidig, glänzend und heller, aber auch leichter.
Seide ist die edelste unter den Naturfasern. Der noble Glanz, die Feinheit, Leichtigkeit machen sie einzigartig. Sie ist aber auch empfindlich gegen Wasser, Hitze und Licht.

Taft
Der Taft ist ein Edelstoff, obwohl er in der einfachsten aller Bindungen gewebt wird, dafür aber aus feinfädigen Filamentgarnen (Filament = Endlosfaser) wie Seide oder Kunstseide. Taft hat einen matten, intensiven und häufig changierenden Glanz. Da er sehr dicht gewebt wird, besitzt er eine Steifigkeit, wegen der er besonders gern als Deko- und Vorhangstoff verwendet wird.

Velour
"Velours" ist der französische Begriff für alle Florstoffe, wozu auch der Samt zählt. Das Wort leitet sich vom lateinischen "villosus" für "zottelig" ab.

Viskose
Der Hauptbestandteil der Viskose liegt schon fertig in der Natur vor, z.B. in Holz, aber in die Form einer textilen Faser muss es durch Einsatz von Chemie und Technik gebracht werden. Generell ist Viskose frei von Verunreinigungen, weiß, weich, seidig glänzend, hervorragend zu färben, sollte aber jedoch behutsam gewaschen werden, das der Stoff einlaufen kann.

Voile
Der Voile - im Französischen bedeutet es "Segel" - ist ein schleierartiges, federleichtes und halbtransparentes Gewebe. Ein Hauch von Stoff, der sich wie ein Segel im Wind bewegt. Voile ist ein idealer Gardinenstoff.

Buchtipp:
ABC der Stoffe und Stile

Die oben erklärten Begriffe gehören zu den rund 800 Stichwörtern, die in diesem Büchlein enthalten sind. Von Acetat bis Zwirn erfährt der Leser alles über Herstellung, Eigenschaften, Aussehen und Verwendbarkeit von Stoffen und Fasern. Möchten Sie wissen, wann und wo der Landhausstil seinen Ursprung hat? Das Büchlein gibt auch darüber Auskunft. Es können Epochen und Stile nachgeschlagen werden, und man erfährt, wann welche Stoffe entstanden sind oder welcher Stoff zu welchem Stil passt.

ABC der Stoffe und Stile
Elisabeth Berkau
Winkler Medien Verlag
23 Euro

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