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Motorroller: Lebensgefühl auf zwei Rädern

Motorroller gehören zum Sommer wie die Sonne. Sie stehen für lässiges Savoir-Vivre und verkörpern pure Stadtromantik. Wir geben Tipps rund um den Rollerkauf und zeigen unsere Favoriten.

Der Motorroller erobert die Welt
Der Zweite Weltkrieg war zu Ende, kaum jemand konnte sich ein Auto leisten, aber Transportmöglichkeiten wurden dringend benötigt. Die Firma Piaggio hatte aus dem Bau von Kriegsflugzeugen noch Material, Blechpressen und vor allem einen Flugzeug-Konstrukteur zur Verfügung. Diesem gab die Firma 1946 den Auftrag, einen Motorroller zu entwerfen. Ihre Vorgaben: der Motorroller sollte sparsam sein, einfach in der Handhabung und aus dem noch vorhandenen Material produzierbar. Nach kurzer Konzeptionszeit entstand der erste Motorroller. Sein Name: Vespa.

Die Vespa Paperino - der erste Motorroller von Piaggio

Welcher Motorroller ist der richtige?
Mittlerweile gibt es zahllose Hersteller und Modelle, die Auswahl ist riesig. Zweitakter oder Viertakter, modern oder retro, Luft- oder Wasserkühlung, 50 ccm oder eher 300 ccm Hubraum? Welche Marke, welche Farbe, welche Ausstattung, Fachhandel oder Discounter?

Der Kauf eines Motorrollers ist heute eine Wissenschaft für sich. Grundsätzlich stellt sich erstmal die Frage, wie und wofür man seinen Motorroller nutzen will.

Der richtige Motorroller für die Stadt
Soll der Motorroller in erster Linie Spaßmobil sein und überwiegend in der Stadt gefahren werden, reicht in der Regel ein Roller mit 50ccm Hubraum. Diese Motorroller fahren mit Mopedkennzeichen und sind nur 45 km/h schnell, dafür aber günstig im Unterhalt und in der Versicherung. Wählt man einen Einspritzmotor, ist der Kleine nicht nur deutlich spritziger, sondern auch günstig im Verbrauch. Wichtig: Für einen Motorroller mit max. 50ccm Hubraum reicht der normale Autoführerschein der Klasse B. Für größere Modelle wird ein Motorradführerschein benötigt. Aber man sollte bedenken, dass man mit einem 50ccm Hubraum Motorroller nicht auf Kraftfahrstraßen oder Autobahnen fahren darf.

Klassiker unter den Rollern mit 50ccm: die Vespa LX50

Der Klassiker schlechthin unter den kleinen Motorrollern für die Stadt ist die Vespa LX50, die durch ihr schickes Retrodesign und die vielen Farbvarianten den Lebensstil der hippen Städter am besten verkörpert. Neben der Vespa ist in der Stadt auch die Mojito Custom von Aprilia ein gewohnter Anblick, die ähnlich wie die Vespa durch ein cooles Chrom-Retro-Design auffällt. In punkto Leistung und Ausstattung ähneln sich diese Motorroller sehr, sodass nicht selten das Design den Ausschlag für den Kauf gibt.

Neben den klassischen Marken wie Piaggio, Vespa, Aprilia, Peugeot oder Honda gibt es auch einige asiatische Anbieter, die sehr günstige Motorroller anbieten – darunter Kymco, Daelim oder Luxxon. Wer Geld sparen möchte und dafür in punkto Qualität hier und da Abstriche in Kauf nimmt, sollte sich die Motorroller dieser Marken näher ansehen.

Motorroller: Hersteller im Überblick

Motorroller von Aprilia
Motorroller von Daelim
Motorroller von Honda
Motorroller von Kymco
Motorroller von Luxxon
Motorroller von Peugeot
Motorroller von Piaggio
Motorroller von Vespa

Der richtige Motorroller für lange Strecken
Bei längeren Strecken und häufigem Fahren sind Faktoren wie Geschwindigkeit, Verbrauch und Schadstoffausstoß relevanter als bei den Stadtflitzern. Wer größere Strecken mit dem Motorroller zurücklegen will, kommt kaum daran vorbei, einen Motorradführerschein zu machen – es sei denn, Sie haben Ihren Führerschein vor 1980 gemacht. Dann dürfen Sie mit Ihrem Führerschein auch Motorroller mit 125ccm fahren.

Der Honda Silver Wing 600 - ein Motorroller wie eine Limousine

Anzugsstärkere und schnellere Motorroller machen es leichter, im Verkehr zügig “mitzuschwimmen” und als gleichwertiger Verkehrsteilnehmer angesehen zu werden. Das macht eben auch längere Fahrten mit dem Motorroller wesentlich entspannter und stressfreier. Die so genannten Maxi-Roller punkten dann auch noch beim Thema Sicherheit mit ausgeklügelten Bremssystemen und einem ABS. Soll der Motorroller tatsächlich regelmäßig für längere Fahrten eingesetzt werden, sollte er mindestens über 250ccm Hubraum verfügen. Große Tourenroller bieten darüber hinaus auch deutlich mehr Stauraum für Gepäck und Helme.

Was darf ein Motorroller kosten?
Auch das Budget ist natürlich beim Kauf von einem Motorroller ein wichtiger Faktor. Denn einen Motorroller kann man beim Discounter durchaus schon ab 699 Euro kaufen, aber mehrere tausend Euro für einen Motorroller auszugeben ist auch gar kein Problem.

Entscheidend sind viele Faktoren, das fängt beim Hersteller an, geht über die Motorisierung (Motorroller gibt es immerhin mittlerweile mit beachtlichen 75 PS) und endet bei der Ausstattung. Rückenlehnen, Gepäcklösungen, Windschutzscheiben, Alarmanlagen – die Liste des Zubehörs ist schier unendlich.

Bei der großen Auswahl im Motorroller Shop gilt: Übersicht behalten!

Der günstigste Motorroller, den wir gefunden haben, kostet 549 Euro und ist von der Marke Baotian. Er bringt mit 50ccm und 3 PS eine Geschwindigkeit von 40 km/h auf die Straße. Für einen Vespa Motorroller muss man zwischen 2.879 Euro und 5.929 Euro ausgeben, wobei Zubehör und Extras hier nicht eingerechnet sind. Die asiatischen Anbieter Luxxon und Kymco starten mit ihren Einsteigermodellen bei 1.495 bzw. 1.245 Euro. Nach oben sind dann kaum Grenzen gesetzt. Für einen Motorroller wie den Honda Silver Wing 600, der optimal auch für Langstrecken mit zwei Personen geeignet ist, muss man bereits mit 8.890 Euro rechnen.

Sind Elektro Motorroller eine Alternative?
Bereits seit einigen Jahren wird daran gearbeitet, alltagstaugliche Elektroroller auf den Markt zu bringen. Diese bieten theoretisch enorme Vorteile, wie Umweltfreundlichkeit durch 0 Emissionen, geringe Lautstärke und kostengünstigen Verbrauch. Aber ob der Elektro Motorroller tatsächlich eine Alternative sein kann, hängt von den individuellen Anforderungen an einen Roller ab.

Surrend und abgasfrei durch die Stadt: E-Roller von Smart

Die Reichweite eines E-Rollers ist begrenzt, Steigungen können ihm, je nach Motorvariante, zu schaffen machen, und bisher gibt es kein dichtes Tankstellennetz. Mit zunehmender Leistung der Akkus, steigenden Spritpreisen und immer dichter werdendem Verkehr vor allem in den Großstädten werden Elektro Motorroller aber immer attraktiver.

Auch Autohersteller entdecken den Trend zu einer sparsameren und umweltverträglicheren Art der Fortbewegung: Mini und Smart haben eigene Motorroller mit Elektroantrieb entwickelt, die an der Steckdose aufgetankt werden und auch sonst mit allerlei Innovationen aufwarten – vom iPhone-Cockpit bis zu ABS und eingebautem Airbag.

Elektroroller sind also auf dem Vormarsch.

Mehr zum Thema Motorroller mit Elektroantrieb:
Blog: Die E-Roller kommen
Übersicht der Stromtankstellen für Elektro Motorroller
Elektro Motorroller sind in Deutschland unter anderem von InnoScooter erhältlich

Wie viel soll ich für meinen Motorroller ausgeben?
Wie viel man letztendlich für den eigenen Motorroller ausgeben möchte, hängt davon ab, wie man ihn nutzen wird und was das Budget hergibt. Ein günstiger Motorroller aus dem Baumarkt ist sicherlich nicht der richtige Begleiter, wenn man ihn jeden Tag und auch für längere Strecken fahren will. Geht es aber darum, ab und zu kurze Strecken in der Stadt zu fahren, kann diese günstige Alternative genau richtig sein. Wichtig ist, zu bedenken, dass Ersatzteile schwer zu besorgen und Reparaturen teuer werden können. Deshalb sollte man vorher gut darüber nachdenken, ob so ein günstiger Motorroller die eigenen Bedürfnisse abdecken kann. Am besten ist es, sich ausgiebig im Fachhandel beraten zu lassen.

Überlegen Sie vor so einem Gespräch, wie Sie Ihren Motorroller einsetzen möchten. Kurz- oder Langstrecke, Stadtfahrten, allein oder zu Zweit, eher selten oder regelmäßig? Wird es ein reiner Sommerroller oder muss er auch im Herbst und Winter seine Dienste tun? Was können Sie maximal für den Motorroller sowie Versicherung und Unterhalt ausgeben, und wie sind die Inspektionsintervalle beim favorisierten Motorroller? All diese Fragen entscheiden darüber, wie viel Sie letztendlich für Ihren Motorroller ausgeben sollten.

Wer darf welchen Motorroller fahren?
Welcher Führerschein wird zum Fahren der einzelnen Motorroller benötigt? Mit einem Führerschein der Klasse M darf jeder ab einem Alter von 16 Jahren einen Motorroller mit maximal 50ccm Hubraum und einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h fahren.

Der Führerschein A1 berechtigt immerhin schon zum Fahren eines Motorrollers mit 125ccm, wobei 16- und 17-Jährige nur einen Motorroller mit einer maximalen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h führen dürfen.

Der Führerschein Klasse A erlaubt das Fahren aller Motorräder und Motorroller. Unbeschränkt gilt dies allerdings nur, wenn der Fahrer bei Erwerb des Führerscheins mindestens 25 Jahre alt ist, vorher gilt für zwei Jahre eine Beschränkung auf maximal 25 KW.

Der Autoführerschein Klasse B beinhaltet automatisch auch den Führerschein Klasse M, mit dem ein Motorroller bis 50ccm gefahren werden darf.

Motorroller: Tipps zum Kauf
Wichtig ist, bei einem Motorroller auf die richtige Sitzhöhe zu achten. Der Motorroller muss zu der Körpergröße des Fahrers passen. Deshalb ist ausführliches Probesitzen und am besten auch eine Probefahrt wichtig. Wer oft jemanden auf seinem Motorroller mitnehmen möchte, sollte beim Kauf unbedingt darauf achten, dass auch der Mitfahrer bequem sitzt. Am besten also Freund oder Freundin zur Probefahrt mit dem Motorroller mitnehmen. Hierbei sind vor allem die Länge der Sitzbank und bequeme Beifahrer-Fußrasten wichtige Punkte. Entscheidend ist auch, dass der Fahrer das Gewicht von seinem Motorroller gut handhaben kann. Spätestens beim Rangieren oder Wenden macht sich jedes Kilo bemerkbar.

Weiteres Kriterium: der Stauraum. Meist befindet sich unter der Sitzbank das Helmfach, das je nach Motorroller unterschiedlich groß ist. Außerdem bieten die meisten Motorroller eine Art Handschuhfach unter dem Lenker. Wer viel mit dem Motorroller transportieren möchte (z.B. die Einkäufe vom Supermarkt), wird hier schnell an Grenzen stoßen. Dann ist umfangreiches Zubehör wichtig, wie z.B. große Top Cases, die auf dem Gepäckträger angebracht werden können. Diese sind abschließbar und bieten einiges an Stauraum.

Praktisches Equipment für den Motorroller: Dieses Top Case von Vespa ist gleichzeitig Rückenlehne für den Beifahrer

Wer übernimmt nach dem Kauf die Wartung? Diese Frage sollte bereits im Vorfeld geklärt sein. Gerade wenn man sich für einen Motorroller vom Discounter oder aus einem Baumarkt entscheidet, sollte man überlegen, wer später Reparaturen und Inspektionen übernehmen soll. Auch sollte auf die Inspektionsintervalle geachtet werden. Ca. alle 4000 bis 6000 Kilometer sind üblich. Wichtig: Nur wenn diese Intervalle eingehalten werden, behält der Motorroller seine Garantie.

Zubehör für Motorroller
Heute gibt es viele Marken, die sich auf Zubehör für Motorroller spezialisiert haben. Außerdem bieten die Hersteller selbst umfangreiches Zubehör an – von der Fußmatte über die Chrom-Ausstattung bis zur Schutzplane. Wind- und Wetterschutz können, gerade wenn man viel mit dem Motorroller fährt, eine wichtige Rolle spielen. Mit Windschutzscheiben werden Fahrer und Beifahrer vor der Witterung geschützt. Wichtig ist, darauf zu achten, dass diese unkompliziert montiert werden können. Kippt der Motorroller doch mal um, vermeiden Schutzbügel ärgerliche Schäden an Lenker oder Karosserie. Mit Gepäckträgern vorne oder hinten wird zusätzliche Ladekapazität geschaffen, eine Rückenlehne bringt Bequemlichkeit für den Beifahrer.

Motorroller: Equipment für Fahrer
Aber nicht nur der Motorroller will bestens ausgestattet sein, auch der Fahrer möchte möglichst stylisch aussehen. Viele Rollerfahrer sind deshalb z.B. gerne ohne Handschuhe auf ihrem Motorroller unterwegs. Aber diese sind nicht nur aus Witterungsgründen wichtig. Im Falle eines Sturzes vom Motorroller sind es häufig die Hände, die böse Abschürfungen erleiden. Und auch das Schuhwerk sollte nicht nur nach modischen Gesichtspunkten ausgesucht werden. Ein fester Halt und eine rutschfeste Sohle sind wichtig und können gerade bei rutschigen Straßenverhältnissen oder beim Rangieren vor Stürzen schützen.

Ein normaler Motorradhelm stößt bei Motorroller Fahrern selten auf Begeisterung. Der Helm soll stylisch sein – angesagt sind beispielsweise schicke Jet-Helme ohne Visier. Aber auch hier muss die Sicherheit im Vordergrund stehen. Es sollten verschiedene Modelle probiert werden; nur ein Helm, der rundum fest sitzt ohne zu drücken, ist für die Fahrt mit dem Motorroller geeignet. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass der Helm die Prüfnorm ECE 22-05 erfüllt. Den besten Schutz bietet ein Vollvisierhelm.

Helme für Motorroller gibt es in zahlreichen Varianten. Hier mit echten Swarovski Elementen

Helme für sichere Fahrt mit dem Motorroller:

Kurioses rund um den Motorroller
Mit der Geschichte der Motorroller sind auch allerlei Kuriositäten verbunden. Der Franzose Georges Monneret beispielsweise durchquerte 1952 mit seiner Amphibien-Vespa den Ärmelkanal, bei der zweiten Paris-Dakar-Rallye kamen im Jahr 1980 zwei Piloten auf ihrem Motorroller durch das Ziel, und der Journalist Giorgio Bettinelli brach 1997 mit seinem Motorroller in Chile auf, durchquerte Amerika, Sibirien, Europa, Afrika, Asien und Ozeanien und kam mit sagenhaften 150.000 Kilometern auf dem Tacho nach drei Jahren in Tasmanien an. Das zeigt: Der Motorroller ist zu viel mehr fähig als zu netten Stadtfahrten.

Kurioser Motorroller: die Stretchversion einer Vespa