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Nachhaltigkeit in der Küche

Ob Eier, Fisch oder Gemüse – Lebensmittel zu kaufen ist manchmal gar nicht so einfach. Nämlich dann, wenn man auf Nachhaltigkeit achten möchte. Unsere Tipps machen Ihnen den Einkauf ein bisschen leichter.

Nachhaltigkeit in der Küche: 10 Tipps

1. Bevorzugen Sie Bio-Produkte.
2. Achten Sie auf kurze Transportwege. Regionales bevorzugen.
3. Achten Sie auf nachhaltige Fischerei. Das MSC-Siegel hilft.
4. Essen Sie weniger Fleisch und tierische Produkte.
5. Bevorzugen Sie frische, saisonale Produkte.
6. Kaufen Sie nach Bedarf und verwerten Sie Reste.
7. Vermeiden Sie Verpackungen. Lose Ware bevorzugen.
8. Benutzen Sie Mehrwegflaschen oder Getränkekartons.
9. Nehmen Sie eine eigene Tasche mit zum Einkauf.
10. Achten Sie generell auf Siegel und Infos auf der Verpackung.

Bio oder nicht Bio – das ist hier die Frage

Lebensmittel-Etiketten führen oft genug zu Kopfzerbrechen: Lieber heimische Ware kaufen oder Importprodukte mit Biosiegel?

“Natürlich gilt beim Einkauf: Am besten Bio, regional und saisonal”, sagt Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. “Aber zwischen Lebensmitteln mit Biosiegel aus dem Ausland und konventionell Angebautem aus Deutschland zu entscheiden, ist schwierig. Dann hängt die Nachhaltigkeit des Produkts auch davon ab, wie es transportiert wurde.”

Bio-Siegel: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

In gleichem Maße wie die Nachfrage nach Bioprodukten steigt auch die Zahl der Ökolabels auf Verpackungen. Wir stellen die wichtigsten Siegel vor und erklären, was sie ausmacht.
Deutsche Bio-Label im Überblick

Die Transportwege werden bei der Vergabe des Biosiegels nicht berücksichtigt. Deshalb können selbst Lebensmittel in Bioqualität einen großen ökologischen Rucksack mit sich herumschleppen, nämlich wenn sie klimaschädlich durch die Weltgeschichte geflogen werden. Köster: “Hier gilt: Bei länger haltbaren Lebensmitteln wie Honig, sollten Sie lieber zu Importware in Bioqualität greifen als zu Konventionellem aus Deutschland. Honig wird nämlich in der Regel verschifft”.

Anders sieht es mit leicht Verderblichem aus: Erdbeeren aus Afrika und Spargel aus Peru sind typische Flugware. “Solche Produkte sollten Sie nur in Ausnahmefällen kaufen und sich sonst an das halten, was bei uns gerade Saison hat”, rät Köster.

Bei regionalen Produkten: Zugreifen!
Bei regionalen Produkten: Zugreifen!

Obst & Gemüse

Obst und Gemüse aus der Dose sind echte Klimakiller. Ähnlich schlecht schneiden Tiefkühlprodukte ab, weil sie energieraubend gefroren und aufgetaut werden müssen. Am besten ist also, Sie halten sich an biologisch angebaute Produkte aus Ihrer Region, die gerade Saison haben. Wenn Sie im Winter dennoch nicht auf Tomaten verzichten wollen: Greifen Sie zu Freilandware aus Südeuropa. Eine Treibhaustomate verursacht nämlich 100 Mal so viel klimaschädliche Gase wie ihre Freilandschwester.

Fisch

Ähnlich schwierig ist es beim Thema Fisch. Mittlerweile seien rund 80 Prozent der weltweiten Fischbestände von Überfischung bedroht, sagt der WWF. Ein Beispiel für den schwierigen Fischkauf: Der WWF rät von konventionell produziertem Pangasiusfilet ab. Die Zucht belaste umliegende Gewässer mit Chemikalien und Medikamenten. Außerdem führe die große Nachfrage auf dem Weltmarkt zur Zerstörung von Feuchtgebieten. Im Gegensatz dazu kann man Pangasius in Bioqualität laut WWF bedenkenlos genießen.

Merken kann sich diese Feinheiten niemand. Einige Anhaltspunkte liefert immerhin das Siegel des Marine Stewardship Council (MSC). Der MSC ist eine gemeinnützige, unabhängige Organisation, die sich für nachhaltige Fischerei einsetzt. Sein Siegel erhalten nur Unternehmen, die Bestände nicht überfischen, das Ökosystem erhalten und deren Sozialpolitik als nachhaltig eingestuft werden kann.

Fleisch

Die massenhafte Haltung von Kühen, Schafen und Ziegen könne wohl für rund die Hälfte der schädlichen Treibhausgasemmissionen verantwortlich gemacht werden, sagt der Rat für nachhaltige Entwicklung. Experten warnen außerdem: Die Massentierhaltung verbraucht viel kostbares Wasser und macht immer größere Weideflächen nötig.

Um den Futtermittelbedarf decken zu können, werden Getreide und Soja zu niedrigen Preisen aus Ländern importiert, in denen Menschen Hunger leiden und die Ackerflächen eigentlich zur Deckung des Eigenbedarfs nötig hätten. In Südamerika entstehen für die Futtermittelproduktion riesige Soja-Plantagen, Regenwald wird dafür abgeholzt, die ansässigen Landwirte werden vielfach enteignet und vertrieben. Die angebauten Sojapflanzen sind immer häufiger gentechnisch manipuliert und werden mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Alles nur, um den “Fleisch-Hunger” der Welt zu stillen.

Das Ziel der Massentierhaltung sei klar, sagt die Tierschutzorganisation peta: Möglichst schnell und möglichst billig riesige Mengen von Fleisch, Milchprodukten und Eiern zu produzieren. Tiere würden dafür unter schrecklichen Bedingungen gehalten, Medikamente wie Antibiotika in Massen eingesetzt.
Deshalb gilt: Essen Sie möglichst wenig Fleisch und Wurst! Achten Sie beim Kauf auf Bio-Qualität. Entscheiden Sie sich für Qualität anstatt Quantität!

Eier

Am besten ist es natürlich, wenn Sie Bio-Eier kaufen. Diese werden von Hühnern gelegt, die artgerecht gehalten und mit Bio-Produkten gefüttert werden. Generell gilt: Achten Sie auf die Eier-Kontrollnummer! Die erste Ziffer des Aufdrucks sollte keine “3″ sein. Sie bedeutet “Käfighaltung”. Eine “0″ steht für ökologische Erzeugung, “1″ für Freilandhaltung und “2″ für Bodenhaltung. Bezeichnungen wie “Landei” sagen dagegen überhaupt nichts über die Haltung der Hühner aus.

Neben der Haltungsform verrät Ihnen die Kontrollnummer auch, wo das Ei gelegt wurde. Die Nummer 0-DE-1234567 bedeutet beispielsweise: Dieses Ei stammt aus ökologischer Erzeugung und wurde in Deutschland im Betrieb 12345678 gelegt.

Vorsicht: Was sich als "Vollkorn" tarnt, kann gefärbtes Weißmehl enthalten
Vorsicht: Was sich als "Vollkorn" tarnt, kann gefärbtes Weißmehl enthalten

Backwaren

Bei Brot, Brötchen und Co. gilt: Lieber frisch kaufen als aufbacken. Gerade, wenn Sie Brötchen einzeln im Backofen aufbacken, verschwenden Sie eine Menge Energie. Dazu kommen die Plastikverpackung und die Tatsache, dass die Arbeitsbedingungen in Billig-Brötchen-Fabriken teilweise miserabel sind.

Was die Inhaltsstoffe anbelangt: Achten Sie auch hier auf Bioqualität! Waffeln, Kekse und Kuchen ohne Biosiegel enthalten nämlich in der Regel konventionell produzierte Eier, das bedeutet schlimmstenfalls Eier aus Käfighaltung.

Milchprodukte

Bei vielen Menschen landen Butter, Joghurt und Käse jeden Tag auf dem Teller. Was den CO2-Ausstoß anbelangt, sind tierische Produkte allerdings ziemlich schlecht fürs Klima: Laut der Greenpeace-Publikation “Footprint Deutschland” verschlingt die “Produktion” einer Kalorie eines tierischen Produkts etwa fünf bis zehn Mal so viele pflanzliche Kalorien. Deshalb: Öfter mal Gemüsepaste statt Butter aufs Brot schmieren und Fettarmes bevorzugen. Denn je höher der Fettanteil des Molkereiprodukts ist, desto mehr Milch war bei der Herstellung nötig.

Wer sich bei tierischen Produkten nicht einschränken möchte, sollte wenigstens darauf achten, dass sie Bioqualität haben. Sie schonen die Böden und haben eine bessere CO2-Bilanz.

Nachhaltig grillen – auf die Kohle kommt's an!
Nachhaltig grillen – auf die Kohle kommt's an!

Sommerfreude: nachhaltig grillen

Keine Frage, grillen gehört zum Sommer dazu, aber Aluschalen und Alufolie verursachen sehr viel Müll und sind aufwändig herzustellen. Deshalb legen Sie Ihr Grillfleisch lieber auf alte Backbleche oder große Gemüseblätter (zum Beispiel Rhabarberblätter).

Für Kohle gilt: Achten Sie auf deren Herkunft! Deutsche Kohle hat keine langen Transportwege hinter sich und wurde in der Regel aus heimischen Hölzern hergestellt. Außerdem sollte die Kohle das DIN-Prüfzeichen tragen und mit dem FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) ausgezeichnet sein. Das FSC-Siegel garantiert, dass die Kohle aus nachhaltiger Bewirtschaftung stammt und kein Pech, Erdöl oder Kunststoffe enthält. Was noch besser ist: Statt Kohle- einen Elektrogrill benutzen. Der hat eine etwas bessere CO2-Bilanz.

Essen gehört nicht in den Müll

Jeder Deutsche wirft jedes Jahr Lebensmittel im Wert von 330 Euro weg, schätzt das Bundesverbraucherschutzministerium. Deshalb: Prüfen Sie vor dem nächsten Einkauf ihre Vorräte und machen Sie sich eine Einkaufsliste. Achten Sie beim Einkauf auf das Haltbarkeitsdatum und die Packungsgröße. XXL-Packungen locken mit günstigen Preisen, aber wenn die Hälfte der Packung am Ende im Müll landet, sind sie unterm Strich teurer. Frieren oder kochen Sie Reste ein oder verwenden Sie sie am nächsten Tag weiter. Aus altem Brot lassen sich zum Beispiel wunderbar Serviettenklöße und “Arme Ritter” herstellen.

Verpackung

Zu einem nachhaltigen Einkauf gehört auch der Verzicht auf unnötige Verpackung. Kaufen Sie Tomaten lieber lose statt mit Plastikschale, greifen Sie bei Gurken zu solchen ohne Kunststoffhülle. Mitgebrachte Taschen und Körbe für den Transport sind am besten, ansonsten kaufen Sie an der Kasse Stofftaschen. Die können Sie beim nächsten Mal wieder verwenden.

Wenn es um Getränke geht: Den Wasserkasten lassen Sie am besten gleich im Laden. Trinkwasser aus dem Hahn ist genauso gut und lässt sich leicht mit Kohlensäure versetzen. Das spart Tonnen an Reinigungsmitteln und tausende Lastwagenkilometer. Bei anderen Getränken gilt: Bevorzugen Sie Mehrwegflaschen. Solche aus Glas werden bis zu 50 Mal wiederbefüllt, Plastik-Mehrwegflaschen bis zu 25 Mal. Sie erkennen Sie an der Bezeichnung “Mehrwegflasche” und dem Mehrweglogo auf dem Etikett. Auch Getränkekartons sind okay – wenn sie nach dem Gebrauch im Recyclingmüll landen. Laut Umweltbundesamt schneiden sie fast genau so gut ab wie Mehrwegflaschen, weil sie wenig wiegen, gut zu stapeln und damit umweltfreundlich zu transportieren sind.

Einweg-Siegel
Einweg-Siegel

Wovon sie wirklich die Finger lassen sollten: Flaschen mit dem Einwegsiegel. Zwar bekommen Sie für die meisten Einwegflaschen sogar mehr Pfand als für Mehrwegflaschen, Einwegflaschen werden aber – wie der Namen schon sagt – nicht wiederbefüllt, sondern geschreddert. Ihre Bestandteile werden nur zum Teil für die Herstellung neuer Flaschen verwendet. Das meiste landet im Müll.