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Hausmittel – die gesunde Schatzkiste

Hausmittel und Hausrezepte haben eine lange Tradition und werden gern bei kleinen Erkrankungen und Wehwehchen eingesetzt. Kein Wunder, denn Hausmittel sind vielfältig, oft schonender, kostengünstig und haben kaum Nebenwirkungen. Aber helfen die Rezepte aus Omas Zeiten wirklich?

Hausmittel, die natürliche Alternative

In der Schulmedizin gibt es für fast jede Erkrankung ein Medikament. Doch die Nachfrage nach alternativen Verfahren ist groß. Nicht nur die Mediziner verweisen mittlerweile auf Hausmittel und ihre positive Wirkung, auch Krankenkassen schließen sich an – allein schon um Kosten zu sparen und um einen weiteren Arztbesuch zu vermeiden.

Das gilt natürlich nur für leichte Erkrankungen wie Husten, Fieber, Schnupfen und Halsschmerzen. Auch Insektenstiche, Schlaflosigkeit, Zahnschmerz oder Nasenbluten können erfolgreich mit Hausmitteln behandelt werden. Tritt allerdings nach zwei bis drei Tagen keine Besserung ein, sollte das Hausmittel abgesetzt werden und unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Galerie: Omas beste Hausmittel
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Diese acht Hausmittel sind medizinisch anerkannt. Doch Vorsicht, sie können zwar helfen, sie können aber nicht alles.

Das Hausmittel gegen kalte Füße: dicke Socken

1. Hausmittel gegen Eisfüße: Eigenwärme produzieren
Das typische Phänomen zur kalten Jahreszeit: eiskalte Hände und Füße. Warum frieren wir dort zuerst? Die Durchblutung spielt eine wichtige Rolle. Denn ist der Körper Kälte ausgesetzt, ziehen sich die Blutgefäße zusammen, um den Wärmeverlust zu minimieren. Da die inneren Organe aber auf eine gleichbleibende Durchblutung angewiesen sind, werden zuerst die äußeren Gliedmaßen, sprich Hände und Füße kalt. Dort gibt es auch nur wenig Fettgewebe, das an anderen Stellen den Körper vor Kälte schützt. Unser Tipps: Vermeiden Sie möglichst den Wärmeverlust und regen die Produktion von Eigenwärme an.

So geht’s: Das “Must-have”-Hausmittel im Winter sind Handschuhe und dicke Socken. Auch gehören bequeme Schuhe dazu, in denen die Zehen ausreichend Bewegungsfreiheit haben. Hausmittel wie die gute alte Wärmflasche oder das Körnerkissen stimulierten äußerlich die natürliche Temperaturregulation.

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM)  werden wärmende Speisen und Getränke empfohlen. Nahrungsmittel wie Hafer, Fenchel, Kürbis, Lauch oder bestimmte Gewürze wie Zimt, Ingwer, Kardamon und Nelken regen den Verdauungstrakt und damit die Produktion von Eigenwärme an. Auch hilfreiche Hausmittel: Wechselbäder, Saunagänge und Woll-Kleidung.

Vorsicht: Sind Hände und Füße unabhängig von der Jahreszeit ständig kalt, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Ursache können andere Krankheiten sein wie eine Unterfunktion der Schilddrüse oder Durchblutungsstörungen.

Hilft gegen Zahnschmerz: das Hausmittel Nelken

2. Hausmittel zum Lutschen: Gewürznelken bei Zahnschmerz
Die Heilpflanze des Jahres 2010 hilft bei leichtem Zahnschmerz und wird darum gern als Hausmittel eingesetzt: Wer unter einem akuten Pochen und Ziehen im Mund leidet, sollte Gewürznelken kauen oder lutschen. Sie bestehen im Wesentlichen aus 70 bis 85 Prozent Eugenöl. Dieser Inhaltsstoff hat eine betäubende und antibakterielle Wirkung. Die angenehme Nebenwirkung: Dank der bakterienabtötenden Eigenschaften und des starken Aromas hilft das Zerbeißen einer Nelke auch hervorragend gegen Mundgeruch!

So geht’s: Eine Gewürznelke mit einem Zahn in der Nähe der betroffenen Stelle zerbeißen oder lutschen. Bei akuten Zahnfleischentzündungen wird das Hausmittel einfach auf das Zahnfleisch gerieben. Bereits nach ein paar Minuten setzt die Wirkung ein.

Vorsicht: Der Gang zum Zahnarzt wird damit allerdings lediglich aufgeschoben, denn das Kauen der Gewürznelke verschafft nur für kurze Zeit Linderung. Bei empfindlicher Mundschleimhaut kann dieses Hausmittel zu leichtem Brennen oder einer Reizung führen.

Das Hausmittel gegen Hustenreiz: ein Löffel Honig

3. Hausmittel zum Schlecken: Honig bei Hustenreiz
Schon im Alten Ägypten galt Honig als “Speise der Götter” und als Quelle der Unsterblichkeit. Heutzutage wird Honig als gesundes Nahrungsmittel und als medizinische Wunderwaffe geschätzt. Als altbewährtes Hausmittel zusammen mit Milch wirkt Honig gegen Halsschmerzen, Husten und Schnupfen. Noch effektiver ist das Hausmittel Tee mit Honig. Wenn es schnell gehen muss: ein Löffel Honig vor dem Schlafengehen tut es auch.

So geht’s: Ein bis zwei Löffel Honig vor dem Schlafengehen langsam auf der Zunge zergehen lassen oder einen Hustentee aus Spitzwegerichkraut, Thymian, Süßholzwurzel und Fenchel mit Honig süßen. Mit der Zugabe von Honig warten, bis der Tee auf Zimmertemperatur abgekühlt ist, sonst werden seine Wirkstoffe zerstört.

Vorsicht: Babys bis zum ersten Geburtstag nicht mit Honig füttern. Bienenhonig kann manchmal Spuren eines Bakteriums enthalten, das eine Vergiftung im Darm auslöst.

4. Hausmittel  im Säckchen: Heublumen bei Rücken- und Nackenschmerzen
Der Heublumensack entkrampft, entspannt, fördert Durchblutung und Stoffwechsel, beruhigt und lindert den Schmerz. Man braucht frisch getrocknete Heublumen aus der Apotheke, einen Sack aus grobem Leinen oder gleich einen Fertig-Heusack.

So geht’s: Den Sack zu 2/3 mit Heublumen füllen und verschließen. Dann unter fließendem Wasser anfeuchten, in einen Kochtopf Wasser füllen, einen Siebeinsatz auflegen und darauf das Säckchen 20 Minuten dämpfen. Danach das blumige Hausmittel mit einer Gabel kurz aufschütteln und auf eine hautverträgliche Temperatur abkühlen lassen. Auf die betroffene Stelle anlegen, solange er warm ist (etwa 40 bis 50 Minuten). Soweit nicht anders verordnet, den Heublumensack ein bis zweimal täglich als feuchtheiße Kompresse auflegen.

Vorsicht: Wenn das Kissen zu feucht ist, besteht Verbrennungsgefahr! Vor dem Anlegen die Temperatur prüfen (am besten am Unterarm) und den Sack in ein Baumwolltuch einwickeln. Hausmittel-Rezepte mit Heublumen können in sehr seltenen Fällen allergische Hautreaktionen hervorrufen.  Nicht als Hausmittel anzuwenden bei offenen Verletzungen, Herz-Kreislaufschwäche oder bei akuten Entzündungen der betroffenen Stelle.

Spitzwegerich: hilfreich als Hausmittel gegen Mückenstiche

5. Hausmittel bei Stichen: frisch zerdrückte Heilpflanzen
Wer nicht an die Wirkung der üblichen Hausmittel wie Zwiebelsaft, Zitronensaft oder feuchter Würfelzucker glaubt, sollte es mit diesen von Experten empfohlenen Heilpflanzen versuchen: Für die äußerliche Anwendung von Insektenstichen dienen dabei frisch zerdrückte Melissenblätter oder Wegerichblätter.

So geht’s: Gerade bei schmerzhaften Wespenstichen oder Bienenstichen kann man schnell Spitzwegerich zerdrücken und den Saft auf die Einstichstelle reiben. Bei diesem Hausmittel entsteht keine Schwellung und auch die Schmerzen können dadurch umgehen werden. Da Wegerich fast überall an Wegen und auf Wiesen wächst, ist er oft die Notfallhilfe der ersten Wahl. Aber  auch Apotheken und der Kräuterfachhandel bieten Spitzwegerichblätter zum Kauf an.

Keine Vorsicht geboten.

6. Hausmittel gegen Nasenbluten: Nacken kühlen
In den meisten Fällen ist Nasenbluten völlig ungefährlich.  In der vorderen Nasenscheidewand befindet sich ein feines Netz von Gefäßen. Hier kann durch äußeres Einwirken, etwa durch starkes Schnäuzen, Bohren in der Nase kleinere Verletzungen der Blutgefäße entstehen, die das Nasenbluten auslösen. Durch kleine Hausmittel-Maßnahmen kann man den Blutfluss in der Regel selber stoppen.

So geht’s: Setzen Sie sich aufrecht hin und beugen den Oberkörper leicht nach vorne. Jetzt für einige Minuten den Nasenflügel fest mit den Fingern zudrücken. Lässt sie sich so nicht stillen, sollte ein kalter Waschlappen, oder besser eine Eiskompresse in den Nacken gelegt werden.

Vorsicht: Den Kopf nicht nach hinten neigen, weil das Blut so in den Rachen läuft und das geschluckte Blutes zu Übelkeit und Erbrechen führen kann. Außerdem besteht die Gefahr, dass das Blut dabei über die Luftröhre in die Lungen gerät. Lässt sich die Blutung nicht stillen, hilft kein Hausmittel mehr. Jetzt sollte vorsichtshalber ein Arzt aufgesucht werden.

7. Hausmittel bei kleinen Hautverbrennungen: schnelle Kühlung
Gerade zur Weihnachtszeit sind Kerzen die Hauptübeltäter für Verbrennungen denn sie schmücken den Adventskranz oder Weihnachtsbaum. Fasziniert vom Licht greifen gerade Kleinkinder gern zur Kerze und verbrennen sich. Diese Hausmittel und Tipps sorgen für schnelle Hilfe.

So geht’s: Wenn Kleidung brennt, muss sofort mit Decken das Feuer erstickt werden. Die Kleidung sollte schnell, aber vorsichtig entfernt werden. Danach muss die Wunde gekühlt werden. Am besten benutzt man dazu fließendes Wasser. Allerdings muss eine Unterkühlung auf jeden Fall vermieden werden! Besonders Kinder sind dort sehr empfindlich. Als Faustregel gilt: 15-20 Minuten unter kaltem Wasser halten, das nicht kühler als 20 Grad ist. Verbrannte Kleidung, die mit der Haut verklebt ist, sollte nicht angefasst werden. Sie wird in der Fachklinik entfernt. Ist die Haut nur leicht gerötet und weist keine Brandblasen auf, sind Verbände nicht nötig. Besser: Brand- und Wundgel oder das Hausmittel “frisch zerdrückter Spitzwegerich” auf die Wunde reiben (siehe Punkt 5).

Vorsicht: Nach der ersten Hilfe bei Säuglingen und Kleinkindern immer einen Arzt aufsuchen oder die Notfallnummer 112 wählen. Sobald sich bei Erwachsenen auf dem weißlichen Wundgrund Blasen oder sogar Brandschorf bildet, sollte ebenfalls der Notarzt gerufen werden.
Brandwunden nicht mit Öl oder Mehl behandeln! Diese Hausmittel können zu Infektionen führen. Auch das Öffnen von Brandblasen führt zu Infektionen. Besser: die verbrannten Stellen mit sterilen Kompressen oder speziellen Brandwundauflagen abdecken.

Omas Hausmittel zum Einschlafen: ein Bad mit Lavendelblüten

8. Hausmittel gegen Unruhe: Lavendel bei Schlaflosigkeit
Die Ursachen für einen gestörten Nachtschlaf sind vielfältig. Sind dauerhafte Beschwerden, Medikamente oder Erkrankungen die Ursache für Schlafstörungen, kann kein Hausmittel helfen. In den meisten Fällen sind aber Stress oder ungünstige Umweltfaktoren der Grund für Schlaflosigkeit. Entspannung heißt das Zauberwort.

So geht’s: Ein warmes Bad mit Extrakten aus Lavendelblüten wirkt beruhigend und kann Unruhezustände lindern.Wer danach in einem gut durchlüftetem, nicht zu warmem Schlafzimmer ins Bett sinkt, sollte keine Einschlafprobleme haben. Auch hilft bei schönem Wetter ein kurzer Abendspaziergang. Er durchlüftet den Kopf und schafft Abstand von einem stressigen Tag.
Vermeiden Sie üppige und späte Abendmahlzeiten und Koffein zu später Stunde. Dazu gehört nicht nur Kaffee. Auch schwarzer und grüner Tee, Cola und Energy Drinks können je nach persönlicher Veranlagung die Nachtruhe empfindlich stören. Pflanzliche Mittel aus der Apotheke wie Baldrian, Hopfen oder Melisse mildern zusätzlich den Unruhezustand.

Vorsicht: Das alte Hausmittel “ein Glas warmes Bier” hat als Schlummertrunk ausgedient. Hausmittel in alkoholischer Form erleichtern zwar das Einschlafen, sie können aber zu nächtlichem Erwachen und Schwierigkeiten beim Wiedereinschlafen führen.

Text: Katja Evers