Nostalgie pur: das Label The Bindery of Awesomeness

Humor trifft Nostalgie: Die Buchrestauratorin Svenja Brandt aus Niedersachsen fertigt in ihrem Atelier Fotoalben, Adressbücher und hübsche Umschläge aus Papier.
Svenja Brandt von Bindery of Awesomeness

Der ganze Tisch wackelt, wenn Svenja Brandt zupackt. Das liegt allerdings nicht an der Instabilität des Tisches in ihrem Atelier, sondern vielmehr an der alten, quietschenden Buchpresse obendrauf. “An einer bestimmten Stelle klemmt sie einfach jedes Mal”, erzählt die 30-Jährige und lacht. “Aber ich habe das alte Schätzchen so gern, da nehme ich das Ziehen und Zerren eben in Kauf.” Also noch ein beherzter Griff, noch ein bisschen mehr Druck und – endlich gibt der Schraubstock nach. Die verzierte massive Buchpresse ist ein original Jugendstilstück und Svenjas ganzer Stolz. “Ich habe einfach was für Historie übrig , sagt die gelernte Buchrestauratorin. “Ich weiß, das ist speziell, aber eben auch genau mein Ding.”

Ende 2011 richtete Svenja ihr Label “The Bindery of Awesomeness” bei Dawanda ein, und die Geschäfte liefen von Anfang an ziemlich gut. “Ich wollte anders sein, meine eigenen Motive verwenden, etwas Besonderes und Persönliches anbieten”, erzählt Svenja, während sie buntes Schleifenband sortiert. “Die Dame mit Erdbeermütze finde ich besonders toll. Ich mag das Skurrile, gepaart mit einem Hauch Kitsch.”

Produkte von Bindery of Awesomeness
Alten Büchern gibt Svenja einen neuen Einband. In ihrem Atelier herrscht Ordnung, alles hat dort seinen Platz.

Vom Fotoalbum über Adressbücher bis zu hübschen Umschlägen stellt Svenja alles von Hand her. Motive und Papiere findet sie in alten Büchern oder auf Mittelaltermärkten. Gefertigt wird dann auf Anfrage, gern auch mit persönlichen Elementen wie Monogrammen.

Das kleine Atelier unter der Dachschräge beherbergt das Nötigste für ihre Arbeit und ist extrem gut sortiert. Transparente Kästen bewahren Stoffe und Papierproben auf, bunt bedruckte japanische Papierrollen liegen akkurat im Regal. Kurz: Hier hat alles seinen Platz. “Das habe ich wohl aus dem Buchbinderhandwerk und auch aus der Restaurierung. Da geht es ziemlich ordentlich zu, denn wenn es bei der Arbeit schnell gehen muss, kann man nicht erst suchen, während der Leim eintrocknet.”

Dass ihre Welt die Bücher sind, wusste Svenja bereits mit 15 Jahren. Zielstrebig verfolgte sie ihren Traum, studierte und machte Praktika. Alles, was einen historischen Hintergrund hat, begeistert sie bis heute. Daher auch die Motive aus der viktorianischen Zeit und die Kupferstichoptiken. Vom Verkauf ihrer Produkte leben zu können, das ist der Traum der jungen Frau. Momentan steht sie an einer dieser berühmten T-Kreuzungen des Lebens: Links wartet die Möglichkeit einer neuen Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau, rechts die Idee einer eigenen Werkstatt mit kleinem Laden. Svenja hat sich für den sicheren Weg entschieden und möchte erst mal raus aufs Meer. Wer weiß, welche neuen Motive, Inspirationen und Ideen sie von dort mitbringt.

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