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Tiertrophäen zum Zusammenkleben: das Label Paperwolf

Vom Computer-Animator zum Großwildjäger: Wolfram Kampffmeyer lebt in Stuttgart und arbeitet als selbstständiger 3-D-Designer. Unter dem Namen Paperwolf entwirft er bunte Tiertrophäen zum Zusammenkleben.
Wolfram Kampffmeyer von Paperwolf

Das Schwein ist schuld. Schuld daran, dass Wolfram Kampffmeyer stundenlang im Arbeitszimmer seiner Stuttgarter Altbauwohnung sitzt und tüftelt – erst am Computer, dann mit Papier, Schere und Klebstoff. Das Gute daran: Es macht ihm wahnsinnig viel Spaß. “In meinem Job als Computer-Animator habe ich es ausschließlich mit virtuellen Figuren zu tun. Mit den Händen arbeiten zu können und zu basteln ist der perfekte Ausgleich für mich”, erzählt der 31-Jährige.

Außerdem liebt er es, neue Computerprogramme zu testen – und hier kommt wieder das Schwein ins Spiel. Während seines Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg lernte Wolfram ein Programm kennen, mit dem man die Formen realer Objekte abstrahieren, sie in ein 3-D-Modell umwandeln und dieses dann mit einem sogenannten 3-D-Drucker “ausdrucken” kann. Klingt furchtbar abstrakt, hatte aber ein greifbares Ergebnis: zwei kleine, kecke Schweinchen aus Kunstharz.

Wolfram Kampffmeyer mit grünem Frosch
Ruhige Hände und Geduld braucht man, um die Papiertiere von Paperwolf zusammenzukleben.

Durch die aus geometrischen Flächen zusammengesetzte Form der Figuren kam er auf die Idee, sie aus Papier nachzubauen. Dafür nahm der Designer ein zweites Programm zu Hilfe, mit dem man die virtuellen Figuren aufklappen kann. “Man muss sich das vorstellen wie ein Schaffell, das man platt auf den Boden legt und das die Form des Tieres als zweidimensionale Fläche abbildet”, erklärt Wolfram. Mit demselben Programm kann der Designer dann einzelne Teile der Figur abspalten und sich überlegen, wie man sie systematisch Stück für Stück wieder zu einem plastischen Körper zusammensetzen kann.

So entstand das erste Papierschwein und wurde im Freundeskreis begeistert aufgenommen. Pinguin und Frosch folgten – und 2010 entdeckte Wolfram Dawanda für sich. “Erst hat sich da aber überhaupt nichts getan. Erst seit ich 2012 meine Big-Five-Trophäen, also Nashorn, Elefant, Büffel, Löwe und Leopard, ins Netz gestellt habe, geht’s richtig rund”, erzählt er stolz.

Wolfram Kampffmeyer mit rosa Schwein
Mit dem Schwein fing alles an: Wolfram Kampffmeyer entwirft am Computer Tiere aus geometrischen Flächen, die auf Papier gedruckt und zusammengeklebt werden.

Leben kann der gebürtige Weinheimer von seinen Pappkameraden allerdings (noch) nicht. “Die Produktionskosten sind einfach zu hoch. Immerhin laufe ich für jedes Tier mit dem USB-Stick zum Copyshop und lasse die Einzelteile mit dem Schneidplotter ausschneiden. Und auch das farbige Papier ist schwer zu bekommen. Wenn ich dann noch meine Arbeitszeit fürs Zusammenbauen berechnen würde, dann wäre ich für eine Trophäe locker bei 400 Euro, und das zahlt ja keiner.” Deshalb bietet er seine Objekte als Bausatz an – in Form vorgeschnittener Teile oder als Bastelbogen zum Downloaden.

In seinem Arbeitszimmer ist Wolfram schon wieder am Tüfteln: an einer Hörner-Trilogie aus Einhorn, Zweihorn (Steinbock) und Vielhorn (Hirsch). Den Hirsch gibt’s bereits, an den beiden anderen wird noch gefeilt (“Das Einhorn-Horn hat’s echt in sich!”). Macht aber nichts: Der Paperwolf-Bestseller ist sowieso das Schwein.