Unikate mit Vergangenheit: das Label Renna Deluxe

Christiane Hübner wagte mit der Gründung ihres Labels Renna Deluxe vor zwei Jahren einen beruflichen Neustart. In ihrem Wiesbadener Designstudio fertigt sie feine Dinge aus Stoff und Papier, alle mit eigener Geschichte.
Christiane Hübner von Renna Deluxe

Aus dem Laptop zwitschert es. “Und schon wieder was verkauft!” Christiane Hübner klappt ihren Rechner auf und schaut in ihren E-Mail-Eingang. Ein paar Male pfeift es noch an diesem Tag, die Geschäfte laufen gut im Shop der Wiesbadenerin. Innerhalb von zwei Jahren hat sich Renna Deluxe zu einem lukrativen Label entwickelt. Dass es so schnell geht und sie mit ihren Entwürfen Geld verdienen kann, hätte die Architektin und Produktdesignerin nicht gedacht.

Klickt man sich im Onlineshop durch ihre Kleinigkeiten, überrascht erst mal die bunte Mischung: farbenfrohe Blüten, bedruckte Girlanden, Kochlöffel, Figürliches aus Papier. Ihre Arbeiten haben zunächst keinen einheitlichen Stil. “Ich weiß, dass meine Sachen nicht auf den ersten Blick niedlich sind. Nur süß wäre mir auch zu wenig. Hinter allem soll auch eine Geschichte stecken.” Und um die zu hören, braucht man Christiane Hübner nur anzustupsen. Sofort sprudelt es aus ihr heraus.

Design-Studio von Renna Deluxe
Umgeben von schönen Dingen: In ihrem Designstudio in Wiesbaden entwirft Christiane Hübner feine Dinge für ihr Label Renna Deluxe.

Sie liebt es, mit Gegensätzen zu arbeiten. So ist zum Beispiel das hübsche, mädchenhafte Wandobjekt “Drossel in Fraktur” aus einer Seite des “staubtrockenen” BGB geschnitten. Der praktische Reisebegleiter – ein Umschlag, in dem Flugtickets, Pass und Reiseunterlagen schnell griffbereit sind – ist aus alten Atlas-Karten gefertigt. Das Material, aus dem die Designerin ihre dekorativen Objekte kreiert, hat vorher also immer schon etwas erlebt. “Zum Beispiel meine Seekarten, die waren fast alle auf dem Meer unterwegs”, erzählt sie.

Durch einen Zufall hat es die 43-Jährige vor zwei Jahren mit ihrem Freund nach Wiesbaden verschlagen. Nachdem sie ihr gemeinsames Büro für Produkt- und Interiordesign in Düsseldorf verkauft hatten, war Christiane Hübner nach zehnjährigem Agenturleben bereit für einen Neuanfang.

Mit den Kanzashi, den Ansteckblüten aus Stoff, die nach dem Vorbild des traditionellen japanischen Geisha-Haarschmucks gefertigt sind, hat alles angefangen. Die Inspiration dazu brachte sie von einer Japanreise mit. Den Namen Renna erhielt Christiane als Motorradfahrerin schon vor Jahren von ihren Freunden. Mit dem Anhang Deluxe wurde ein Markenname draus.

Broschen von Renna Deluxe
Die Kunst des Kanzashi-Blüten-Faltens brachte sich die Designerin selbst bei. Für ihre Broschen kombiniert sie verschiedene Stoffe miteinander.

“Kreativ war ich schon als Kind. Mutter Bildhauerin, Vater Ingenieur – wir hatten immer Material zum Werkeln zu Hause.” Die Lust am Gestalten zeigt sich schon im Treppenhaus des Gründerzeitgebäudes im Wiesbadener Westend, in dem sich Christianes Studio befindet. Über den Briefkästen hängt eine Buchstaben-Girlande, die den Frühling begrüßt, an der Tür im dritten Stock wird man von einem außergewöhnlichen Türkranz empfangen.

Momentan beschäftigt sich Christiane am liebsten mit altem, bedrucktem Papier, das sie “upcycelt”. Mal sind es Seiten aus einem vergilbten Atlas, mal aus einem zerfledderten Roman, die sie mit Stempeln aus der ganzen Welt bedruckt. “Es freut mich jeden Tag aufs Neue, dass sich Leute meine Werke nach Hause holen. Das macht mich wirklich glücklich.” Tschilp – der Rechner gibt wieder ein Geräusch von sich: Eine Kundin hat das Vogel-Futterhäuschen aus Porzellan gekauft.

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