Shabby Chic: wohnen mit Schönheitsfehlern

Abgeblätterter Lack, Kratzer und Kerben: Shabby Chic ist ein Stil mit Ecken und Kanten. Verspielt, aber elegant, verträumt und trotzdem bodenständig passt er vor allem zu denjenigen, denen Originalität wichtiger ist als Perfektion.
In diesem Artikel
Jagdrevier Flohmarkt
Aus neu mach alt - DIY mit Kreidefarbe
Shabby-Chic-Ikone Rachel Ashwell - inspiriert durch den Film Marie Antoinette
Vintage-Style

Kratzer statt glattpolierte Oberflächen, altmodische Rosenmuster statt cooler Schwarz-Weiß-Look, Gemütlichkeit statt Schlichheit: Shabby Chic ist das genaue Gegenteil zum puristisch-modernen Wohnstil, der eher kühl wirkt und hochwertige Einzelstücke in den Vordergrund stellt. Beim Shabby Chic hingegen darf nach Herzenslust gesammelt und dekoriert werden: alte Wecker, ausgeblichene Tischdecken, zigfach gelesene Bücher mit Goldrand und auch im Garten wird Shabby Chic als Gartendeko immer beliebter.

Die mit Sorgfalt ausgesuchten Accessoires werden beliebig zusammengestellt, ohne dass eine “Museumsatmosphäre” kreiert wird. Ein im Shabby Chic eingerichteter Raum sieht einladend, feminin und vor allem bewohnt aus, dabei ist die Einrichtung praktisch und bequem.

Mit pastellfarbenen Vorhängen, einem weichen Sofa und einem Strauß frischer Blumen wirkt der Raum elegant und gemütlich zugleich. Dass Shabby Chic nicht viel kosten muss, tut der Qualität keinen Abbruch. “Shabby chic” mag zwar übersetzt “schäbiger Schick” heißen, damit ist aber nicht wertloser Plunder gemeint. Sondern es sind Möbel mit Gebrauchsspuren, die ihre eigene Geschichte erzählen. 

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Tea party: Spitzenservietten und altes Porzellan in hellen Farben – Foto: Shabby Chic Couture

Shabby Chic Styleguide

Farben: Vorrangig weiße Holzmöbel, Creme und Beige an den Wänden, pastellfarbene Stoffe, zartes Rosa, weiches Gelb, helles Grün und Lila, Blau und Türkis, stärkere und dunklere Farben sowie Gold und Silber – nur vereinzelt als Akzent, keine schrillen Töne.

Stoffe: Samt, Seide und Satin, altweiße Spitze, natürliche Materialien wie Leder, Leinen und weiche Baumwolle, Gehäkeltes, Gestricktes, Tüllakzente und Rüschen.

Muster: Drucke aus dem 18./19. Jahrhundert wie Paisley und Toile-de-Jouy, zarte florale Designs, vornehmlich Rosendrucke, Vogelmotive, ausgewaschene Blockstreifen, Karos und Punkte, Flora und Fauna, Ornamente.

Materialen: Holz mit Altersspuren, Treibholz, Weidengeflecht, mattes, abgegriffenes Metall, graviertes Kristallglas, blindes Spiegelglas, Bauernsilber, antikes Porzellan, natürliche Accessoires wie Muscheln und Federn.

Jagdrevier Flohmarkt

Staubige Kronleuchter, rostige Gießkannen, zerkratzte Tische: Für die meisten klingt dies nach Sperrmüll. Hat allerdings ein Shabby-Chic–Liebhaber einen dieser “rohen Diamanten” entdeckt, sei es auf dem Flohmarkt oder auf Omas Dachboden, macht er sich an den Feinschliff: Die Möbel und Deko-Objekte werden poliert, lackiert und präpariert, bis sie wieder glänzen wie früher.

Aus neu mach alt - DIY mit Kreidefarbe

Während man für echte Antiquitäten meist tief in die Tasche greifen muss, lässt sich der Shabby Chic mit ein paar Kniffen für wenig Geld umsetzen. Wie man seinen Möbeln am besten eine “Veraltungskur” verpasst, kann man in zahlreichen Büchern nachlesen, wie zum Beispiel in “Das große Werkbuch – Shabby Chic” von Patricia Morgenthaler, 22 Euro, gesehen bei www.amazon.de

Wer eine Kommode oder ein anderes Möbelstück im Shabby Chic gestalten möchte, kann die Objekte einfach mit Kreidefarbe anstreichen und anschließend mit Schleifpapier an einigen Stelle abschleifen. So entstehen Gebrauchsspuren. Kreidefarbe - auch "Chalky Paint" genannt - gibt es zum Beispiel von Rayher und VBS.

Couchtisch im Shabby Chic - von Impressionen
Wohnzimmertisch von Impressionen im Shabby Chic

Shabby-Chic-Ikone Rachel Ashwell - inspiriert durch den Film Marie Antoinette

Shabby Chic fasst Einflüsse aus verschiedenen Ländern zusammen und vereint unter anderem Elemente des englischen Cottages und des skandinavischen Landhausstils mit der Eleganz französischer Chateaus und toskanischer Villen.

Die Designerin Rachel Ashwell, die in den 80er Jahren mit der Eröffnung ihrer “Shabby Chic Couture”-Stores in Kalifornien den Namen des Stils prägte, findet ihre Ideen für ihre Kollektionen im täglichen Leben: Ein altes Flamencokleid gab ihr zum Beispiel den Anstoß, Tischdecken und Bettwäsche mit verspielten Rüschen zu kreieren.

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Die aufwändigen Kostüme in Marie Antoinette dienten Ashwell als Inspiration – Foto: imdb.com

Wichtige Inspirationsquellen waren für Rachel Ashwell auch Kostümdramen wie zum Beispiel die Verfilmung von “Marie Antoinette” und der Klassiker “Vom Winde verweht”. Die bauschigen Kleider, spitzenbesetzten Fächer und pompösen Kronleuchter erinnern einerseits an den Glanz vergangener Zeiten, gleichzeitig befassen sich die Filme mit dem Niedergang der jeweiligen “goldenen Ära” -  gerade dieses Gefühl von Nostalgie und Romantik macht den Reiz des Shabby Chic aus.

Vintage-Style

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Vintage-Schubladenschrank von House Doctor

Shabby Chic lässt sich als eine Unterkategorie des Vintage-Styles beschreiben. Die “Grundausrüstung” der beiden Stilrichtungen sind Möbel und Accessoires im “used look”. Der Unterschied ist, dass Shabby Chic immer feminin und romantisch ist, während beispielsweise auch dunkle Möbel im Kolonialstil Vintage sein können.