Innere Werte Qualität, die sitzt

"Möbel werden mit dem Hintern gekauft" - der klassische Spruch der Einrichtungsbranche gilt für kaum eine Produktfamilie so sehr wie für Sessel und Sofas. Sollte jedenfalls gelten, denn wer sich nur aufs Auge verlässt, kann das schnell zu spüren bekommen - meist zuerst im Kreuz.
"Leider wird die wahre Qualität eines Polstermöbels erst nach Jahren offensichtlich", weiß De-Sede-Marketingleiterin Manuela Beer. Wenn nämlich die Federung nicht durchgesessen ist, wenn Komfortausstattungen wie verstellbare Lehnen oder ausfahrbare Fußstützen noch einwandfrei funktionieren und wenn der Bezug keine größeren Verschleißerscheinungen aufweist. Mehr noch als das Design oder der Bezug setzt Produktmanagerin Anne Jung von Rolf Benz den gesunden Sitzkomfort als Qualitätskriterium über alles. Ebenso Heinz Hofer-Wittmann von Wittmann, der dafür als Prüfindizien vor allem den Aufbau des Möbels empfiehlt. Annäherung an Sofa und Sessel also, mit kühlem, prüfendem Käuferblick.
Das Design, Sitzkomfort vorausgesetzt, ist Geschmackssache. Der Bezug - Textil oder Leder - ist Gefühlssache, abhängig davon, worauf sich Auge und Haut wohler fühlen. Dann aber wirds schnell konkret. Es geht ans Eingebaute und damit an die Polsterung: bei Qualitätsmöbeln ein passgenau auch in der Bewegung abgestimmtes Zusammenspiel aus Untergestell und Rahmen, manchmal Federn, Gurten, abgesteppten Kammern, Matten, Vliesen und Schaumstofflagen. Sandwich-Aufbau heißt das bei mehrlagigen Kombinationen, und manche Hersteller nutzen die unterschiedliche Festigkeit auch noch zu ergonomischer Dramaturgie, polstern etwa im vorderen Bereich etwas fester und im hinteren weicher, was das Sitzen insgesamt komfortabler macht.
Beim Schaumstoff ist das so genannte Raumgewicht ein objektiver Anhaltspunkt für die Gesamtqualität. Je höher dieses Raumgewicht (also je kompakter der Schaumstoff), desto besser, weil ausdauernder. Je geringer, um so schneller bilden sich bleibende Sitzbeulen, weil man buchstäblich auf mehr Luft sitzt. Sitzmöbel, zu denen der Verkäufer nichts über die Polsterdetails weiß, sollten buchstäblich nicht mal mit dem Hintern angeschaut werden.

Polstermöbel: Sitzen Sie bequem?

Qualität, die sitzt
Auf die inneren Werte kommt es an
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