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Möbel aus Papier und Pappe

Können Sie sich vorstellen, an einem Esstisch aus Papier zu essen, in einem Papierbett zu schlafen, oder es sich in einen Sessel aus Papier gemütlich zu machen? Kaum zu glauben, wozu dieses filigrane Material im Stande ist.

So unvorstellbar es auch klingen mag, so einfach und genial ist die Idee, Möbel aus Papier herzustellen. Papier ist günstig, leicht zu verarbeiten, gut transportierbar, stabil  – und das Beste: Papier ist umweltfreundlich. Mit der richtigen Versiegelung ist es zudem noch feuer- und wasserfest.

Was in Japan und China schon seit Jahrtausenden zur Inneneinrichtung gehört, eroberte erst im 20. Jahrhundert mit der Erfindung der Pappe Europa und die restliche Welt. Pappe – ein alltägliches Material, dass durch seine bräunlich oder graue Farbe und eine ungewöhnlich staubige Haptik die Ausstrahlung des Unfertigen, des Improvisierten besitzt, ist beliebt für umweltbewusstes und unkompliziertes Design.

„Flexible Love“, Designer Chishen Chiu über www.myfab.com, Preis: ca 250 Euro

Designerstücke aus Pappe

Auch Star-Designer haben das Zellulose-Material für sich entdeckt und zeigen mit ihren Möbelentwürfen, dass sich aus dem Material Besonderes gestalten lässt.

Klassiker: Stuhl “Schwanensee JA 31P von Amrgardt und der berühmte Sessel "Wiggle Chair" von Gehry für Vitra.

Der Sessel “Wiggle” von Frank O. Gehry, Stuhl “Schwanensee JA 31P” von Jan Armgardt, die Leuchte “Moonjelly” von Limpalux oder der klassische “Papp-Hocker” beweisen stilistisch und funktional ist von organisch verspielt bis geometrisch sachlich alles aus Papier möglich. Vor allem für romantische Leuchten ist Papier ein geradezu ideales Material: vom 50er-Jahre-Klassiker Isamu Noguchis “Akari Lichtskulpturen” für Vitra bis zu neuen Kreationen aus dem Schweizer Atelier Oï entstanden oft geradezu zauberhafte Papier-Exponate.

Noguchi entwickelte für Vitra über 100 verschiedene Papier-Lichtskulpturen für seine "Akari" Serie. Die Leuchte Tome von Atelier Oi und Moonjelly von Limpalux sind zauberhafte Exponate aus Papier (von links nach rechts)

Der Klassiker aus Papier

Pappmöbel sind auch immer ein Ausdruck der Andersartigkeit gewesen: Der legendäre Pappsessel “Otto” aus dem Jahre 1968, entworfen von dem renommierten Designer Peter Raacke, unterstrich dieses Statement. Seine Serie “Sitze für Besitzlose” gehörte damals zum weltweit ersten industriell gefertigten Möbelprogramm aus Wellpappe.

„Otto“ ist eines der ersten Möbel aus Pappe. Erhältlich über www.pulpoproducts.com für ca. 80 Euro.

Die Pappmöbel waren vor allem für junge mobile Leute in der Zeit des Aufbruchs in den späten 60er Jahren gedacht.
“Otto” ist ein modularer, extrem leichter Sessel aus zweiwelliger Pappe. Man kann ihn unbearbeitet einsetzen oder aber seine Oberfläche bemalen, lackieren, tapezieren oder bekleben. Der eigenen Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

Ausgestellt wird „Otto“ heute unter anderem im Museum of Modern Art oder im Vitra Design Museum. Und der Sessel erlebt gerade ein einzigartiges Comeback: dank einer Re-Edition.

Der Papier-Trend kommt aus Japan

Obwohl Pappe immer mehr an Beliebtheit gewinnt, ist es in unseren Breitengraden noch ein Nischenprodukt. Deshalb verwundert es auch nicht, dass es jetzt die japanischen Jung-Designer sind, die diesen Trend wieder neu beleben und neu definieren: “Cabbage Chair”, ein raffinierter Sessel zum Ausfalten und Bestaunen, ist der Beweis dafür. Der Sessel lässt sich aus einzelnen Schichten einfach und schnell in ein Designermöbel verwandeln.

„Cabbage Chair“ von Nendo ist ein echtes Design-Stück. www.nendo.jp

Pappe erobert Büros, Hotels und Ladengeschäfte

Weder lackiert, noch anders behandelt – der ästhetische Überraschungseffekt von Pappe ist bis heute nicht abgenutzt. Mittlerweile sind es nicht nur einzelne Designer, die sich dem Pappmöbel widmen, sondern ganze Design-Büros.

Das Grafikdesign-Büro wurde von den Architekten komplett aus Pappe entworfen und gebaut.

Um den funktionalen und ökonomischen Nutzen des Materials ging den Architekten Ro Koster und “Ad Kil, Ro&Ad architecten”. Sie entwarfen für ein Grafikdesignbüro ein Bürointerieur aus Pappe. Im Widerspruch zu dem ambitionierten ökologischen Ansatz steht allein die feuerfeste Beschichtung der Pappe, die vom Brandschutz und der Versicherung vorgeschrieben ist. Aber immerhin ist die Interieurlösung um dreißig Prozent billiger als herkömmliche Lösungen aus Gipskartonwänden.