Ajax

Magazin: Roter Oktober

Neue Lust auf Harmonie


Professor Axel Venn erklärt, warum gedämpfte Farben zur Zeit so beliebt sind. Er ist Trendforscher und arbeitet als Farb-, Trend- und Ästhetikberater für zahlreiche Firmen. Der Professor für Farbgestaltung in Hildesheim hat viele Bücher zum Thema Farbe und Wohnen geschrieben.

livingathome.de: Sie sind den neuesten Modefarben auf der Spur. Wie entstehen Farbtrends eigentlich?


Axel Venn: Dadurch, dass man sich an den bekannten Farben satt gesehen hat. Gesucht wird dann nach dem Gegenteil des Bestehenden - das heißt, auf bunte, grelle Farben folgen gedämpfte, unfarbige Töne, und auf matt folgt glänzend.

livingathome.de: Spielen die allgemeinen Lebensumstände der Menschen hierbei eine Rolle?


Axel Venn: Auf jeden Fall. Man kann das immer wieder beobachten: Wenn sich zum Beispiel die wirtschaftliche Lage verschlechtert, sind fröhliche, bunte Farben in.

livingathome.de: Und wie erklären Sie den aktuellen Trend zu Braun-, Rot- und Grautönen?


Axel Venn: Die Menschen bleiben mehr zu Hause, das Wohnen wird wichtiger. Da draußen Reizüberflutung, Hektik und Lärm vorherrschen, sehnt man sich drinnen nach Wärme, Harmonie und Ruhe. Archaische Farben wie Braun und Grau, aber auch warme Metalltöne von Bodenschätzen wie Bronze und Kupfer lassen uns farblich zum Wesentlichen, Ursprünglichen zurückkehren. Ich bezeichne das als "archetypisches Bewusstsein" - man zieht sich in die eigene Höhle zurück und macht es sich mit Familie und Freunden um die Feuerstelle herum gemütlich. Durch die Farbharmonien werden wir geerdet statt aufgerüttelt.



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