Hausfreunde
Zum Kugeln: die "Hang it all"
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Wer andere zum Aufräumen bringen will, muss schon mehr aus dem Hut
zaubern als ein paar bunte Bälle, findet Maja Schacht - aus eigener Erfahrung.
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Die einzige, die Luna-Lianas Mama aufmerksam zuhört,
bin ich. Ihre Tochter hingegen verziert das
U-Bahn Polster konzentriert mit einer Portion Hubba
Bubba - Kinder machen eben, was ihnen Spaß
macht. "Luna-Liana, noch mehr Kaugummi auf den
Sitz, und Glotze is' nich'!", mahnt die Mutter vergebens.
Ähnliches beobachte ich auch immer wieder
gern beim Spaziergang um die Hamburger Alster,
einem Tummelplatz für alle, die ihre nagelneuen
Buggys, Golden Retriever oder Barbour-Jacken ausführen
wollen: "Hubertus-Friedrich, ich möchte im
Moment wirklich nicht, dass du dem kleinen Mädchen
die Haare ausreißt." Sinnlos - den kleinen Hubsi,
ganz waidmännisch gekleidet in Feinkordhose und
Lodenjankerl, hat der Jagdtrieb fest im Griff.
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Ich selbst habe verschwindend geringe Erfahrungen
mit den lieben Kleinen, aber eines weiß ich:
Bestimmten Aufforderungen gegenüber sind sie taub,
mögen diese noch so kreativ formuliert sein. Das
hätten eigentlich auch Charles und Ray Eames wissen
sollen, als sie 1953 die Kindergarderobe Hang it all
entwarfen. Das amerikanische Designerehepaar schuf die weiße Metallstruktur,
um den Nachwuchs wortlos zu ermutigen, ganz
einfach alle Sachen aufzuhängen, statt sie irgendwo
im Zimmer herumliegen zu lassen. Die 14 farbigen
Holzbälle sollten diesen "stillen Appell-Charakter"
zusätzlich betonen. Doch für die Kinder von heute
gilt: stiller Appell = gar kein Appell - hübsche Garderobe
hin oder her. Den grandiosen Erfolg der
Hang it all kann ich mir deshalb nur damit erklären,
dass der Nachwuchs in den Fünfzigerjahren wahrscheinlich
noch etwas folgsamer war.
Und natürlich damit, dass die Garderobe ein großartiges
Stück Designgeschichte darstellt! Die Eames'
trugen mit ihren formschönen und gleichzeitig funktionalen
Produkten nämlich wesentlich zur Entwicklung
des Möbelmachens im Nachkriegsamerika
bei, wobei Ray eher für den künstlerischen
und Charles für den technischen Teil verantwortlich
gewesen sein soll. Sie zählten zu den Glücklichen,
die sich nur mit dem beschäftigten, was ihnen Freude
machte, und waren in dieser Hinsicht Kindern, für
die sie gern Möbel und Spielzeug entwarfen, gar
nicht so unähnlich. Dabei kann man die Hang it all
auch als Erwachsener benutzen. Ich möchte nur vor
allzu großen Erwartungen warnen, was das Ordnungsergebnis
angeht: Bei uns zu Hause jedenfalls gibt es
einen "Throw it all"-Flur - trotz Garderobe.
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Fotos: Hersteller




















