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Hausfreunde

Erleuchtet: von "Lucellino"


Die kleine Lampe von Ingo Maurer beflügelte sie ihr Studium schaffte Wohnressortleiterin Maja Schacht trotzdem nur unter Qualen. Aus gutem Grund ...


Ehrlich gesagt, gab es während meines Studiums wenig Lichtblicke. Ich hatte Innenarchitektur gewählt und naiv Stoffe, Farben und Möbel erwartet. Was hingegen auf mich zukam war Stahlbeton, ein Material,das meine durchwegs männlichen Professoren - Architekten mit weiten, schwarzen Anzügen und dicken, schwarzen Hornbrillen - total super fanden.


leuchte- "Lucellino"
Foto: www.ingo-maurer.com
Die strengen schwarzen Männer waren nicht glücklich, wenn ich mal wieder mit einem missglückten Modell ankam, das eher einer brasilianischen Wellblechhütte als einem futuristischen Mehrfamilienhaus glich, und ich konnte mich einfach nicht mit ihren klinisch weißen Wohnvisionen anfreunden. Wir wurden uns auch in vier Jahren nicht einig. Nur ein einziges Mal sah ich sprichwörtlich Licht am Ende des Tunnels: In einer Vorlesung zum Thema Licht ging es um den in München arbeitenden Designer Ingo Maurer. Seine Leuchten faszinierten mich sofort, denn Maurer verzichtet auf konventionelle Elemente wie Schirm oder Aufhängung und schafft stattdessen poetische Gebilde, deren Licht uns streichelt und die uns zum Schmunzeln bringen, weil man den Menschen dahinter spürt.

Produktinfos
Leuchte "Lucellino"
Design: Ingo Maurer
Preis: ca. 200 Euro
www.ingo-maurer.com
Wie ich später las, soll er seine Liebe zum Licht 1965 in einer billigen venezianischen Pension entdeckt haben, von deren Decke eine nackte, kleine Glühbirne hing. Uns zeigte man als Beispiel für seine Arbeit ein Lämpchen, das sich mit zwei Flügeln aus Gänsefedern auf einem mickrigen Messingdraht in die Luft schwingt. Sogar der Name, Lucellino, ist ein Spiel: Während "luce" auf Italienisch Licht heißt, bedeutet "uccellino" Vögelchen. Wie ein solches fing mein gepeinigtes Studentenherz aufgeregt an zu flattern: Es gab eine Welt jenseits von geschniegelten Gussstrichböden und kalten Glasdecken! Da war ein Mann, der Glühbirnen ungeniert Flügelchen verpasste, sie mit Scherben umgab oder ihr Licht durch Campari-Flaschen schickte - und der dennoch vom schwarzen Brillenblock geduldet wurde!

Meine eigenen Entwürfe kamen leider weiterhin nicht an, im besten Falle wurden sie als "ein wenig zu wenig spektakulär, Frau Schacht" bewertet. Wenn Sie also auch unbedingt Innenarchitektin werden wollen, überlegen Sie es sich gut. Prüfen Sie vorher ganz genau, ob Sie eine ausgeprägte Vorliebe für Stahlbeton hegen. Oder für schwarze Hornbrillen.


Fotos: Hersteller
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