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Hausfreunde

Bissig: der Nussknacker


Ein Mann im Haus ist immer nützlich, findet Wohnressortleiterin Maja Schacht. Zwei sind aber besser - besonders vor Weihnachten ....


"Hilfst Du mir?", fragt mein Freund, er will die Wohnung ausmisten. "Klar", sage ich, wir fangen in der Küche an. Leider treten schnell erste Meinungsverschiedenheiten auf: Er findet, man könne elf Plastikbecher mit der kompletten Werder-Bremen-Fußballmannschaft unmöglich trennen, und ich finde zehn Kartons mit Ikea-Wassergläsern deutlich zu viel, auch wenn wir in der Wirtschaftskrise stecken und die nächste Gläsernot bestimmt kommt. Schwierig.


Nussknacker "Polizist, rot"
Foto: Hersteller
Er schiebt eine Batterie leerer Senfgläser von A nach B, stellt sich schützend vor eine arg geschundene Mikrowelle und legt zärtlich seine Arme um eine Fritteuse. "Die ist fast wie neu", murmelt er und zieht die Stirn in traurige Falten. "Aber du hast sie doch noch nie benutzt, woher kommt sie eigentlich?", versuche ich, ihm den Abschied leicht zu machen. Von Freunden, die nach Indien gezogen sind, aha.

"Siehst du", sagt er, "manche Leute wechseln sogar das Land, weil sies nicht schaffen, sich von ihrer Fritteuse zu trennen!" Schließlich zieht er einen verstaubten Karton aus dem Chaos, schaut hinein und verkündet glücklich: "Den hier brauchen wir aber echt nicht mehr!" Neben einer Packung Luftschlangen liegt ein Nussknacker aus Holz - so einer, wie wir ihn zu Hause hatten. Er erinnert mich an meine Kindheit, an Weihnachten und an Fernsehabende, an denen meine Mutter Nüsse knackend die Familie wahnsinnig machte.

Produktinfos
Nussknacker "Polizist, rot"
Preis: ca. 49 Euro
Hersteller:
Seiffener Volkskunst EG
erhältlich über www.schauwerkstatt.de
Mein Vater hatte ihn von einer Geschäftsreise aus dem Erzgebirge mitgebracht, wo um das Jahr 1870 viele arbeitslos gewordene Bergarbeiter ihr Hobby zum Beruf machten und unter anderem eben diese Nussknacker drechselten. Aus Fichten- oder Buchenholz entstanden dabei die verschiedensten Modelle mit rund 60 Einzelteilen. Das klassische trägt auch heute noch Uniform und sieht recht grantig aus, damals eine versteckte Kritik an der Obrigkeit. Ich mag Uniformen und vom bösen Blick lasse ich mich nicht abschrecken, schließlich gucken jetzt schon zwei Männer in dieser Wohnung grimmig. Der eine von ihnen mault gerade, dass er jetzt keine Lust mehr habe aufzuräumen. Was tun? Sie ahnen es: Der Nussknacker bleibt - aber auch Werder Bremen steht wieder vollzählig aufgereiht im Gläserregal. Die Weihnachtszeit stimmt eben milde.


Fotos: Hersteller
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