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Hausfreunde

Plastik aus plastik: das Uten.Silo


Unsere Wohnressortleiterin Maja Schacht stellt Uten.Silo. vor. Der fantasievolle Stauraum, ein Kind der 60er-Jahre, zeigt, dass Aufräumen eine Kunst sein kann.


Mit BEHÄLTERN unterschiedlicher Form und Größe, mit Metallhaken und Klammern schafft das Uten.Silo Ordnung in Büro, Küche oder Bad. So die Broschüre des Herstellers. Wer jedoch wie ich zu Zettelhaufen neigt (Büro!), seinen Hausschlüssel ab und zu im Kühlschrank findet (Küche!) oder mit Lippenstiften handeln könnte (Bad!), dem hilft eine einzige poppige Aufbewahrungswand wenig. Chaosminimierung stand vielleicht auch nicht an erster Stelle für die Designerin Dorothee Becker, als sie das Uten.Silo 1969 entwarf. Sie war inspiriert von den zahllosen kleinen Schalen, Dosen und Flaschen in der Drogerie ihres Vaters. Und auch von Kunststoff, Ende der 60er-Jahre im Möbeldesign der angesagte Trend. Das Material war preiswert und machte selbst komplizierteste Formen möglich.


"Uten.Silo"
Foto: www.vitra.com
Dorothee Beckers Mann, der berühmte Leuchtendesigner Ingo Maurer, ließ das Uten.Silo in seiner Firma Design-M produzieren. Per Spritzguss wurde die Front mit den spielerisch angeordneten Ausbuchtungen in einem Stück hergestellt. Der fröhliche Ordnungshüter fand reißenden Absatz - bis zur Ölkrise 1973. Danach wurde Kunststoff teurer und plötzlich bevorzugten designbewusste Kunden natürliche Materialien wie Holz. Das Uten.Silo verschwand ein gutes Vierteljahrhundert lang vom Markt; seit 2002 hat der Schweizer Hersteller Vitra den Entwurf wieder im Programm. Seitdem gilt er als Klassiker, als Zeuge einer Zeit, in der die Zukunft bunt und aus Plastik zu sein schien.

Produktinfos
"Uten.Silo" gibt es in Weiß, Schwarz, Rot oder Chrom und in zwei Größen, 87 x 67 cm und 68 x 52 cm

Design: Dorothee Becker, 1969
Preis: ab ca. 210 Euro
Hersteller: Vitra
www.vitra.com
Mein Uten.Silo bestücke ich mit allem, was weniger sentimentale Gemüter längst dem Papierkorb übergeben hätten. So wird es zu einer Skulptur, die sich stetig verändert. Was das Aufräumen betrifft, beherzige ich die Warnung des Dichters Christian Morgenstern: "Vom höchsten Ordnungssinn ist nur ein Schritt zur Pedanterie."


Fotos: Hersteller