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Hausfreunde

Tonangebend: Das Model One


Musik ist schön, findet Wohnressortleiterin Maja Schacht - sofern man selbst bestimmt, was man wann wo hört. Zeit, sich auf das gute, alte Radio zu besinnen.


Ein typischer morgen in der U-Bahn: Ich schaue aus dem Fenster und lasse mich vom Geratter der Schienen noch mal einschläfern. Doch nicht lang und ein mir nur zu gut bekanntes Geräusch stört die Ruhe: Die Laute klingen verdächtig nach Britney Spears und kommen aus den kleinen, weißen Kopfhörern der Frau neben mir. Der Typ gegenüber hat auch Stöpsel in den Ohren und hört so laut Techno, dass der Kaffee in seinem Pappbecher im Takt schwappt. Nennen Sie mich spießig, konservativ, ja, meinetwegen reaktionär, aber - ich will keine Musik hören, die ich nicht hören will! Ich mute schließlich auch niemandem meine kitschigen Italo-Schlager oder Johnny Cash in der Endlosschleife zu! Denen lausche ich schön zu Hause und gebe mich je nach Laune Tränen oder Tanzlust hin.


Radio "Model One"
Foto: www.tivoliaudio.com
Genauso altmodisch wie ich wirkt wohl das Radio Model One auf den ersten Blick. Es ist das letzte Werk des amerikanischen Hi-Fi-Urgesteins Henry Kloss für die Firma Tivoli. Viele technische Innovationen, etwa das erste Kassettendeck zum Abspielen von Musik, gehen auf das Konto des Designers, der sein Leben lang auf der Suche war nach dem guten Ton. Seine Arbeit hat sich hörbar gelohnt, der Klang des kleinen Radios ist perfekt. Optimal auch das schlichte Retrodesign im furnierten Gehäuse, es konzentriert sich auf wesentliche Funktionen und ist leicht zu bedienen. Mittlerweile ist das Model One ein echtes Kultobjekt und - kleiner Hinweis für meine Freunde aus der U-Bahn - man kann sogar einen MP 3-Player anschließen.

Produktinfos
Radio "Model One"
Erfinder: Albert Dupuy
Preis: 199 Euro
Hersteller: Tivoli
www.tivoliaudio.com
Ich scanne jetzt meist jeden Waggon genau, bevor ich Platz nehme, und mein irre-suchender Blick mag auf manchen Fahrgast schon mal leicht irritierend wirken. Gern setze ich mich neben Frauen im Pelzmantel oder ältere Männer mit Hut, in der Regel sind da keine heißen Beats zu befürchten. Doch Ausnahmen gibt's ja immer: Zielstrebig steuerte ich letztens auf einen circa 80-jährigen Herren mit weißem Haar und Karohut zu. Er saß zusammengekauert da, nickte alle zwei Minuten ein. Zu spät sah ich die beiden Schnüre, die sich am Kragen seines Trenchcoats entlangwanden. Aus seinem Hut ertönte deutlich hörbar "Express Yourself" von Madonna...


Fotos: Hersteller
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