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Hausfreunde

Tief bewegt: von "Sinus"


Simple Sessel bergen Gefahren. Besser, Sie entscheiden sich gleich für die Luxusversion - meint Wohnressortleiterin Maja Schacht.


Gehen Sie mal in ein ganz normales Möbelgeschäft und suchen Sie nach einem Sessel. Sie werden feststellen, es ist nicht einfach. Es gibt sehr viele Sessel. Zum Liegen, Fläzen, Essen. Und zum Sitzen. Aus Holz, aus Stoff, aus Leder oder Plastik - und um den richtigen zu finden, muss man sie alle ausprobieren. Und manchmal ist so ein Sesselkauf sogar äußerst gefährlich!


Sessel "Sinus"
Foto: www.cor.de
Einer Bekannten von mir ist Folgendes passiert: Ein netter Möbelfachhandel-Mann bat sie, auf dem Modell ihrer Wahl einmal Probe zu sitzen. Was sie tat - allerdings nicht lange. Eine Sprungfeder (Wo zum Teufel gibt es heute noch Sprungfedern?) hatte sie hinterhältigst angesprungen. In ihrem leichten Leinenrock befand sich ein großer Riss, es muss eine besonders fiese Feder gewesen sein. Sprunghaft verließ sie das Geschäft - ohne Sessel, dafür mit hochrotem Kopf.

Produktinfos
Sessel "Sinus" in Leder
Design: Reinhold Adolf
Preis: Sessel ab ca. 3.120 Euro, Hocker ab ca. 1.460 Euro,
Hersteller: Cor
www.cor.de
Das können Sie sich sparen. Ich hätte da nämlich eine Empfehlung und Probe gesessen habe ich auch schon für Sie: 1976 entwarf der Österreicher Reinhold Adolf ein Sitzmöbel. Sie erinnern sich, es waren die Jahre der Braun-Orange-Kombinationen ... Doch dieses Möbel war seiner Zeit weit voraus: Die Form war ungewöhnlich klar und reduziert, der Kontrast aus hartem Metall und weichem Leder aufsehenerregend. Im Sitz und Rücken hielten Ledergurte ein Wellenmeer aus runden Polsterelementen zusammen und das glänzende Gestell war geformt wie eine Sinuskurve.

Mitte der Achtziger, als Chrom und weißes Leder die Vorherrschaft in den Wohnzimmern übernommen hatten, war erst mal Schluss mit Sinus - zu teuer die Herstellung, zu groß der Lederverbrauch. Aber wie jeder echte Star feierte der Sessel sein Comeback: im Jahr 2004. Nach einem kleinen Ganzkörperlifting ist er heute jünger, kurviger, schnittiger als je zuvor. Und kommt übrigens vollkommen ohne Sprungfedern aus. Denn auf seinen Federstahlkufen, deren System sich Herr Adolf damals patentieren ließ, kann man auch so ganz hervorragend wippen und dabei ein Glas Wein trinken. Welches Ihnen bei besonders exzessivem Wippen natürlich schon mal umkippen kann - das ist aber auch das einzig Gefährliche.


Fotos: Hersteller