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Hausfreunde

Love, Peace und Sitzsack


Sitzen ist eine Frage der Haltung! Das erkannten in den Sixties drei italienische Designer - und hinterließen die Welt deutlich lässiger.


Meine Freundin Maike hat nie Knitterfalten im T-Shirt, hasst spontane Entscheidungen und schreibt vor jeder Verabredung drei Erinnerungs-E-Mails, um Zeit, Ort und Thema (Kino, Kaffeetrinken, Schuhkauf) in Stein zu meißeln. Im äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass sie auf eine Demonstration gehen wollte, müsste sie vorher en detail wissen, wie lange der Marsch dauert, wie viele Leute kommen, welche Schuhe sie tragen soll und ob zwischendurch Erfrischungen gereicht werden. In den Sponti-Jahren wäre Maike verloren gewesen.


Sitzsack "Sacco"
Damals, als man die Haare wachsen und die Hüllen fallen ließ, als man bei Demos ungeplant Barrikaden baute, änderte sich auch das Sitzverhalten. Wer kam schon von einer hitzigen Versammlung, um sich dann kerzengerade in einen Louis-quinze-Sessel zu pflanzen, wer wollte seine Entspannungstüte auf harten Holzhockern rauchen? Nein, man fläzte, rollte und streckte sich, rottete sich spontan zusammen, ließ sich hängen und gelegentlich auch gehen.

Produktinfos
Sitzsack "Sacco"
Preis: ab 395 Euro (Stoff), ca. 1395 Euro (Leder)
Hersteller: Zanotta
www.zanotta.it
Das wäre ein Albtraum für Maike, war aber die Geburtsstunde weicher, ergonomischer, unkonventioneller Möbel wie des Sacco! Drei kreative italienische Designer ertüftelten eine birnenförmige Hülle aus Kunststoff oder weichem Leder, die zu zwei Dritteln mit kleinen Polyesterkügelchen gefüllt wurde, und feierten mit ihrem Entwurf, den der italienische Hersteller Zanotta 1968 das erste Mal auf der Möbelmesse in Paris vorstellte, sofort erstaunlich große Erfolge. Denn das unförmige Ding, das unbenutzt eher wie ein zufällig in die Ecke geknautschter Haufen Stoff aussieht, traf das damalige Bedürfnis nach Freiheit und Lockerheit genau. So zufällig und ungeordnet das Leben Ende der Sixties zu sein schien, so lässig sollte auch das eigene Zuhause wirken. Für Maike ist lässig gleich lästig, daher ist es nicht verwunderlich, dass sie neulich auf einer kleinen Party, wo genau solch ein Sitzsack in der Ecke lag, unvermittelt aufsprang, um "das olle Ding mal richtig aufzuschütteln", und am Ende gar mit der Handkante eine schnurgerade Kissenfalte hineinschlug. Weshalb ich Maike trotzdem so mag? Nun - ich selbst war auch noch nie auf einer Demo. Ich hatte einfach nichts Passendes anzuziehen.


Fotos: Hersteller
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