Hausfreunde
Sofa mit dicker Lippe: La Bocca
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Auf Mundpropaganda ist das
Sofa "La Bocca" eigentlich nicht
angewiesen, schließlich hat
Salvador Dalí es schon gemalt.
Maja Schacht, unsere Wohnexpertin,
hat es jedenfalls ins
Herz geschlossen: weil es
so "unverschämt sinnlich" ist.
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Kann ein Möbel sexy sein? Ich
finde, ja. So sexy wie Mae West, die
coole Skandaldiva des amerikanischen
Dreißigerjahrefilms mit
platinblonden
Haaren, rasanten
Kurven und dann dieser Mund!
Den wohl exzentrischsten Maler
des letzten Jahrhunderts, den Surrealisten
Salvador Dalí, faszinierte
die unkonventionelle Schauspielerin
so sehr, dass er ihr Porträt 1935 in seinem Bild "Gesicht
der Mae West, das als Wohnung benutzt werden kann"
malte. Die blonden Locken sind darauf die Vorhänge, die
Nase der Beistelltisch und der Mund: ein Sofa.
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Nase der Beistelltisch und der Mund: ein Sofa.
Etwa 35 Jahre später setzte die italienische Designergruppe
Studio 65 den Entwurf in die Realität um. La Bocca,
der Mund, entstand: ein über zwei Meter langer Polstertraum
in Ferrarirot. Italiener hatten schon immer etwas für
schöne Frauen übrig, mögen Sie denken, tatsächlich steckte
mehr dahinter. Studio 65 gehörte zum Radical Design, einer
Bewegung, die sich Ende der Sechzigerjahre mit Pop-Artähnlichen
Entwürfen gegen den etablierten eleganten
Geschmack
in Italien richtete.
Die Riesenlippen aus Schaumstoff
werden seitdem von der Turiner Firma Gufram in
limitierter Auflage fabriziert und dabei ist klar: Hier geht es
um Kunst, nicht um Mobiliar! Doch die Grenzen
zwischen
Kunst und Kommerz sind fließend. Auf der
Mailänder Möbelmesse entdeckte ich eine
Reedition des Megamunds: La Bocca
in schwarzem und in pinkfarbenem
Samt mit einem überdimensionierten
Piercing in der Unterlippe. "Scandalo!",
hätten die idealistischen Antidesigner
geschrien. Und Mae West? Die hätte nur
spöttisch die Lippen gespitzt.
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Fotos: Hersteller


























