nlpopup

Hausfreunde

Ein Meisterstück: der Y-Stuhl


Gerade weil ihre eigenen Handwerkskünste begrenzt sind, schätzt Maja Schacht gute Arbeit und wünscht dem Y-Chair zum 60. Geburtstag nur das Beste!.


Halten Sie sich für besonders begabt? Sind Sie gesegnet mit einem Talent - können Sie göttlich kochen, logisch denken oder hiiiiinreißend malen? Schön für Sie. Ich kann ganz passabel Witze erzählen, aber echtes Können sieht anders aus. So wie zum Beispiel bei Hans Jørgen Wegner (1914 - 2007). Der dänische Architekt und Designer galt nämlich seinerzeit immerhin als der begabteste Tischler der Welt. Seine Möbel zeichnen sich nicht nur durch eine schlichte, elegante Linienführung aus, sondern auch durch optimale Verarbeitung des Materials (zumeist Holz) und eine hohe Haltbarkeit.


Y-Stuhl "CH 24"
Foto: www.carlhansen.com
Wegners Y-Chair, benannt nach der sich gabelnden Rückenlehne, wird dieses Jahr schon 60 Jahre alt. Und wirkt dabei immer noch so frisch und zeitgemäß wie am Tag seiner Schöpfung - und das keineswegs nur wegen seiner modischen Farben, in denen die Möbelmanufaktur Carl Hansen ihn im Jubiläumsjahr auf den Markt bringt. Auch "nackt", in unbehandeltem Hartholz wie Esche, Buche oder Eiche passt er ausgezeichnet in jedes stilvolle, Skandinavien affine Zuhause.

Produktinfos
Y-Stuhl "CH 24", lackiert
Preis: ca. 578 Euro
Design: Jørgen Wegner
Hersteller: Carl Hansen
www.carlhansen.com
Auch ich habe im Tischlern übrigens Erfahrung. Während meines Innenarchitekturstudiums in Rosenheim musste ich zwei Monate in einer Schreinerei am Fuße des Wendelsteins zubringen. Mir als Betreuer zur Seite gestellt wurde Mo, ein Schreinergeselle, dessen Mutter ihn aus unerklärlichen Gründen Maurice getauft hatte und der sich nun tagtäglich in breitestem Bayrisch mit mir herumschlug. Das Tollste, was ich je zustande brachte, war eine kleine Holzkiste. Leider zeigte sich bei der Fertigstellung, dass Unterteil und Deckel nicht aufeinanderpassten, weil ich mich beim Zuschneiden der Einzelteile nicht unerheblich vermessen hatte. Mo, der Ärmste, war nicht glücklich und verlieh dem - "So wos bleds wia di hob i no nia gsehn" - auch deutlich Ausdruck. Mein Studium habe ich trotzdem irgendwie geschafft, und die Kiste benutze ich seitdem sehr gern als Obstschale. "Das Beste draus machen" ist nämlich auch eine Gabe.


Fotos: Hersteller
nach oben