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Hausfreunde

Eine Jugendliebe: der Kaffeehausstuhl


Thonets berühmter Stuhl Nr. 214 hat Geburtstag. Nicht nur revolutionierte er vor 150 Jahren die Möbelindustrie. Für Wohnressortleiterin Maja Schacht ist er auch Teil ihrer Familiengeschichte


Es war 1994, ich sollte meine Mutter auf eine Pressekonferenz anlässlich des 175-jährigen Jubiläums der Möbelfirma Thonet begleiten. Ins nordhessische Frankenberg. Sie arbeitete damals als Redakteurin beim Rundfunk, ich war eine pubertierende 15-Jährige, die weder Lust auf Mama noch auf Möbel hatte. Ich war also ganz und gar nicht begeistert von dem Vorhaben. Wie hätte ich ahnen können, dass ich mich Hals über Kopf verlieben würde? Und dass ich 15 Jahre später dieser Jugendliebe, dem sogenannten Kaffeehausstuhl 214, eine schwärmerische Geburtstagskolumne widmen würde?


Stuhl Nr. 214
Foto: www.thonet.de
Am Beispiel dieser Sitzgelegenheit demonstrierte man uns an jenem Tag, wie Firmengründer Michael Thonet die Möbelindustrie aufgemischt hatte. Nur sechs Bauteile und ein paar Schrauben ermöglichten es nämlich, den Consumsessel Nr. 14 (so hieß er damals) günstig zu produzieren, platzsparend zu verpacken und mühelos in alle Welt zu verschicken. Der extrem niedrige Preis machte ihn für jedermann erschwinglich. So avancierte er mit 50 Millionen Stück zum meistgebauten Stuhl aller Zeiten.

Produktinfos
Stuhl Nr. 214 ist in naturbelassener Buche mit schwarzem oder hellem Sitz, oder schwarz gebeizt mit gepolsterter Sitzfläche erhältlich

Design: Michael Thonet, 1859
Preis: ab 484 Euro
Hersteller: Thonet
www.thonet.de
Man erklärte uns das Bugholzverfahren, bei dem massive, im Leimbad gekochte Buchenstäbe unter Dampfeinwirkung in die gewünschte Form gebracht werden: heute wie früher von Hand und mit Muskelkraft. Gerne würde ich Ihnen jetzt einen knallharten journalistischen Augenzeugenbericht liefern. Leider beschlugen meine Brillengläser im dichten Dampf sofort und ich musste wie ein Maulwurf hinter meiner Mutter herstolpern. Die Brille habe ich mittlerweile gegen Kontaktlinsen getauscht, die damals geweckte Begeisterung für Möbel blieb. Da kann ich nur sagen: Mein schöner, schlanker, zeitloser, wenn auch in die Jahre gekommener Kaffeehausstuhl - bleib, wie du bist, ich bleib dir treu!

Fotos: Hersteller