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Hausfreunde

Dauerblüher: der Tulpenstuhl


Nur wer sich ändert, bleibt sich treu, findet Ressortleiterin Maja Schacht. Und plant jeden Frühling aufs Neue, ihre Wohnung mit Design-Evergreens einzurichten.


Draussen tut sich was. Die Vögel zwitschern, die Blümchen sprießen, und die Luft riecht nach Frühling. Drinnen riecht sie nach Ärger. Wie jedes Jahr um die gleiche Zeit packt mich die Veränderungswut: Was mir in den letzten Monaten lieb und teuer war, all die Kissen, Kerzen und Kaschmirplaids, die ich Stück für Stück in den Bau geschleppt habe, fliegen jetzt raus. Etwas Neues muss her! Wer weiß, wie ich ticke, merkt, dass diese Stimmung verschiedene Phasen durchläuft: Vom festen Willen auszuwandern bis zum Plan, ein sündhaft teures Designersofa anzuschaffen oder zumindest neue Kissen. Wer mich besser kennt, ahnt, dass die Aktion meist leise ausklingt. Nur wer mich am allerbesten kennt, weiß, dass ich eigentlich bescheiden bin, sodass das Ganze oft mit einem Blumenstrauß auf dem Tisch endet.


Stuhl "Tulip chair"
Foto: www.knoll.com
Auf eben jenen Tisch habe ich es dieses Jahr abgesehen. Und erst recht auf das Wirrwarr verschiedener Stühle drumherum. "Wir brauchen dringend neue Möhöbel", heule ich, "ich halte das so echt nicht mehr aus!" Die Antwort darauf ist das leise klickende Türschloss. Mann macht sich aus dem Staub. Er kann ja nicht wissen, dass die gelungene Kombination von Tisch und Stuhl schon so manchen berühmten Designer umgetrieben hat. Zum Beispiel den finnischen Architekten und Möbeldesigner Eero Saarinen. Er fand, genau wie ich, dass der übliche Unterbau von Tischen und Stühlen ein verwirrendes, unansehnliches Chaos ist, und suchte nach einer Alternative.

Produktinfos
Stuhl "Tulip chair"e"
Design: Albert Dupuy
Preis: ab 1.200 Euro
Hersteller: Knoll international
www.knoll.com
Die Entwicklung diverser Kunststoffe gestattete es den Gestaltern in den Fünfzigerjahren erstmals, mit neuen Formen zu experimentieren. Möbel sahen immer mehr aus wie Skulpturen. Feste Entwurfsregeln (ein Stuhl = vier Beine) wurden über den Haufen geworfen. So entstand 1956 der Tulpenstuhl (nebst passendem Tisch), dessen Sitzschale auf einem zentralen Sockel ruht und dessen geschwungene Silhouette genauso typisch für die Fünfziger ist wie Hawaii-Toast und Käse-Igel. Kein Stuhlbeinmikado mehr - wäre das schön! Ich stelle mir vor, wie ich mich im Bleistiftrock langsam auf dem Tulpenstuhl umdrehe und mit rauchiger Stimme sage: "Für mich einen Wodka Martini!" Schade bloß, dass niemand fragt. Dann gehe ich eben erst einmal los und kaufe DEN Blumenstrauß. Wahrscheinlich Tulpen, irgendwo muss man ja anfangen!


Fotos: Hersteller
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