Miteinander Freude schenken - einfach so

Aus den USA stammt die Idee der "Random Acts of Kindness" - kleine Nettigkeiten, die man wie zufällig verteilt. Anneke Bots hat festgestellt, wie viel freundliche Gesten bewirken können.

Wann habe ich zum letzten Mal bei meinen Nachbarn geklingelt und gefragt, ob ich ihnen vom Bäcker Brötchen mitbringen darf? Jemandem über die Straße geholfen oder ein Schwätzchen mit einem Unbekannten gehalten? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Meistens habe ich es zu eilig: Ich hetze von der Arbeit zur Schule, um meine Kinder abzuholen. Mein Alltag ist straff durchgeplant. Unterbrechungen? Gehen gar nicht!

Freundliche Gesten

Auch zu Hause bin ich leider nicht immer die Freundlichkeit in Person. Die Arbeit setzt sich dort meist fort. Fragt mich mein Sohn zwischendurch, wie viele Nächte er noch bis zu seinem Geburtstag schlafen muss, reagiere ich von meinem Laptop aus gereizt, weil er mich aus meiner Konzentration gerissen hat. Ergebnis: miese Stimmung. Warum nehme ich mir nicht die Zeit, ihm zuzuhören? Die Mail, an der ich gesessen habe, kann doch ein paar Minuten warten.

Zuwendung, Hilfe, ein Lächeln oder ein freundliches Wort – im Grunde sind das alles doch einfache Dinge, und sie nützen so viel. Das bringt mich auf den Film Ein Mann namens Ove, den ich mir kürzlich angesehen habe. Ove ist ein alter Griesgram, der niemanden leiden kann. Ein unglücklicher Mensch. Zu Anfang des Films versucht er mehrmals, sich zu erhängen, aber selbst das gelingt ihm nicht, weil er andauernd von seinen neuen Nachbarn gestört wird - einer hochschwangeren Iranerin, ihrem schwedischen Mann und ihren beiden kleinen Kindern.

Kaffee trinken Freundliche Gesten

Die Nachbarin lässt sich von dem bärbeißigen Ove nicht abschrecken und bringt mit ihrem entwaffnenden Charme frischen Wind in sein Leben. Wir lernen Oves weiche Seite kennen und erfahren, warum er so unnahbar geworden ist. Dann erleben wir mit, wie er aufblüht und seine Lebensfreude wiedergewinnt, dank der Aufmerksamkeit seiner freundlichen, humorvollen Nachbarin.

Nett sein ohne Erwartung

Wenn man also schon mit ein wenig aufrichtigem Interesse so viel erreichen kann, warum tun wir uns dann so schwer damit? Wir sind wohl zu sehr mit unseren eigenen Sorgen beschäftigt. Durch die Hektik im Alltag vergessen wir die Menschen um uns herum.

Ich glaube fest daran, dass das Miteinander die Welt schöner macht.

Aber es gibt auch einen Gegentrend: Aus den USA kommt die Bewegung der Random Acts of Kindness – kurz: RAOK –, was übersetzt so viel wie "zufällige Akte der Freundlichkeit" heißt. Im Internet stoße ich auf Blogs und Facebook-Seiten von Engagierten, die kleine Nettigkeiten ausstreuen, indem sie zum Beispiel ein Post-it mit einer freundlichen Nachricht auf die Kaffeemaschine im Krankenhaus kleben oder einen Blumenstrauß kaufen, um ihn der Kassiererin zu schenken. Sie hinterlassen kleine Geschenke auf einer Bank im Park oder legen jemandem einen selbst gestrickten Schal in den Fahrradkorb. Und zwar einfach so, um einem Mitmenschen - häufig einem Unbekannten - Freude zu bereiten.

Freundliche Gesten
Freundlichkeit tut nicht nur anderen gut, sondern auch uns selbst. Der Biochemiker David Hamilton nennt fünf angenehme Nebeneffekte.

"Ich habe immer ein Auge dafür, ob jemand Hilfe braucht", erzählt Irene Rompa, Organisatorin verschiedener Nachhaltigkeits-Initiativen. "Etwa heute Morgen: Am Straßenrand saß eine Touristin, deren Schal sich hoffnungslos im Kettenschutz ihres Rades verfangen hatte. Also habe ich ihr geholfen. Etwas Gutes zu tun gibt auch mir ein gutes Gefühl."


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Text (gekürzt): Anneke Bots, Christiane Würtenberger

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