Psychologie Die Kraft der Neugier

Wenn wir uns offen durch die Welt bewegen, wird das Leben interessanter. Wie bewahren wir einen neugierigen Blick?

Es gibt Phasen, da habe ich irgendwie keine Lust, meine Freunde anzurufen. Oder ins Kino zu gehen. Oder auf Partys. Dann will ich eine Weile einfach nicht wissen, was es Neues gibt. Ein paar Tage lang ist das herrlich, ich gönne mir eine kleine Auszeit von der Welt.

Neugier

Doch manchmal zieht sich die Phase, in der mir die Neugier ein wenig abhanden gekommen ist, über Wochen. Dann werde ich träge und schlecht gelaunt. Und ein untrügli­ches Zeichen dafür, dass mir mein Draht zur Welt ein bisschen zu sehr abhanden gekommen ist, ist meist, wenn auf dem Plattenteller im Wohnzimmer das immer gleiche Album verstaubt – dass ich kein offenes Ohr für Musik habe, ist selten. Wenn ich das bemerke, versuche ich, mich bewusst wieder mehr für Neues zu öffnen.

Alles ist interessant

Ein gewisses Maß an Neugier tut uns einfach gut. Es ist wissenschaftlich belegt, dass es Menschen, die sich für ihre Umwelt interessieren, häufig viel besser geht als den Nichtneugierigen. Der Psychologieprofessor Daniel Gilbert von der Universität Harvard beschreibt die Kraft der Neugier in seinem Buch Ins Glück stolpern. Suche dein Glück nicht, dann findet es dich von selbst. Letzten Endes sei es nicht die Sicherheit unseres familiären Umfelds, die uns glücklich mache. Auch nicht erreichte Ziele, für die wir gekämpft haben. "Es sind viel mehr Überraschungen, Erfahrungen, Herausforderungen, Entdeckungen und unerwartete Gelegenheiten zum Lernen. Neugier kann uns zu all dem hinführen", sagt Gilbert.

Blume

Und der Psychologe Todd Kashdan stellte in Studien fest, dass Menschen, die ihre offene Haltung verlieren, eher zu Suchtverhalten neigen, weil sie sich alternativ mit viel Essen oder Alkohol anregen. Dass Neugier nicht nur Freude macht, sondern sogar Hochgefühle auslöst, hat damit zu tun, dass durch neue Eindrücke und Erfahrungen die Dopaminausschüttung im Gehirn angekurbelt wird. Dieser oft als Glückshormon bezeichnete Stoff ist auch der Grund, warum wir immer wieder nach neuen Eindrücken suchen.

Fernglas Neugierig bleiben
Fragen stellen, etwas Neues lernen, umdenken: So wecken wir unsere Neugierde

Andererseits: Sobald wir aufhören, uns zu interessieren, verselbst­ständigt sich auch diese Haltung schnell. So habe ich es auch schon einige Male erlebt. Zuerst genieße ich die Ruhe und das Für­-mich­-Sein sehr. Doch irgend­wann kommt der Punkt, wo ich auf der Stelle trete, keinen rechten Elan mehr habe. Mit der Neugier geht dann auch die Lebendigkeit flöten. So wie neulich, als ich auf dem Sofa lag und nicht einmal mehr Lust hatte, eine neue Schallplatte zu hören. Es ist also schon eine wichtige Frage, wie wir unsere Neugier immer mal wieder antriggern können.

 

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Text (gekürzt): Chris Muyres, Anne Otto

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