Titel Das Leben neu denken

Jetzt ist ein passender Zeitpunkt, um den festgefahrenen Alltag anders zu gestalten. Um uns zu fragen: Was wollen wir eigentlich? Wie wollen wir leben? Ein guter Ratgeber dabei: die innere Stimme. Elke Polomski möchte wissen, wie man lernt, ihr mehr zu vertrauen
Das Leben neu denken

Dieser Text ist im Provisorium entstanden, im Kinderzimmer meiner Tochter, wo jetzt mein Schreibtisch steht. Ausgepackte Kartons stehen in der Ecke, die Stofftiere kuscheln sich in einer Box zusammen, ausrangierte Teenie-Kleidung und Bücher stapeln sich in Haufen. Spenden, verschenken, verkaufen. Der Raum ist halb fertig, aber komischerweise macht mir das nichts aus. Andere beginnen sofort nach dem Auszug ihrer Kinder, die leeren Zimmer auszuräumen, zu streichen, neu einzurichten. Es entsteht ein Raum, der nicht mehr an die ehemaligen Mitbewohner erinnert, die zu einem neuen Leben aufgebrochen sind. Ich habe beschlossen, mir Zeit zu lassen. Und mich in aller Ruhe zu fragen: Was möchte ich behalten? Was kann weg? Was ist mir wichtig?

Lernen, sich zu vertrauen

Diese Fragen haben sich im vergangenen Jahr viele gestellt. Oft ging es dabei im Kern um etwas Wesentliches: nämlich darum, wie man eigentlich wirklich leben möchte. Ich erinnere mich, wie mein Vater mich vor ein paar Jahren fragte: Was willst du? Ich konnte die Frage nicht beantworten. Mir fiel nichts ein. Zwischen Beruf, Familie und Haushalt hatte ich den Kontakt zu mir selbst verloren. Dieses „Funktionierenmüssen“ klappte lange Zeit ganz gut, doch dann landete ich in einem Job, der nicht zu mir passte und der das Tempo noch mal erhöhte. Ich merkte rasch: So möchte ich nicht weitermachen. Wie es anders gehen sollte, konnte ich mir aber auch nicht vorstellen. Ehrlicherweise kamen mir die letzten Monate, in denen sich für viele von uns das Leben deutlich verlangsamte, da ganz gelegen. Denn dieser erzwungene äußere Stillstand führte zu mehr Bewegung in meinem Inneren, setzte neue Impulse. Jetzt bin ich bereit, in mir selbst zu graben und zu schauen, was dort auftaucht. Vorfreude und Neugier sind schon mal da. Aber weil ich mich in einer Umbruchssituation befinde, auch Unsicherheit und Angst.

 

„Stille ist ein Freiraum.  
Und wir müssen uns diese  
Freiräume schaffen,  
um dorthin zu gelangen.“ 

 Melanie Wolfers, ehemalige Seelsorgerin 

 

„Ängste sind eine normale Reaktion und wichtige Gefühle. Man muss nur aufpassen, dass die Angst nicht zu groß und übermächtig wird“, sagt die Theologin, Philosophin und bekannte Referentin Melanie Wolfers. In ihrem Bestseller Entscheide dich und lebe! beschäftigt sich Wolfers, die lange in der Seelsorge tätig war, mit dem Vermögen, das eigene Leben bewusst zu gestalten. Das gelingt unter anderem dann, wenn man lernt, Entscheidungen zu treffen, auch wenn man nicht weiß, wie sie sich auswirken. Denn: „Entscheiden bedeutet: Ich finde den Mut, mich ins Ungewisse zu wagen“, so Wolfers. Eine Technik, diese Fähigkeit zu schulen, ist für sie die positive Rückkopplung – also die Erfahrung, dass die meisten Entscheidungen, die man trifft, am Ende auch immer die richtigen sind. 

 

Ihr möchtet wissen, wie es weitergeht? Den vollständigen Artikel lest ihr in der Hygge No. 22.