Natur Manche Vögel sind noch da...

... etwa Meise, Drossel oder Spatz. Mit ein wenig Hilfe unsererseits wird die Winterzeit auch für die Daheimgebliebenen ein Fest!
Vogelspuren im Schnee

Nicht alle treten die Reise gen Süden an: Einige Vögel freuen sich im Winter über unsere Hilfe

Ganz zaghaft kommt die kleine Kohlmeise angeflogen. Trippelt erst ein wenig auf dem Balkongeländer herum, bis sie es wagt, mit einem Satz zur Futterkugel an der Fensterscheibe hinüberzu­fliegen und sich über die Erdnusskerne darin herzumachen. Kurz darauf kommt die nächste herbei. An machen Tagen ist vor dem Fenster so viel los wie an einem Adventssamstag in der Innenstadt. Wer im Garten oder auf dem Balkon eine Futterstation hat, braucht kein Netflix mehr, denn das ist bestes Vogelkino. Hier wird sich mit Blicken duelliert, ge­balzt, ein kleiner Schnack gehalten und – es wird richtig viel gegessen. Das ist im Winter besonders wichtig, denn Schwanzmeise, Heckenbraunelle, Amsel oder Sperling brauchen jede Menge Energie, um der Kälte zu trotzen.

Jed' Krümchen nehmen wir voll Dank, und sind an Zwitschern und Gesang dereinst in holder Sommerzeit zu jedem Gegendienst bereit.

aus: "Winterliche Spatzen-Bitte" von Richard Schmidt-Cabanis, deutscher Schauspieler und Schriftsteller

Dabei ist es für viele Vögel – nicht nur in der kalten Jahreszeit – gar nicht mehr so leicht, richtig satt zu werden. Das liegt zum einen daran, dass vor allem in Städten immer mehr Grünflächen wegfallen und viele Gärten und Balkone häufig nur noch zweckmäßig bepflanzt werden, statt etwa mit Stauden und Kräutern, die Insekten anlocken; zum anderen verschwinden mehr und mehr Insekten durch die Pestizide, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Deswegen raten viele Vogelexperten mittlerweile dazu, das ganze Jahr zuzufüttern.

Vögel füttern hat Tradition

Im 20. Jahrhundert begann übrigens in Deutschland die Liebe zur Vogelfütterung, aber die Profis darin sind bis heute die Briten. Dort hat der Vogelschutz eine lange Tradition, genauso wie das Beobachten und Bestimmen von Vögeln. Klingt erst mal langweilig, ist aber alles andere als das: Denn wer einmal anfängt, den kleinen gefie­­­derten Gästen vor der Haustür Essen anzubieten, kann sich bald selbst daran nicht mehr sattsehen.

Futterhäuschen

Vogelhäuschen gibt es in zahlreichen Varianten – sind jedoch recht pflegeintensiv

Ein Futterhäuschen sieht zwar oft hübsch aus und bietet den Vögeln auch Schutz vor Regen und Wind, allerdings ist es auch ziemlich pflegeintensiv. Einmal im Monat sollte man so ein Vogelhaus nämlich schon gründlich saubermachen, Kotreste auskratzen und mit heißem Wasser ausspülen. Aber bitte nicht desinfizieren! Der Hausputz wird übrigens leichter, wenn man den Boden mit Papier auslegt.

Kleine Meise, kleine Meise, sag, wo kommst du denn her/
Suchte Futter, suchter Futter, aber alles war leer.

aus: "Die kleine Meise", ostdeutsches Kinderlied

Richtig füttern im Winter

Kolbenhirse kennt man eigentlich eher als Vogelfutter für Ziervögel wie Wellensittiche, doch auch wild lebende Vögel knabbern gern daran. Ihr Favorit: Rothirse.

Kolbenhirse für Wildvögel

Fettfutter, als Knödel, Ringe oder Futterzapfen, liefert allen Vögeln ordentlich Energie – und die benötigen sie ganzjährig. Manche bevorzugen Haferflocken oder Rosinen darin, andere Nüsse und Kerne. Fettfutter kann man leicht selbst herstellen: Rindertalg oder Kokosfett erhitzen, bis es flüssig wird. Dann die doppelte Menge Kerne, getrocknete Beeren, Haferflocken und Weizenkleie dazugeben und zu einem Brei verrühren. Den in Zapfen, leere Kokosnüsse, Ausstecher streichen, fest werden lassen und aufhängen.

Einige Vogelarten wie Amseln fliegen ungern zum Fressen hoch, weswegen man ihnen unbedingt eine Futterstelle in Bodennähe anbieten sollte. Dafür eignen sich etwa eine flache Schale aus Ton oder ein Brett mit einer leichten Vertiefung. Diese müssen auch nicht zwingend bedacht sein. Sollte das Futter durch Regen und Schnee mal nass werden, ist das kein Problem. Hauptsache, es schimmelt nicht. Manche Vögel mögen feuchte Samen, die zu keimen beginnen, besonders gern. Futterstelle über Nacht aber unbedingt ins Haus stellen.

Ein Futtersilo wie dieses hat den Vorteil, dass die Nahrung nicht verdreckt, da sich die Vögel nicht draufsetzen kön­­nen und dazu nur die Menge nachrutscht, für die auch Bedarf besteht. Außerdem fällt bei einem Silohäuschen wie diesem kein Abfall wie leere Schalen auf den Boden, der möglicherweise Ratten anlockt. Stattdessen sammelt sich alles in einer Art Rinne. Lust auf Vogelkino? Dann am besten zu Hause eine durchsichtige Futterkugel mit Saugnapf an der Fensterscheibe anbringen, erhältlich bei vogeltreff24.de

Drosseln, Stare oder auch mancher Grünspecht fressen auch im Winter gern Obst. Deshalb den Apfel- oder Birnbaum im Herbst nicht ganz abernten, sondern ein paar Früchte hängen lassen oder aber einfach am Obststiel ein festes Band anbringen und damit Äpfel an Zweigen und Ästen befestigen. So können die Vögel dort in Ruhe die Früchte abknabbern. Übrigens sollte man Vögel nicht nur Nahrung, sondern auch eine Wasser­­stelle anbieten – falls möglich. Die sollte wie alle Futterstellen regelmäßig gereinigt werden.

Lesen

Der Ornithologe und ehemalige Leiter der Vogelwarte Radolfzell, Professor Dr. Peter Berthold, ist ein großer Verfechter der Vogelfütterung und meint: "In unserer weit heruntergewirtschafteten Natur ist jede Art von Fütterung Artenschutz." Mehr zu dem Thema und viele nützliche Tipps erfährt man in seinem Buch "Vögel füttern – aber richtig" (Kosmos-Verlag).