Zusammen Komm, wir feiern ein Straßenfest

Ein Fest unter Nachbarn, das klingt nach Kindern, Kuchen und Dorf. Johanna hat es in Hamburg ausprobiert – und erlebte viel mehr als nur einen schönen Nachmittag.
Komm, wir feiern ein Straßenfest!

Die Initiatorin: Johanna beim Crêpe-Backen

An meinem improvisierten Crêpe-Stand hat sich eine Schlange gebildet, ich komme kaum nach. Und doch fühle ich mich nicht gestresst, denn das hier ist auch mein Fest. Ich habe es initiiert und mit organisiert. Während ich die Crêpes wende, unterhalte ich mich mit den Wartenden. Viele kenne ich, aber ich sehe auch neue Gesichter: Alle aus meiner Straße. Und heute bietet sich endlich die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen.

Wenig Aufwand, ganz viel Spaß

Vor mir malt ein Mädchen mit der Kreide, die ich aus Speisestärke, Lebensmittelfarbe und Wasser angerührt habe, auf dem Pflaster. Ein Stück weiter stehen Flohmarktstände und die Kleidertausch­börse meiner Nachbarin Isis. Etwas weiter sitzt  Domi­ni­que in seinem selbst gebastelten Zeichen­automaten. Er schaut durch ein Guckloch und fertigt ein Porträt von demjenigen an, der auf dem Stuhl davor Platz genommen hat. Das Bild schiebt er dann durch einen Schlitz hinaus – wie bei einem Passbild-Automaten. Seine Box kommt so gut an, dass Dominique vier Stunden am Stück zeichnet. „Das einzige, was ich vergessen hatte, war ein ,Pause‘-Schild zu malen“, sagt er später und lacht.

Flohmarkt, Zeichen-Automat und Kleidertausch auf dem Straßenfest

Über Kleidertausch, Flohmarkt und Zeichenautomat freut sich die ganze Familie

Dominique gehört zu der kleinen Gruppe, die dieses Fest organisiert hat. Wir alle wohnen im Hamburger Stadtteil Hamm, in einer Sackgasse mit etwa 40 Mehrfamilienhäusern. Jedes Jahr im Winter organisiert ein Nachbarhaus ein Glühweintrinken. Das ist immer so nett, dass ich die Idee hatte, eine Sommer-Variante auf die Beine zu stellen. Alle sind gleich dabei. Das Ganze ist dann erstaunlich unkompliziert: Drei Treffen in drei Wochen genügen, um Ideen zu sammeln. Den Plan, die Straße sperren zu lassen, gebe ich schnell auf, zu viel Bürokratie, zu viele Auflagen. Es geht auch so, weil wir die Stände nur in den Vorgärten auf­bauen und viele ihre Autos woanders abgestellt haben, damit wir die Parkbuchten nutzen können. Um den Aufwand gering zu halten, nehmen wir unsere eigenen Gartenmöbel und verzichten auf Geschirr: Die Crêpes serviere ich auf Servietten. Außerdem hänge ich einen selbst gestalteten Flyer an alle Haustüren. Die meisten sind begeistert und machen spontan mit. Ein Pärchen verlegt sein Mittagessen kurzerhand auf die Straße. Vielleicht eine Idee für das nächste Mal: eine lange Tafel, an der alle gemeinsam essen.

Etwas hat sich verändert in unserer Straße

Wir feiern ein richtiges Straßenfest, aber weniger kommerziell als sonst üblich. An den Essensständen gibt es lediglich eine Spendenbox, um die Aus­gaben zu decken. Wir wollen nur eine gute Zeit miteinander verbringen, Kontakte knüpfen.

Ich plaudere mit Leuten, die ich bisher nicht oder nur vom Sehen kannte und habe plötzlich Namen zu den Gesichtern in unserer Nachbarschaft. Das Fest hat etwas verändert: Es ist persönlicher geworden bei uns in der Straße.

Johanna

Ich plaudere mit Leuten, die ich bisher nur vom Sehen oder gar nicht kannte und habe plötzlich Namen zu den Gesichtern in meiner Nachbarschaft. Ein paar Wochen später merke ich, dass sich etwas nachhaltig verändert hat. Wenn ich von der Arbeit komme, grüße ich meine Nachbarn nicht nur. Wann immer ich Zeit habe, frage ich auch, wie es ihnen geht, unterhalte mich ein wenig. Es ist persönlicher geworden bei uns in der Straße – und das mitten in der angeblich so anonymen Großstadt.

Selbst ein Fest organisieren

Die rechtliche Seite Wer ein Nachbarschaftsfest organisiert, er­kundigt sich am besten vier bis sechs Wochen vor dem geplanten Termin bei seiner Stadt oder Gemeinde, welche Regelungen gelten und ob Anträge gestellt werden müssen.
Die Straße sperren lassen Dafür in jedem Fall vorab einen oder mehrere Anträge stellen, denn da haben Polizei, Feuer­wehr und Ord­nungsamt mitzureden. Auch wenn man nur den Gehweg nutzen will – vorab klären, ob das ohne Genehmigung möglich ist.
Bänke und Tische mieten Viele Getränkemärkte und Eventagenturen ver­leihen Biergartenmöbel schon für wenige Euro am Tag, Angebote etwa bei eBay-Kleinanzeigen.

Bunte Wimpel wehen im Baum

Bis zum nächsten Mal!