Essay Wie wollen wir wohnen?

Viele von uns verspüren eine Sehnsucht nach mehr Gemeinschaft. Gleichzeitig ist Wohnraum knapp und teuer. Autorin Christiane Würtenberger hat sich alternative Ideen fürs Zusammenleben angesehen und sich gefragt: Was passt eigentlich für mich?
Wie wollen wir wohnen?

Hinter den alten Fabrikfenstern stehen Blumen­töpfe. Überall parken Räder, die Treppen sind mit Pflanzenkübeln geschmückt. Am Wasser spielen Kinder. Dort steht auch ein selbst gezimmerter Tisch mit Bänken, an dem ein paar Bewohner zusammensitzen. Im Gemüsegarten ernten zwei Frauen Tomaten, Kürbisse wuchern durch die Beete, in denen auch Blumen blühen. „Als unsere Wohnung in Kreuzberg zu klein wurde, weil das dritte Kind kam“, erzählt Wenke, „da war uns klar: Auf keinen Fall wollten wir monatelang bei Wohnungsbesichtigungen mit anderen Schlange stehen.“ Wir sitzen in ihrer gemütlichen Wohn­küche in Werder (Havel) und schauen durch die Fenster auf den Großen Zernsee. Die ehemalige Lagerhalle, in der Wenke jetzt eine Wohnung hat, ist mit Strohballen gedämmt und mit Lehm verputzt – so können die Wände atmen. Etwa 100 Er­wachsene und 60 Kinder leben hier vor den Toren Berlins zusammen, auf einem ehemaligen Fabrik­gelände, das jetzt der Genossenschaft Uferwerk gehört – einem Wohnprojekt.

Spontan Nachbarn treffen

Ich finde es spannend, was Wenke erzählt, denn in letzter Zeit mache auch ich mir öfter Gedanken darüber, wie ich in den kommenden Jahren leben möchte. Mit meiner Familie wohne ich in einer kleinen Sackgasse mit Ein­- und Mehrfamilienhäu­sern in Potsdam. Wir fühlen uns dort sehr wohl, aber ich finde es schade, dass es ein Nachbarschafts­leben eigentlich nur im Sommer gibt, wenn man spontan auf der Straße oder über den Gartenzaun hinweg mit den anderen plaudern kann. Gleich­zeitig diskutiere ich mit meinem Mann, was wir mit dem vielen Platz machen, wenn die Kinder in ein paar Jahren ausziehen. Holen wir uns dann Freunde ins Haus? Oder probieren wir noch mal was ganz Neues?

35 % der Deutschen wünschen sich einen engeren Kontakt zu ihren Nachbarn.

Wenke jedenfalls hat damals mit einer Handvoll Bekannten ein Wohnprojekt ins Leben gerufen. Die Gruppe gründete eine Genossenschaft, suchte ein Grundstück – und wurde immer größer. „Ich kann nicht behaupten, dass ich schon immer so was machen wollte“, meint Wenke, die während der Bauzeit Vorstandsmitglied der Genossenschaft war, „aber als es konkret wurde, hatte ich Lust, als Gruppe etwas zu erschaffen.“ Und Marie, die mit ihrer Familie später zum Projekt stieß, ergänzt: „Ich empfinde das als großen Reichtum – wir kön­nen noch so viel gemeinsam ausprobieren, eine Sauna bauen oder ein Café eröffnen. Bei 160 Leuten lohnt sich vieles.“ Marie stemmt die Tür zu einem Schuppen am Ufer auf. Dort könnte später einmal ein gemütlicher Raum entstehen, in dem Veran­staltungen ebenso möglich sind wie ein Café oder nette Abende unter Nachbarn.

Ihr möchtet wissen, wie es weitergeht? Den vollständigen Artikel findet ihr in der aktuellen Ausgabe von HYGGE No. 11.