Titel Wie teilen uns verbindet

Einen Garten, ein Auto oder Werkzeug gemeinsam zu nutzen, ist nicht nur praktisch und nachhaltig. Es beschert uns auch ganz neue Kontakte. Autorin Christiane Stella Bongertz hat sich den Trend zum Sharing noch einmal genauer angesehen.
Gemeinsames Essen

Nachbarn oder Freunde einladen und ein gemeinsames Essen veranstalten, bei dem jeder etwas mitbringt: So einfach fördert Sharing das Zusammensein.

Der leichte Wind lässt Sonnenflecken auf dem Waldboden tanzen. Es duftet nach Laub, irgendwo zetert eine Amsel im Gebüsch. Vielleicht hat sie das alte Christiania-Lastenfahrrad erschreckt, mit dem mein Mann Joakim vor mir über den Weg rumpelt und aus dem mir unsere Tochter energisch zuwinkt, damit ich nicht den Anschluss verpasse: „Komm, Mami! Schneller!“ Ich muss grinsen.
Über ihre Ungeduld – und weil ich mich freue, dass aus unserem Sonntagsausflug doch noch etwas geworden ist. Ohne das Lastenrad, das unser Nachbar Markus zur freien Nutzung für alle in unseren gemeinsamen Innenhof gestellt hat,
hätten wir wohl passen müssen, als heute früh die
Kette an Joakims Rad abgesprungen ist. So stand die Alternative schon bereit.

Es geht um den Zugang zu Dingen, wenn sie gebraucht werden, nicht um Besitz.

Dominika Wruk, Wirtschaftswissenschaftlerin und Leiterin
des Forschungsprojekts „i-share“

Als wir einzogen in unsere Wohnung im schwedischen Helsingborg, waren uns die Nachbarn noch genauso fern, wie ich es aus Essen, Köln und Hamburg kenne. Zwar gibt es hier, wie in schwedischen Städten üblich, einen lauschigen geteilten Innenhof mit Sitzecken und Blumenbeeten. „Geteilt“ war anfangs allerdings ein eher theoretisches Attribut. Sobald jemand draußen war, verzog sich der Nächste in den am weitesten davon entfernten Winkel. Mehr als ein „Hej“ wurde selten ausgetauscht. Doch so vor fünf, sechs Jahren begann sich etwas zu verändern. Das war, als Carina – eine Künstlerin, die hier schon als Hippie-Teenie in den Sechzigern gelebt hat – die Idee mit den Pflanzkübeln hatte. Dort hinein setzte sie Kräuter, in anderen Beeten wichen Zierbüsche Zucchini- und Quittenpflanzen. Ernten und Unkraut jäten durften ausdrücklich alle.

Sehnsucht nach Gemeinschaft

Einige Monate später zogen neue Nachbarn ins Karree, Anna und David. Inspiriert von Carinas Vorstoß pflanzten sie Tomaten in ein Hochbeet. Und ergriffen die Initiative, den alten Gemeinschaftsgartenmöbeln einen neuen Anstrich zu verpassen. Als die beiden an einem sonnigen Tag gut gelaunt die Pinsel im Hof schwangen, ging es ein bisschen zu wie in Mark Twains Geschichte, in der Tom Sawyer einen Zaun streicht und alle Vorbeigehenden Lust bekommen, mitzumachen: Mein Mann fegte die Wege, eine Nachbarin kramte Salatsaat aus der Küchenschublade und bestellte das nächste Beet, ich kochte Kaffee und stellte ihn mit vielen Tassen nach draußen. Es war, als hätte unter der Oberfläche eine Sehnsucht nach Gemeinsamkeit geschlummert, die nur darauf gewartet hat, ein Ventil zu finden.

Ihr möchtet wissen, wie es weitergeht? Den vollständigen Artikel findet ihr in der aktuellen Ausgabe von HYGGE No. 14