Zusammen sind wir stärker

Unsere Welt hat sich gerade völlig verändert. Von jetzt auf gleich mussten wir mit einem neuen Alltag klarkommen sowie mit plötzlichen Ängsten und fehlender Nähe. Wie gehen wir damit am besten um? Und: Dürfen wir in diesen herausfordernden Zeiten auch Chancen sehen?
Zusammen sind wir stärker

Menschen verabreden sich zu Balkonkonzerten, weil sie nicht vor die Tür dürfen. Der Pianist Igor Levit spielt abends auf Twitter live von zu Hause aus Klavier, weil keiner ins Konzert gehen kann. Und die Influencerin Louisa Dellert organisiert auf Instagram Live-Talks mit interessanten Frauen. Aus der Not heraus entstand in den letzten Wochen eine ganz neue Online-Kultur. In einer Zeit, in der wir alle gemerkt haben, dass unser Leben nicht so planbar ist, wie wir uns das wünschen. Dass vieles, was uns bis vor Kurzem selbstverständlich erschien, unsicher geworden ist: unsere Bewegungsfreiheit, unsere Gesundheit, unser Einkommen, das Zusammensein mit Freunden – unser ganzer geregelter Alltag. Dafür war da plötzlich mehr Zeit für unsere Familie. Oder wir mussten als Singles lernen, unser Alleinsein auszuhalten.

Wir rücken zusammen – trotz der Distanz

Zusammen sind wir stärker

Auch diese Titelgeschichte war natürlich nicht so geplant. Ursprünglich sollte es um Spontaneität und die Gunst des Augenblicks gehen. Aber jetzt befinden wir uns plötzlich alle in einer Situation, in der wir flexibel und offen für Neues sein müssen – ob wir es mögen oder nicht. Wie die Lage sein wird, wenn dieses Heft erscheint, wissen wir nicht. Einstweilen versuchen wir, unseren Alltag mit den Kindern zu Hause gut zu meistern. Viele Selbstständige und Firmenchefs bangen, wie es finanziell weitergeht. Wir haben das Telefonieren wieder­entdeckt, aus der Not heraus – und weil plötzlich alle abends Zeit haben, auch Freunde, die weit weg wohnen. Wir suchen Kontakt, um uns über unsere Ängste auszutauschen oder ein paar der Schrecken gemeinsam für eine Weile wegzulachen. Auch das hilft. Ich finde: Wir dürfen die Krise nicht kleinreden, aber es ist erlaubt,  auch die wenigen positiven Veränderungen zu registrieren und zu genießen: dass wir vielerorts zusammenrücken trotz der räumlichen Distanz. Und dass die Welt leiser geworden ist, auch im übertragenen Sinne.

„Nicht jeder von uns wird nachholen können, was er oder sie dieses Jahr vorhatte, weil das Leben von hier aus andere Wege geht.“ - Natalie Knapp, Philosophin

Der Unterschied zu anderen Krisen ist ja, dass diese hier uns alle trifft. Wir können zum Beispiel gerade gut von Menschen lernen, die schon schwierige persönliche Lebensphasen meistern mussten. Eine Kollegin erzählte mir jetzt noch einmal, wie es ihr vor ein paar Jahren ging, als sie mit Mitte 40 plötzlich Krebs bekam: „So eine Diagnose wirft dich von jetzt auf gleich auf dich selbst zurück, und es geht erst einmal darum, die Situation irgendwie zu verstehen.“ Sie berichtet von dem Gefühl der Überforderung und dass man erst nach einer Weile merkt: Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als die Lage anzunehmen und die Dinge zu tun, die jetzt wichtig und möglich sind. Ihr Rat, auch für Corona-Zeiten: die eigene Situation nüchtern zu analysieren und sich zu fragen, wie man gut durch so eine Zeit kommt. Was muss getan werden? Was und wer kann mir jetzt guttun? Aber auch: Wie kann ich anderen helfen? Dieser Schritt aus der Passivität heraus führt dazu, dass wir uns weniger ausgeliefert fühlen. „Wenn man das macht“, erzählt die Kollegin, „dann merkt man, wie stark man eigentlich ist, dann entwickelt man eine enorme Widerstandskraft.“ Und man kann der Situation, in der man steckt, auch das eine oder andere Gute abgewinnen. Meine Kollegin verbrachte zum Beispiel plötzlich mehr Zeit mit ihren Kindern, weil sie nicht arbeiten konnte. „Das habe ich trotz allem als Geschenk empfunden.“  

Ihr möchtet wissen, wie es weitergeht? Den vollständigen Artikel lest ihr in der Hygge No. 18.