Connys Rezept der Woche Genuss statt Verzicht: Wir sollten essen, was uns glücklich macht

Essen, das der Seele guttut – so beschreibt Conny Wagner, wie sie kulinarisch tickt. Denn sie ist überzeugt: Ernährung ist eine sehr emotionale Angelegenheit. Was wir essen, hat einen großen Effekt auf unsere Stimmung.
Conny, Rezepte

Es gibt ja diese Menschen, die fangen an, über Essen zu sprechen und ihre Augen beginnen sofort zu leuchten. Conny Wagner ist so ein Mensch. Sie kommt aus Franken und ist hauptberuflich Mitgründerin und Geschäftsführerin einer Agentur für strategische und kreative Markenberatung. Zum Kochen kam sie während ihrer Studienzeit in Berlin. Heute lebt sie in Hamburg, und kreative Küchenexperimente sind aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Auf ihrem Blog Seelenschmeichelei lässt sie Kochinteressierte an ihren farbenfrohen, wunderbar vielseitigen Rezepten teilhaben. Ihre liebsten Kreationen hat sie in ihrem gleichnamigen Kochbuch gesammelt. Dass sie selbst eine “gelernte Genießerin” ist, wie sie sagt, sieht man jeder Seite des Kochbuchs an.

 

Living at Home: Conny, du schreibst in deinem Buch, wir sprächen zu viel über Verzicht und zu wenig über Geschmack. Wie muss Essen für dich sein, damit es Freude macht? 

 

Conny Wagner: Freude beim Essen bedeutet für mich, dass man sich mit Genuss ernährt. Und mit Verstand. Ich möchte mich nicht damit beschäftigen, was ich nicht essen kann oder will, sondern frage mich lieber: Welches Essen tut meiner Seele gut? Daraus ergibt sich automatisch auch, dass es meinem Körper guttut. Ich meine: Wie viel Spaß am Leben kann ich haben, wenn ich mich spaßfrei ernähre?  

 

Wie beeinflusst Essen unsere Psyche? 

 

Da muss man sich nur selbst beobachten: Wenn wir abends auf dem Sofa in ein Stück Schokolade beißen oder an einem heißen Sommertag in ein Stück Wassermelone, schüttet der Körper Glückshormone aus. Oder wenn wir etwas essen, das Erinnerungen an die Kindheit weckt, spüren wir ein tröstendes Gefühl. Nüsse und Hülsenfrüchte beispielsweise enthalten den Stoff Tryptophan, der vom Körper in das Glückshormon Serotonin umgewandelt wird. Was wir essen, hat also einen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt und damit auch auf unsere Stimmung.  

 

Ernährung ist zum Lifestyle geworden, über den sich viele Menschen definieren. Das nimmt teils dogmatische Züge an. Wie bewertest du diese Entwicklung? 

Ich würde sogar sagen, dass Ernährung nicht nur ein Lifestyle ist. Ernährung ist zur Religion geworden. Ich glaube, dass es für viele Menschen eine der noch wenigen verbleibenden Möglichkeiten ist, sich abzugrenzen. Über die Ernährungsweise signalisieren Menschen, wie sie zu bestimmten Themen stehen, welcher Community sie angehören. Jeder soll so essen, wie er es für richtig hält. Schwierig wird es dann, wenn man die anderen missionieren will. Manchmal habe ich den Eindruck, Ernährung ist einer Art modernen Pranger geworden.

 

Genuss statt Verzicht: Wir sollten essen, was uns glücklich macht
Conny Wagner

Deine Küche schließt keine Lebensmittel aus, du kochst mit Fleisch genauso wie mit Fisch und Milchprodukten. Wie gehst du als leidenschaftliche Köchin damit um, dass immer mehr Menschen auf bestimmtes Essen verzichten? 

 

Ich probiere gerne aus und bin allem gegenüber erstmal aufgeschlossen. Sobald du Gäste zuhause hast, musst du dich ohnehin mit Vorlieben auseinandersetzen. Früher konntest du bedenkenlos einen Topf Spaghetti Bolognese auf den Tisch stellen, das geht ja heute gar nicht mehr. Bei allem reflektiertem Umgang mit Essen sollten wir uns bewusst machen, dass Ernährung ein Teil des Lebens ist, nicht DAS Leben. Oft wünsche ich mir ein etwas weniger Verbissenheit und mehr Akzeptanz für das, was die anderen machen. Kein Mensch ist schlechter, weil er mal eine Tütensuppe oder ein Steak isst. 


Stichwort Steak. Die Kapitel in deinem Kochbuch sind nach Stimmungen sortiert. Im Kapitel Mut finden sich auch eher ungewöhnliche Rezepte mit Knochen, Kalbsbries und Rinderherz. Warum kochst du mit dem, was andere wegwerfen würden? 

 

Wenn man Tiere als Lebensmittel sieht, finde ich es richtig, möglichst viel von dem Tier zu essen und nicht nur Filet oder Brust. Im Sinne des Tierwohls ist das das einzig Richtige, denn oft werden zum Beispiel Hühner extra so gezüchtet und gefüttert, dass sie fast nur noch aus Brust bestehen und gar nicht mehr aufrecht stehen können. Und es geht auch um einen sorgsamen Umgang mit den Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen. 

Dieser Ansatz hat ja mit Nose to Tail (von Kopf bis Schwanz, Anm.d.Red.) einen neuen Namen, die Idee ist aber nicht neu. Die Generation unserer Großeltern hat schon immer versucht, möglichst große Teile des Tieres zu verwerten.  

 

Oft ist es nicht leicht, im vollgepackten Alltag auf eine ausgewogene und noch dazu ressourcensparende Ernährung zu achten. Hast du Tipps, wie das gelingen kann? 

 

Ich finde es hilfreich, Pläne zu machen. Ich überlege mir einmal die Woche, was ich die kommenden Tage kochen möchte und erstelle eine Einkaufsliste, die ich mit auf den Markt nehme. Ein Wochenplan entspannt mich, weil ich dann nicht jeden Abend aufs Neue überlegen muss, was auf den Tisch kommen soll. Super finde ich auch Meal Prep, also Essen, das man vorbereiten kann. Seien es Gerichte, die beim Aufwärmen sogar besser werden wie orientalische Linsensuppen oder Gulasch oder Einzel-Komponenten, die man verschieden kombinieren kann. Hummus zum Beispiel lässt sich prima in allen möglichen Variationen essen: als Topping im Salat, auf Fladenbrot oder mit Hühnchen. Und Bowls sind super, wenn man nicht viel Zeit hat oder keine Lust, lange in der Küche zu stehen. Einfach am Anfang der Woche einen Topf Quinoa oder Reis kochen und dann unterschiedlich kombinieren, zum Beispiel mit Gemüse, Obst, Nussmus oder Saaten.  

Cover Seelenschmeichelei

 

Conny hat eine Auswahl ihrer Rezepte in ihrem Kochbuch "Seelenschmeichelei" zusammengestellt. Noch mehr Rezeptideen gibt es auf ihrem Blog seelenschmeichelei.de. Auf livingathome.de teilt Conny jede Woche eines ihrer Lieblingsrezepte. Die Übersicht finden Sie hier

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