Unterwegs Wo geht es zu den Frühblühern?

Von Krokus bis Wollgras: Schon im Frühling locken sie in blühende Landschaften – auf unseren Spaziergängen, Wanderungen und Exkursionen.
Blühender Krokus

Mit Bohrmaschine und Solarsteuerung...

Manchmal spitzelt er selbst in den Alpen schon im März aus dem Schnee: der Frühlingskrokus. In Parks und Gärten ist er bereits früher und recht häufig zu sehen, doch seine Wildform (Crocus vernus) ist auf den Bergwiesen selten geworden. Umso mehr freut man sich über die violetten Teppiche auf den gut durchfeuchteten Frühjahrsböden der Mittenwalder Buckelwiesen, aber es gefällt dem Schwertliliengewächs zum Beispiel auch im Teinachtal im nördlichen Schwarzwald oder auf dem Hündle bei Oberstaufen im Allgäu. Um die Schneedecke zu durchstoßen, haben die Blätter des Krokus eine Art Bohrspitze aus verdickten Zellen.

Dass der Krokus bereits während und umso mehr nach der Schneeschmelze derart losgeht, dass große Flächen plötzlich vollkommen von lila Blüten bedeckt sind, ermöglichen ihm die Zwiebeln, in denen er die entsprechenden Nährstoffe speichert. Außerdem hat der Krokus einen Trick, um nicht von den im kalten Frühjahr oft seltenen Insekten abhängig zu sein: Er bestäubt sich selbst, was durch ein häufiges Schließen der Blüten unterstützt wird. Übrigens von Licht und Temperatur gesteuert: Eine Wolke zieht vorbei, und schon klappt die Blüte zu.

Tipp

Lila Blütenteppiche auf den Buckelwiesen

Die Wanderung von Mittenwald nach Krün und Wallgau führt nicht nur über die blühenden Buckelwiesen (Einkehr auf der Goas-Alm, www.goas-alm.de), sondern auch zur türkis-grünen Isar und bietet einen unvergleichlichen Panoramablick auf die umliegenden Gebirgszüge. Start ist im historischen Ortszentrum von Mittenwald, dann folgt man den Wegnummern 839, 400 und schließlich 800 – und erreicht nach etwa drei Stunden Wallgau. Der Oberbayernbus 9608 bringt Sie zurück. Weitere Infos: www.alpenwelt-karwendel.de. Hier können Sie auch den Newsletter bestellen, der verrät, wann genau die Krokusse blühen.

"Maischnee" über dem Genfer See

Plötzlich überraschte uns ein ungewöhnlicher, glücklicher, weißer Frühlingsduft“, schrieb der Dichter Leo Tolstoi über seinen Besuch bei den Narzissenwiesen von Les Avants oberhalb des schweizerischen Montreux. Ob die wunderschönen weißen Blüten mit der rot-gelben sogenannten Nebenkrone in der Mitte wohl deshalb auch „Dichternarzissen“ genannt werden? Jedenfalls war auch der Schriftsteller Ernest Hemingway angetan von den zarten und doch kraftvollen Pflanzen, die gleich nach der Schneeschmelze ihre schmalen Laubblätter aus dem Boden der Berghänge am Genfer See treiben und die in ihrer Zwiebel gespeicherte Energie für die frühe Blüte nutzen – manchmal schon im April, hauptsächlich aber im Mai.

In der Belle Époque waren die Narzissen fast schon das Symbol der Region Montreux Riviera – ein wichtiges Werbemittel waren sie allemal. Von 1897 bis 1957 beendete das prächtige Narzissenfest mit Blumenkorso und erstklassigen Vorstellungen jeweils die Tourismussaison in Montreux. Gut betuchte Winterkurgäste und Tagesbesucher nahmen dann Narzissen in Kartons mit nach Hause. Heute sind die Narzissen weniger geworden und stehen unter Schutz, doch die weiten weißen Wiesen oberhalb des Sees sind immer noch sehr eindrucksvoll. Auf öffentlichen Wiesen darf „ein Strauß pro Person“ gepflückt werden, doch empfiehlt es sich, zum Schutz der Pflanze die Sträuße bei heimischen Bauern zu kaufen.

Die Standseilbahn von Les Avants nach Sonloup

Die Standseilbahn von Les Avants nach Sonloup mit ihren alten Maschinen und Waggons zuckelt heute wie damals durch die Narzissenwiesen.

Tipp

Wanderung und Blühkalender

Ein gut markierter, den Narzissen gewidmeter Lehrpfad beginnt im Dorf Les Avants. Weitere ausgeschilderte Wege starten an den Bahnstationen von Les Pléiades, Glion und Mont-Pèlerin (www.goldenpass.ch). Wann die Blüte wo am schönsten ist, erfahren Sie auf www.narcisses.com (mit Blühkalender).
Eine weitere Narzissenregion ist die Gegend um Gruyère. Viele der Narzissenwiesen liegen am Weg der Grand Tour des Vanils im Naturpark Gruyère Pays-d’Enhaut. www.la-gruyere.ch

Murnauer Moos: Wo weiße Wattebäusche wogen

Wenn im April das Wollgras blüht, sieht das ganz anders aus, als man erwartet: Unscheinbare Ähren ragen aus den Moorwiesen – und wo sind die weißen, wolligen Büschel? Die gibt's erst ab Mai oder Juni zu sehen – denn das sind nicht die Blüten, sondern die Härchen der Samenstände.

Doch keine Sorge: Wer zu früh dran ist für die weißen Wattebäusche, den trösten im Murnauer Moos mit seinen über 800 Farn- und Blütenpflanzen etwa die schöne Arnika, die Gelbe Teichrose, die Gewöhnliche Moosbeere, das Glanzkraut, diverse Knabenkräuter, die Mehlprimel und viele andere. Schließlich haben wir es hier mit dem größten zusammenhängenden und weitgehend ursprünglichen Moorgebiet Mitteleuropas zu tun – und genau das weiß wiederum das Wollgras zu schätzen, das vor allem in torfmoosreichen Regenmoorgebieten vorkommt.

Wie viele andere Hochmoorpflanzen kann es gut mit seinen Nährstoffen haushalten: Diese werden, noch während sich der Samen bildet, in die Sprossbasis zurückgezogen. Dort wartet sie gut geschützt darauf, in der nächsten Vegetationsperiode wieder mobilisiert zu werden.

Mit dem Rückgang der Moore geht übrigens auch das Wollgras verloren. Wer es schützen möchte, verzichtet etwa auf Torfblumenerde.

Flauschig blühendes Wollgras

In verzauberter Moorlandschaft wächst das Wollgras.

Tipp

Der Moos-Rundweg im Blauen Land

Vom kleinen barocken Ramsachkircherl – auch Ähndl genannt – geht’s zunächst entlang der Bäche Ramsach und Lindach, immer mit wechselnden Eindrücken vom Moos und den nahen Bergen, um dann nach rechts auf einen Bohlensteig abzuzweigen. Mitten im Moos geben hier Info-Tafeln Einblicke in die Tier- und Pflanzenwelt. Weiter über den Murnauer Ortsteil Westried gelangt man zu einem schönen Höhenrücken mit tollen Ausblicken über das gesamte Moos und die Alpen. Nach insgesamt drei Stunden ist man wieder beim Kircherl und dem Gasthaus „Ähndl“ mit seinem schönen Biergarten. www.dasblaueland.de, www.aehndl.de