Wie wahrscheinlich sind weiße Weihnachten?

Wir alle wünschen uns für die Feiertage tief verschneite Wälder, dicke Schneemützen auf Bäumen und Zaunpfosten. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Wie die Chancen auf Schnee an Heiligabend stehen und warum das so ist, erklärt uns ein Experte.
Weiße Winterlandschaft in den Bergen

Gute Nachrichten für alle, die ihren Christbaum auf der Zugspitze oder wenigstens in Berchtesgaden oder Oberstdorf aufstellen werden: Denn dort ist es recht wahrscheinlich, dass an allen drei Feiertagen Schnee liegt – oder fällt und liegen bleibt. So beschreibt nämlich der Deutsche Wetterdienst weiße Weihnachten. „Wir haben das einmal definiert“, erklärt Pressesprecher Gerhard Lux. „Man braucht ja eine Definition, um überhaupt über solch ein Phänomen reden zu können.“

Jenseits der Höhenlagen der Bayerischen Alpen allerdings sind eher grüne Weihnachten das Übliche. „In der Regel fällt Mitte November der erste Schnee“, sagt Lux. Nach einer milderen Phase folgt dann im Dezember oftmals ein weiterer kurzer Kälteeinbruch, den häufig das sogenannte Weihnachtstauwetter ablöst. Dieses bringt von Westen oder Nordwesten feucht-milde Meeresluft nach Mitteleuropa. Oft regnet es dann, was für jede Schneedecke ein rasches Ende bedeutet. „Auf das Weihnachtstauwetter würde ich viel eher wetten als auf die Eisheiligen oder die Schafskälte“, so der Meteorologe. Solche Wetterlagen, die zu einer bestimmten Zeit im Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten, nennt man Singularität. Und die milde Witterung kurz vor den Feiertagen ist die Singularität mit der höchsten Trefferquote, so Gerhard Lux.

Beste Schnee-Chancen im Südosten

Stehen die Chancen auf weiße Weihnachten tatsächlich nur in den Alpen gut? „Nun, es gibt zwei Faktoren, die sich günstig auswirken“, weiß Lux. „Das ist einmal die sogenannte Kontinentalität, die von West nach Ost zunimmt, und dann die Höhe, die von Nord nach Süd steigt.“ Man kann also grob sagen, dass es auf Helgoland am unwahrscheinlichsten ist, Weihnachten im Schnee zu feiern, und Richtung Südosten die Chancen immer besser werden. Und wie sieht’s in den Mittelgebirgen aus? „Dort waren zumindest die höchsten Punkte wie etwa die Wasserkuppe in der Rhön oder das Hochsauerland bis vor einigen Jahrzehnten noch schneesicher“, berichtet der Meteorologe. Doch der Klimawandel habe die Schneegrenze im Mittel bereits um etwa 200 Meter ansteigen lassen. Und so steht es auch um Schwarzwald, Hunsrück und Bayerischen Wald nicht mehr so gut in Sachen weiße Weihnacht.

Doch sicher ist auch das nicht – „zumal Kälte nicht gleichzeitig Schnee bedeutet“, sagt der Experte. „Kaltluft aus Russland ist meist trocken, bringt also keine Niederschläge. Kommen die Luftmassen von der Nordsee, sieht es schon besser aus. Doch fällt der Schnee auf zu warmen Boden, ist er sofort wieder weg.“

Und ab wann können wir nun mit einer sicheren Prognose für dieses Jahr rechnen? „Sicher ist gar nix“, meint Gerhard Lux und lacht. „Wetter ist ein chaotischer Prozess, es gibt nur Annäherungen an die Wirklichkeit. Aber inzwischen haben wir bei Vorhersagen von 36 Stunden eine Trefferquote von 92 Prozent. Bei sieben Tagen sind es immerhin schon 75 Prozent.“

Und eigentlich sind Überraschungen ja auch was sehr Schönes ...