Was ist eigentlich Wetterleuchten?

Wir kennen das ferne Flackern am Himmel: Ist Wetterleuchten ein Gewitter? Aber wo sind dann Donner und Regen? Oder ist es etwas ganz anderes? Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst verrät es uns
Wetterleuchten

Der Tag war schwülheiß, schon am Nachmittag haben sich über den Bergen hohe Gewitterwolken aufgetürmt. In der Dämmerung zeigt es sich dann, das Wetterleuchten: ein gespenstisches Flackern in den Wolkentürmen am Horizont. „Wetterleuchten kommt von einem fernen Gewitter“, erklärt Gerhard Lux, Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. „Es ist so weit weg, dass man nur noch das Licht des Blitzes sieht, aber den Donner nicht mehr hören kann.“ Licht ist schließlich viel schneller und hat eine größere Reichweite als Schall, der sich auf der weiten Strecke verliert.

Aber warum sieht man die Blitze selbst nicht? „Die Wolken wirken hier wie ein Lampenschirm“, beschreibt Lux. „Der Schirm streut das Licht, sodass man die Glühbirne nicht sehen kann. Genauso streuen die Wolken das Licht des Blitzes.“ Ohnehin seien Blitze zwischen Wolken häufiger als Blitze, die sich zwischen Wolke und Erde entladen und die wir als klassische Blitze während eines Gewitters sehen. Und wie entstehen Blitze noch mal? Es fängt damit an, dass starke Sonneneinstrahlung Wasser verdunsten lässt und eine Menge feuchtwarmer Luft aufsteigt: So entsteht eine Gewitterwolke. Warme Luft steigt also auf, die Feuchtigkeit in der Luft wird zu Wassertröpfchen und die werden in der Wolke weiter nach oben gewirbelt. Zum Teil verwandeln sie sich in Schnee, Hagel oder Eis. Durch Auf- und Abbewegung und das Aneinanderreiben laden sie sich elektrisch auf. Durch Ansammlung positiver und negativer Ladungen innerhalb von Wolken oder zwischen benachbarten Wolken entsteht immer größere Spannung, die sich schließlich im Blitz entlädt.

Und wie weit entfernt ist ein Gewitter, das wir als Wetterleuchten sehen? „Nun, das hängt ganz von Ihrer Position ab“, erklärt der Meteorologe. „Mitten in der Stadt, zwischen Häusern und mit viel Fremdlicht sehen Sie ja nicht weit. Aber meine Kolleginnen und Kollegen, die etwa auf dem Brocken oder gar auf der Zugspitze Dienst haben, können schon mal ein Wetterleuchten in 100 Kilometer Entfernung beobachten.“