Biathlon im Selbstversuch

Biathlon? Ist doch nur was für Profis. „Falsch“, sagt Trainer Toni im Dorfstadion in Hochfilzen in Tirol. Hier in den Kitzbüheler Alpen kann jeder bei einem Schnupperkurs mitmachen, der Lust auf Langlaufen, Schießen und Nervenkitzel hat. Voraussetzungen: keine.
Land & Berge: Biathlon im Selbstversuch

Während ich versuche, meinen Skating-Schuh in den wackeligen Langlaufski einzufädeln, erklärt Toni schon mal die drei Grundregeln des Skatens: gleiten, leicht aufkanten, stark abdrücken, Balance halten, gleiten. Alles klar. Los geht’s! Unsicher eiere ich den muskelbepackten Oberschenkeln des Trainers hinterher. Wer Rollschuh fahren kann, kommt auch hier irgendwie vorwärts. Das Problem: Nach nur einer Runde brennt mir jede Faser von der Ferse bis zum Knie. „Das wirst gewöhnt“, meint der Muskel-Toni. Noch zweifle ich. Lieber schießen als gleiten?

Biathlon im Selbstversuch

Laufen. Zielen. Treffen. In den Kitzbüheler Alpen können absolute Anfänger Biathlon ausprobieren. Die fachgerechte Anleitung ist vor allem im Schießstand von Vorteil. Vor den Zielscheiben übernehmen die Profis sogar das Nachladen. Die Strafrunden müssen die Teilnehmer aber selbst laufen.

Vielleicht habe ich ja die passenden Muskeln fürs Schießen. Mit den Skiern an meinen Füßen werfe ich mich motiviert auf die grüne Matte im Schnee. Trainer Toni reicht mir das Gewehr. Liegend versuche ich, auf die fünf schwarzen Punkte in zehn Meter Entfernung zu zielen. Wie, bitte, soll man denn da treffen? Trainer Toni bückt sich: „Was hast du vor?“ Ich: „Warum?“ Er: „Das ist die Reihe für das Stehendschießen.“ Ach so. Kurz über dem Boden entdecke ich noch eine weitere Reihe mit fünf schwarzen Punkten. Hier kann man das Gewehr auf einen festen Holzklotz auflegen. Das Ergebnis: vier Treffer von fünf. Ein Kinderspiel.

Stehend sieht das anders aus. Mit dem Ellenbogen auf der Hüfte liegt das Gewehr auf meiner Handfläche. Ich soll einatmen, ausatmen, mit dem Sucher die oberen Punkte fixieren – und Schuss. Der Sucher kreist um die Zielpunkte wie ein hektischer Dackel, der sein Leckerli nicht findet. Fazit: nur zwei von fünf Treffern. Keine optimale Voraussetzung für den folgenden Mini-Wettkampf.

Der Staffellauf fühlt sich im Wartebereich an wie die Weltmeisterschaft. Ich kreische meinen Teamkollegen zu, sie sollen „schneller laufen“ oder „ruhig bleiben“. Je nachdem, ob sie gleiten oder schießen. Als ich dran bin, haste ich über die Loipe, so schnell ich nur gleiten kann. Die Krux: Beim Schießen ist mein Atem noch so unruhig, dass ich drei satte Strafrunden kassiere. „Aufregend, oder?“, fragt Toni. Ich: „Und wie.“ Unser Staffellauf war fast so spannend wie bei den Profis.

Info

Mehr Infos zum Gästebiathlon beim Tourismusverband Pillerseetal/Kitzbüheler Alpen unter www.pillerseetal.at, Telefon: 00 43/53 54/5 63 04