Weinbau in Altbayern Der Baierwein kann was

Früher als „Sauerampfer“ verschrien, ist der Regensburger Landwein heute ein guter Grund für einen Ausflug in die urigen Weindörfer an der Donau. Dort gibt’s die Spezialität nicht nur zu kosten, sondern auch allerhand zu erfahren – im hübschen kleinen BaierWeinMuseum
Baierwein-Reben

Die Kirchenglocken von Bach an der Donau, so erzählt man sich, hätten in früherer Zeit jede Nacht einmal geläutet. „Das war das Signal für die Schlafenden, sich im Bett umzudrehen“, erklärt Theodor Häußler, Landwirtschaftsdirektor i.R. aus dem nahen Regensburg, „damit ihnen vom sauren Wein die Magenwand nicht durchbricht.“ Gemeine Geschichten dieser Art gibt es viele über den historischen Baierwein, der höchstwahrscheinlich schon in der Römerzeit an den Südhängen der Donau rund um Regensburg angebaut wurde und weiter flussabwärts bis nach Passau.

Donau

Einen schönen Platz hat sich der Regensburger Landwein ausgesucht: Von den Hängen hat man einen herrlichen Blick hinab auf die Donau

Der Baierwein hat sich gemausert

„Die Kessellage ist ideal für den Weinanbau“, sagt Theodor Häußler, der sich nicht nur historisch, sondern auch ganz praktisch mit dem Regensburger Landwein, wie der Baierwein heute heißt, befasst: Er hat selbst 200 Rebstöcke in seinem Weinberg in Pentling bei Regensburg. „Schon in einer Schrift aus dem 18. Jahrhundert heißt es, dass hier der Winter ganz plötzlich in den Sommer übergeht“, weiß der Baierwein-Experte. „Unter diesen Voraussetzungen kann man sogar einen ganz ordentlichen Wein machen“, sagt er und lacht. Heute nämlich ist der trocken ausgebaute Wein aus Bach an der Donau, Kruckenberg und von den Winzerer Höhen eine ausgewiesene Spezialität, die dem Örtchen Bach sogar in die Riege der „100 Genussorte Bayerns“ verhalf. Das war freilich nicht immer so, was unter anderem mit der Rebsorte zu tun hatte, dem Weißen Elbling, der damals typisch für die Region war. „Eine sehr späte Sorte, die sehr viel Ertrag brachte“, erklärt Theodor Häußler. „Aber das Ergebnis war meist ein eher stahliger, recht saurer Wein.“

Der Baierwein kann was

Das BaierWeinMuseum in Bach an der Donau bietet neben einem spannenden Einblick in den Weinbau in Altbayern von der Römerzeit bis heute auch Weinproben an. Außerdem gibt es Kurse zum Weinbau – und natürlich Feste

Einst Trunk der römischen Soldaten

Böse Zungen sprachen von „Essigwein“ oder „Sauerampferwein“. Enea Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II., kam als Kanzlersekretär Kaiser Friedrichs III. um 1450 zum Reichstag nach Regensburg und berichtete: „Wein wird aufgetragen, dir wird unwohl, wenn du davon trinkst. Er ist scharf wie Essig, verwässert, flockig und sauer, von ebenso schlechtem Aussehen wie Geschmack.“

Den Weißen Elbling kannten übrigens schon die Römer: Sie nannten ihn „Vitis Alba“ (weiße Rebe) – und höchst wahrscheinlich kultivierten sie ihn hier schon vor fast 2000 Jahren, als Regensburg noch ein römisches Legionslager war. Wenn auch der letzte Nachweis fehlt, so Häußler, gebe es doch 13 gute Gründe dafür: Immerhin waren 6000 Mann in der Gegend stationiert, und für die hat man den Wein sicher nicht über die Alpen bringen lassen. Zudem hat man eine alte Kelterstation gefunden, in der damals vermutlich Trauben gestampft  wurden, und mehrere Bacchusfiguren – etwa eine kleine Bronzeplastik in der Nähe von Kelheim an der Donau.

Seitdem ist viel passiert – Klimaschwankungen, Verwüstungen während des Dreißigjährigen Krieges sowie die Konkurrenz qualitativ besserer Weine aus Österreich, Südtirol und Württemberg brachten den Baierwein in Bedrängnis. Sein letztes Stündlein schien in den kalten Wintern der Jahre 1956 und 1957 geschlagen zu haben. Der starke Frost vernichtete die Weinkulturen, viele Winzer aus der Region gaben auf. Doch einige Winzer in Bach an der Donau und Kruckenberg folgten dem Spruch „Wohl, bairisch Wein ist zäh und dauernd wie bairisch Volk“ und wagten einen bescheidenen Neuanfang.

Die Franken und die Satellitenbilder

Heute baut man im zweitkleinsten Weinbaugebiet Deutschlands vor allem Müller-Thurgau an, aber auch Weißburgunder und Grüner Silvaner werden inzwischen in den Weinstuben an der Donau ausgeschenkt. Man ist stolz auf die für das Bierland Bayern so untypische Tradition des Weinbaus: In der Gemeinde Bach an der Donau, dem Herzen der Baierweinregion, hat ein Förderverein ein kleines Spezialmuseum in einem Biethaus aus dem 14. Jahrhundert eingerichtet – mit einer funktionsfähigen Baumpresse aus dem Jahr 1615. Durch die Hänge des Museumsgeländes führt nun ein Weinlehrpfad, der die wichtigsten Weiß- und auch Rotweinsorten der Region vorstellt. „Außerdem haben wir uralte, verwilderte Rebsorten gefunden, die wir jetzt alle wieder um das Museum herum anbauen“, erzählt Theodor Häußler.

Der Regensburger Landwein ist also wieder wer – und das scheint der Konkurrenz nicht so zu schmecken: „Wir sind auf knapp sechs Hektar etwa 20 Hobbywinzer und eine Handvoll Leute, die auch Wein ausschenken und verkaufen“, sagt Häußler. „Es gibt auch ein paar neue Anbauer, aber es ist schwierig, neue Flächen zu bekommen.“ Die Franken, obwohl mit 6000 Hektar tausendmal so groß wie die Regensburger, kontrollierten auf Satellitenbildern, ob neue Anbauflächen hinzukommen, und hakten nach, wenn sie etwas entdecken, berichtet Häußler.

Der Baierwein kann was

Am Museumsweinberg lesen die Mitglieder des Fördervereins gemeinsam die Trauben. Hier ist alles noch Handarbeit

Insel der Seligen in Sachen Weinbau

Und irgendwie freut das den Baierwein-Experten auch: „Wir sind einfach gut, wir machen alles händisch, ohne Winzergenossenschaften, Traubenvollernter und automatische Abfüllanlagen. Wir keltern natürliche Weine mit ,Hausgeschmack‘, die jedes Jahr a bissl anders schmecken.“

Weinbautechnisch sei die Region sowieso eine „Insel der Seligen“, so der Kenner, habe es doch die Reblaus, die Winzern anderswo das Leben schwer macht, nie bis an die Donauhänge geschaft. Zudem sind die Baierwein-Winzer eine eingeschworene Gemeinschaft, „hocken nächtelang beieinander und diskutieren über Hefen.“

Die Leidenschaft der Winzer zahlt sich aus: Der Baierwein gilt inzwischen als regionale Spezialität und hat Bach, das Epizentrum des Regensburger Landweins, über die Region hinaus bekannt gemacht. Vorbei die Zeit des Dreimännerweins, von dem Häußler lachend erzählt: „Wenn früher einer vom Baierwein getrunken hat, brauchte man noch zwei weitere Männer, um den Trinkenden festzuhalten, weil es ihn so geschüttelt hat ...“

INFO

BaierWeinMuseum: Mai bis September sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Gruppenführungen, auch mit Weinverkostung, auf Anmeldung (Telefon: 09403/95020), www.baierwein-museum.de, www.regensburgerlandwein.de. Auf dem Donauradweg gelangt man von Regensburg in knapp 20 Kilometern nach Bach. Auch Ausflugsschiffe fahren ab Regensburg/Steinerne Brücke: www.schifahrtklinger.de. Zur Region: www.landkreis-regensburg.de