Die Lavendel-Marie aus der Steiermark

Marie Zotter hat die Provence ins südsteirische Hügelland geholt: Auf dem elterlichen Hof baut sie Lavendel an, der so gut gedeiht, dass einem Augen und Nase übergehen. Daraus macht sie feines Öl, Seife und vieles mehr.
Marie Zotter in ihrem Lavendel-Feld

Es ist schon immer schade“, sagt Marie Zotter, „da hat man ein voll blühendes Lavendelfeld, es summt und brummt nur so von Hummeln, Bienen, Schmetterlingen – und dann, wenn’s am allerschönsten ist, muss es geschnitten werden.“ Die steirische Kräuterbäuerin hat deshalb beschlossen, den Insekten immer eine kleine Ecke der violetten Pracht stehen zu lassen, damit sie nicht von einem Tag auf den anderen vor dem Nichts stehen.

Es ist dieser wahnsinnig tolle Duft...

Während es auf den Feldern Mitte Juli also leer wird, hat Marie mit ihren geernteten Blüten alle Hände voll zu tun: Sie müssen getrocknet werden, aufgeschüttet, gehäckselt, gesiebt – und erst wenn sie in einem Spezialbetrieb entstaubt worden sind, können sie weiterverarbeitet werden zu Tee, Öl, Seife, Hydrolat ...

Lavendel-Feld

Schon beim bloßen Anblick riecht man den Duft – und wähnt sich augenblicklich in der Provence. Dabei wächst Lavendel auch bei uns, wenn man die richtige Sorte wählt

Doch fangen wir von vorn an – mit einer Bauerstochter, Gärtnerin, Floristin und Kräuterpädagogin, die sich in „diesen wahnsinnig tollen Duft“ verliebt hatte und Lavendel anbauen wollte: „Es sagt einem ja vorher keiner, was für eine Bucklerei das ist“, stellt Marie fest und lacht. Sie hat einige Hügel von den Nachbarn gepachtet, denn „die Hügel will keiner mehr machen, das ist viel zu mühsam“. Marie stellt auf Bio um, kümmert sich um die Bodengesundheit, probiert verschiedene Sorten aus. Und sie stellt fest, dass die Steiermark eben doch nicht die Provence ist, denn der Graswuchs, das Unkraut und die schweren Böden machen es dem Lavendel nicht leicht. „Dafür passt das Klima im steirischen Vulkanland“, so Marie. „Ein bisschen Frost im Winter hält der Lavendel aus, und im Sommer ist es dafür ordentlich warm.“

Familie Zotter

Wie früher, so arbeiten auf dem Hof Zotter auch heute alle zusammen. Jeder hat seinen eigenen Bereich, von Gemüse über Obst und Wein bis hin zum Lavendel. Hier sehen wir Marie (r.) mit ihren Eltern und dem Bruder Christian (2. v. r.), dem das Bodengleichgewicht besonders am Herzen liegt. Davon konnte er sogar den Senior überzeugen, und Marie ist ohnehin eine Verfechterin der ökologischen Landwirtschaft

Lavendel hilft fast immer

So warm und sonnig, dass die Kräuterbäuerin sich bei der Arbeit auf dem Feld schon mal einen leichten Sonnenbrand holt. „Doch etwas Lavendelöl lindert die Rötung schnell“, weiß Marie. Überhaupt verwendet sie Lavendel für fast alles – als Deo, als Gesichtsspray. Und sie hat immer eine Glaskaraffe mit Sirup in Reichweite. „Ich krieg bis heute nicht genug von dem Duft “, verrät sie. Für Marie ist der Lavendel mehr als eine Pflanze, die sie anbaut, verarbeitet und verkauft – sie nennt ihn eine „Lebensschule“: „Man steht da
draußen am Feld, trägt die Sorge für diese Pflanzen, damit da etwas G’scheites draus wird – das ist mehr als nur Landwirtschaft.“

Dass Lavendel beruhigend und ausgleichend wirkt, hat Marie, den drei Brüdern sowie den Eltern, die zusammen den großen Hof mit Obst- und Gemüseanbau schultern, wahrscheinlich auch geholfen, als letztes Jahr der uralte Vierkanthof abgebrannt ist. „Ein ganzes Feld war außerdem weg, der schöne Schaugarten. Aber es ist niemandem etwas passiert“, sagt Marie. „Jetzt haben wir eine Jahrhundertbaustelle, aber auch die wird irgendwann fertig sein.“

Lavendel-Handernte

Tipps für Garten und Balkon

Und was empfiehlt Marie, wenn wir uns ein paar Lavendelsträucher in den Garten oder auf den Balkon pflanzen möchten? „Für den Balkon ist die Sorte ‘Hidcote Blue’ prima. Ein Klassiker, er wird nicht so groß und eignet sich gut zum Trocknen“, verrät sie. „Im Garten  finde ich ‘Dwarf Blue’ besonders schön: niedriger, kompakter Wuchs mit besonders dichter Blüte – auch prima als kleine Hecke. Ein wunderbarer Terrassenlavendel ist der ‘Papillon’ – die Blüten erinnern an kleine Schmetterlinge. Er ist allerdings nicht winterhart und sollte deshalb in Kübel gepflanzt werden.“

Zum Trocknen der Blüten empfiehlt Marie übrigens einen luftigen Ort, an dem man kleine Sträußchen aufhängt. Wer die Blüten lieber nicht abschneiden will, kann sie auch kaufen, etwa in Maries Online-Shop: www.hof-zotter.at