Woher wissen die Bäume, dass es Herbst wird?

Im Herbst färben sich die Blätter in verschiedene Rot-, Orange- und Gelbtöne. Stefan Adler ist Referent für Waldpolitik beim NABU und erklärt, wie die Bäume wissen können, dass es genau jetzt Zeit ist dafür.
Gelb gefärbte Blätter im Herbst

Es geht um Leben und Tod. Wie jedes Jahr im Herbst. Wenn Eichen erröten, der Ahorn gelb wird und der nächste Windstoß die letzten Blätter von den Bäumen weht. „Bei sinkenden Temperaturen fangen Bäume an, alle verwertbaren Nährstoffe aus ihren Blättern zu ziehen und diese einzulagern. Das Chlorophyll, welches die Blätter für uns grün erscheinen lässt, wird zuerst abgebaut, und die roten und gelben Farbstoffe der Blätter werden dadurch sichtbar“, erklärt der Referent für Waldpolitik Stefan Adler vom Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Letztlich isst der Baum also die verwertungsfähigen Bestandteile seiner Blätter, denn er benötigt „Kraft“, um den Winter zu überstehen, möchte außerdem nichts „verschenken“. Sind alle Nährstoffe im Blatt verbraucht, bildet sich eine Art Borke zwischen Blattansatz und Ast, um den Baum vor Frost zu schützen. Kommt nun ein Wind auf, wird an dieser Stelle das Blatt vom Ast getrennt. Allerdings gibt es auch im Sommer mal kalte Perioden. Da werfen die Bäume ihre Blätter auch nicht ab. Was zeigt neben den Lufttemperaturen den Bäumen an, dass es nun Herbst ist?

„Ein zweiter wichtiger Faktor, der den Bäumen anzeigt, dass nun Herbst wird, ist die Tageslänge“, weiß Stefan Adler. Pflanzen können also tatsächlich wahrnehmen, wie lang die Tage und die Nächte im Verhältnis zueinander sind. Genau genommen ist die Länge der Dunkelperiode, also der Nacht, der entscheidende Faktor. Die Dauer der Nacht messen die Bäume über spezielle Eiweiße in ihren Blättern, die dunkelrotes Licht wahrnehmen. Letztendlich sichern Laubbäume so ihr Überleben. Denn hätten sie auch im Winter Blätter, würden sie über kurz oder lang vertrocknen. Warum? Bäume verdunsten einen Großteil des Wassers, das die Wurzeln aufnehmen, über ihre Blätter. Im Winter können sie in diesem „Verdunstungsmodus“ nicht bleiben, denn das Wasser gefriert im Boden.

Nadelbäume hingegen lassen sich vom Herbst erst gar nicht ins Bockshorn jagen. Sie sind immergrün und werfen ihre Nadeln nicht ab, denn diese sind mit einer isolierenden Wachsschicht ausgestattet, durch die sie vor Kälte geschützt sind und das Wasser im Inneren speichern können.