Salzburg Eine Gämsenfamilie mitten in der Stadt

Gämsen haben es sich im Salzburger Stadtgebiet gemütlich gemacht. Hier werden sie gefüttert und fachgerecht betreut
Blick auf Salzburg

Kein Wunder, dass es den Gämsen auf dem Kapuzinerberg gefällt – bei dieser Aussicht auf die Altstadt mit der Festung Hohensalzburg!

Wenn i allein aussi geh, seh i sie immer – aber mit Gästen is des so a Sach“, erzählt der Stadtförster, zuckt mit den Schultern und grinst. Manuel Kapeller erzählt gern von der Gämsenpopulation auf dem Salzburger Kapuzinerberg – der weltweit einzigen, die in einer Stadt lebt: 1948 soll es gewesen sein, als erstmals ein Gamsbock auf dem Kapuzinerberg aufgetaucht ist. „Er kam wahrscheinlich vom Gaisberg oder vom Untersberg“, sagt Kapeller. „Früher war das ja alles unbebaut und durchlässig.“ Man habe dem einsamen Tier später eine halbzahme Geiß aus der Steiermark an die Seite gestellt, erzählt man sich. Mit Erfolg: Heute lebt ein gutes Dutzend Gämsen auf dem Kapuzinerberg. „In den letzten Jahren gab es immer Ende Mai um die drei Kitz“, weiß der junge Stadtförster, der die Tiere heute betreut und vor allem im Winter auch füttert. Zwei- bis dreimal pro Woche kontrolliert er die Futterstellen in dem etwa 80 Hektar großen Gebiet.

Gämse in Salzburg

Die Gämsen haben es sich im Salzburger Stadtgebiet gemütlich gemacht. Hier werden sie gefüttert und fachgerecht betreut

Warum die Gämsen auf dem Salzburger Hausberg bleiben und nicht wieder ins Hochgebirge zurückgehen? „Na ja, hier haben sie es halt schon sehr bequem – im Hochgebirge füttert sie niemand“, erklärt Kapeller. „Und um ehrlich zu sein, wäre es inzwischen  auch schwierig, denn der Weg zurück ist ja praktisch zugebaut, Salzburg ist natürlich gewachsen in den letzten 70 Jahren.“

Eine Gämsenfamilie mitten in der Stadt

Auf dem Kapuzinerberg gibt es zahlreiche schöne Spazierwege – und das nur einen Gämsensprung von der Innenstadt entfernt

Ganz selten, wenn es unten in der Stadt schon Frühling wird und sich der Winter noch ein bisschen hält auf dem Kapuzinerberg, sind auch schon einzelne Gämsen ausgebüxt. „Einmal hat mich jemand vom Fußballplatz angerufen“, erinnert sich der Förster, „und hat gesagt: ,Deine Gämse turnt mit.‘ Die hat halt von oben vom Berg den schönen grünen Rasen gesehen und wollt auch mal wieder was Frisches.“

Stadtförster Manuel Kapeller

Manuel Kapeller ist seit drei Jahren der Stadtförster von Salzburg. Er betreut die städtischen Waldflächen und auch die Gamswildkolonie am Kapuzinerberg. Hier bringt er den Tieren frisches Heu: „Das mögen sie lieber als die üblichen Pelletmischungen...“

INFO

Es gibt verschiedene Spazierwege hinauf auf den Kapuzinerberg am rechten Ufer der Salzach – etwa über die enge Imbergstiege hinauf zum Kapuzinerkloster, vorbei an der Hettwerbastei (toller Ausblick), weiter über den romantischen Basteiweg bis zum Franziskischlössl (www.salzburg.info). Die Gämsen sieht man allerdings meist besser von unten, so unser Förster: Entlang der Schallmoser Hauptstraße hat man den steilen Teil des Berges im Blick – da sind die Tiere oft nur 50 bis 70 Meter Luftlinie entfernt.